Kultur
Andrew Roachford in der Chollerhalle

Zwischen Ohrwurm und Eintönigkeit

Der Londoner Soul-Sänger Andrew Roachford überzeugte vor allem mit den Hits seiner eigenen musikalischen Helden.

(Bild: )

Am Donnerstagabend gab der britische Soulsänger Andrew Roachford in der Chollerhalle seine Hits von gestern und heute zum Besten. Ein Abend zwischen Pop, Rock, Soul und virtuosen Gitarrensoli, bei dem am Ende doch das gewisse Etwas fehlte.

Im Anzug betritt der Sänger mit indischen Wurzeln die Bühne der Zuger Chollerhalle, die an diesem Abend sehr spärlich gefüllt ist. Denn obwohl Andrew Roachford einige echte Ohrwürmer im Programm hat, blieb er (bis jetzt) eher ein Geheimtipp. Trotzdem merkt man, dass sich der Sänger freut, diese zwei Stunden mit dem Publikum zu verbringen und mit seiner Band die «Encore»-Tour zu bestreiten. 

Coverhits zum Mitsingen

Seine musikalischen Einflüsse gehen unter anderem auf Bill Withers und Stevie Wonder zurück, doch nach einem sirenenartigen Intro eröffnet er sein Set mit einem Cover des «Red Hot Chili Peppers»-Hits «Under The Bridge». Seine Version kommt beim Publikum gut an, und hie und da wird bereits mitgesungen oder wenigstens mitgesummt. Die Songs machen es schwer, still zu sitzen oder zu stehen, unweigerlich wippt oder klatscht man mit. Auch die Band, bestehend aus seinem Bruder an der Gitarre, einem Schlagzeuger und einem Bassisten trägt zu dieser lebendigen Atmosphäre bei.

Virtuose Keyboardsoli begleiten und begeistern

Was positiv auffällt, sind die Backgroundstimmen, die vom Bassisten und vom Schlagzeuger übernommen werden und die Stücke noch besser machen. Mal hüpft Hammond von der Bühne und singt im sitzenden Publikum, mal versucht er es mit kurzen Deutschfloskeln zwischen den Hits – sehr zum Vergnügen des Publikums, und immer wieder animiert er zum Mitsingen. Was begeistert, sind auch die phänomenalen Keyboardsoli, die in praktisch jedem Song erklingen. Speziell auch, dass das Keyboard so präsent im Zentrum der Bühne steht.

Im Grenzbereich zwischen Soul und Rock

Obwohl die Songs kreativ umgesetzt wurden, erinnern sie doch immer auch an andere bekannte Hits, und deshalb macht sich gegen Mitte des Sets eine gewisse Langeweile breit. Besonders bei einem Stück wurden dieselben Zeilen viel zu oft wiederholt, ohne eine Spannung aufzubauen. Gegen Ende der Show wurde es dann wieder besser: Nachdem die Band für einige Songs die Bühne verlässt und Andrew Roachford mit seinem Keyboard alleine im Rampenlicht lässt, schmettert er weitere Hits über die Bühne und gibt auch wieder einige Covers (Sly Stone, Sister Sledge) zum Besten.

Kein cooles Bassriff, kein halsbrecherisches Gitarrensolo, und auch sonst fehlte der Darbietung das gewisse Etwas.

Das letzte Stück «Ride The Storm», welches nochmals mit der gesamten Band gespielt wurde, zeigte nochmals das Potenzial der Band und insbesondere des Schlagzeugers auf, weil Andrew die Band zuerst 2, dann 3, dann 5 und schliesslich 21 Breaks hintereinander spielen lässt und die drei Musiker immer perfekt zusammenspielen. Und mit dem letzten Song «To Be With You» entlässt er nach einem etwas kurz geratenen Set überglücklich die Bühne. Sein Wunsch, dass jeder den Saal mit einem Lächeln verlässt, ist in Erfüllung gegangen.

Nicht das Maximum herausgeholt

Wer allderings auf etwas Ausgefallenes oder Virtuoses gewartet hatte, wurde enttäuscht. Die Band blieb verhalten, kein cooles Bassriff, kein halsbrecherisches Gitarrensolo, und auch sonst fehlte der Darbietung das gewisse Etwas. Einige Blechbläser hätten gut getan, so blieben die Songs irgendwie unvollständig und liessen den Hörer ein wenig unentschlossen zurück. Trotzdem war es ein toller Abend, und Andrew Roachford hat eine einzigartige, soulige Stimme und eine grosse Bühnenpräsenz. Die Band jedoch hat ihre Chance nicht voll ausgeschöpft.

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