Kultur

Verein hofft auf Mietvertrag über 10 Jahre
Kulturhaus Littau wird sesshaft – und will wachsen

  • Lesezeit: 5 min
Roman Rieder ist Projektleiter und Vorstandsmitglied des Kulturhauses Littau.
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Roman Rieder ist Projektleiter und Vorstandsmitglied des Kulturhauses Littau. (Bild: Elia Saeed)

Das Kulturhaus Littau ist ein zartes Pflänzchen in der wüstenartigen Littauer Kulturlandschaft. Das Projekt wächst seit drei Jahren kontinuierlich heran und steht davor, zu einer festen Grösse im Quartier zu werden. Einfach ist der Weg dahin aber nicht.

Littau ist kulturell zwar vielfältig, Angebote sind aber rar gesät. Das sagen auch Stimmen aus der Bevölkerung, wie Roman Rieder gegenüber zentralplus erklärt. Er ist Vorstandsmitglied und Projektleiter des Kulturhauses Littau. Seit Anfang 2019 betreibt der Verein ein Atelier-Haus, das sich über zwei Stockwerke hinweg in einem ehemaligen Bürogebäude eingemietet hat.

Hier an der Luzernerstrasse 133 mieten und teilen derzeit 30 bis 40 mehrheitlich musikalische und bildende Kulturschaffende gemeinschaftlich Räume, um sich darin ihren Werken zu widmen. Das Kulturhaus Littau nutzt die Liegenschaft im Rahmen einer Zwischennutzung – doch das soll sich ändern. Der Verein arbeitet derzeit daran, das Projekt mit einem langfristigen Mietvertrag mindestens zehn Jahre an den Ort zu binden. Und sich künftig auch als Veranstaltungsort und kultureller Treffpunkt zu öffnen.

Kulturhaus will wachsen

«Es ist ein sehr grosses Bedürfnis nach Atelier-Räumen in der Kunstwelt da», erklärt Roman Rieder. In Luzern gebe es derzeit zu wenig «Räume, wo man ausprobieren kann, wo nicht immer alles perfekt ausgebaut sein muss und man auch selbst einmal etwas initiieren kann». Diese Tatsache zusammen mit dem Faktor, dass es in Littau nicht viele kulturelle Angebote gibt, brachten ihn mit anderen Kulturschaffenden dazu, den Verein «Kulturhaus Littau» zu gründen.

Nach Rücksprache mit der Liegenschaftsbesitzerin verlangte diese zuerst ein Konzept und einen Businessplan. Die ersten Pläne sind ihr zu gross geraten, doch die Grundidee habe sie unterstützt. Letztlich erhielt der Verein eine Zusage für die Zwischennutzung. Doch bevor die Immobilienverwaltung einen fixen Mietvertrag ausstellt, will sie sehen, dass das Projekt langfristig finanzierbar ist. Derzeit befindet sich das Kulturhaus Littau im Austausch mit der Stadt Luzern. Diese finde es «eine tolle Idee», erzählt Rieder. Doch es gibt einen Haken: «Wenn keine langfristige Nutzung in Aussicht ist, lohnt es sich für die Förderstellen nicht, darin zu investieren.»

Verzwickte Patt-Situation

Durch die verzwickte Lage entsteht für das Kulturhaus eine Patt-Situation. Denn um langfristig planen zu können, braucht der Verein finanzielle Sicherheiten. Doch um diese zu erhalten, muss er zuerst beweisen, dass er langfristig planen kann. Der Verein braucht «etwas Verbindliches, das uns in Aussicht stellt, dass wir einen fixen Vertrag erhalten», erklärt Rieder. Denn das bisherige Angebot ist bei den Künstlern begehrt. «Inzwischen haben wir eine Warteliste», so Rieder. Der Verein hat die Mietpreise niedrig angesetzt, um «möglichst vielen Menschen diesen Freiraum zugänglich zu machen».

Derzeit zahlen Künstlerinnen zwischen 250 und 300 Franken pro Monat für einen geteilten Atelier-Raum. «Für eine langfristige Nutzung müssen wir mit den Preisen voraussichtlich etwas nach oben, um die Kosten decken zu können», erklärt Rieder weiter. Künftig soll ein Raum für monatlich 350 Franken zu haben sein. Um den Platz effizient nutzen zu können, wird derzeit ein Abo-System konzipiert, mit dem man einzelne Räume für bestimmte Zeitfenster buchen kann. Momentan liege der kalkulierte Durchschnitt für so ein Abo bei rund 150 Franken pro Monat.

Auf Unterstützung angewiesen

«Unser Anliegen ist, dass Leute, die viel zur Verfügung haben, mehr zahlen, damit wir denjenigen, die weniger Einkommen haben, entgegenkommen können», so Rieder. Der Verein selbst profitiert während der Zwischennutzung von stark vergünstigten Konditionen. Mit einem fixen Mietvertrag würden die monatlichen Kosten gerade zu Beginn jedoch über die kalkulierten Mieteinnahmen gehen. «Wir haben das Projekt so geplant, dass wir es nach vier bis fünf Jahren selbsttragend machen könnten», erzählt Rieder. «Aber gerade für den Umbau sind wir auf Unterstützung von Stiftungen und der öffentlichen Hand angewiesen.»

Um als vollwertige Kulturstätte genutzt werden zu können, ist geplant, aus mehreren Räumen einen Veranstaltungssaal für 50 Personen zu bauen, die Musikzimmer mit richtigen Schallisolationen auszustatten und die Ateliers effizienter zu gliedern. «Das Ziel ist, dass wir von diesem Haus hier ins Quartier ausstrahlen», sagt Roman Rieder. Man habe schon Anfragen für Tanz-Unterricht und wolle hier dereinst diverse Aktivitäten bieten können, wie beispielsweise Lesungen oder Raum für Yoga-Unterricht.

Littau als kulturelle Inspiration

«Es kann auch mal ein Bastelnachmittag sein», sagt Rieder. «Wenn man von einem Kulturhaus spricht, denkt man oft an Kunstschaffende. Aber es kann auch Kultur in Bezug auf gesellschaftliches Zusammenkommen sein.» Es habe auch schon hausinterne Vorführungen von Kulturschaffenden gegeben, aber noch nichts Öffentliches – aus Sicherheitsgründen. «Die Ateliers haben noch keine Schlösser», erklärt Rieder.

«Es hat bisher noch niemand etwas daran verdient.»

Roman Rieder, Projektleiter Kulturhaus Littau

Die Liegenschaftsverwaltung Musegg Immobilien habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Gemäss Rieder habe sie gesagt, die Kulturbranche zu wenig zu kennen. Dank des Vereins habe sie diese aber kennengelernt. Rieder findet diesen Austausch wertvoll und hofft, «dass das auch eine Inspiration für andere Immobilieneigentümer sein kann».

Gerade weil man wisse, dass Kultur-Pfeiler der Stadt nicht ewig bestehen bleiben, seien Liegenschaftsbesitzer, die eine leerstehende Immobilie in der Warteschleife hätten, aufgerufen, sich aktiv über eine mögliche Zwischennutzung zu informieren. Beispielsweise bei der IG Kultur oder den Anlaufstellen vom Neubad oder der Stadt Luzern.

Langfristige Entwicklung

Die Stadt sei bisher immer sehr unterstützend gewesen und habe den Verein bisher mit gutem Austausch mitbegleitet, erzählt Roman Rieder. Durch Verhandlungen mit der öffentlichen Hand und Stiftungen gebe es mittlerweile auch gute Aussichten auf Unterstützung. Einem fixen Mietvertrag ist man gemäss Rieder ein grosses Stück näher.

«Wir sind organisch gewachsen», erklärt Rieder. «Das ist einer der Hauptgründe, wieso wir nach bald drei Jahren erst an diesem Punkt sind.» Überschüsse legt der Verein für den Umbau zur Seite. «Es hat bisher noch niemand etwas daran verdient.» Es sei wichtiger, sich langfristig etablieren zu können.

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