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Auf Broadway folgt Caleidoskop – mit Änderungen
Zugerin lässt das altehrwürdige Varieté wieder aufblühen

  • Lesezeit: 5 min
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Hereinspaziert! Claudia Kienzler hat dem Zuger Varieté zu neuem Glanz und neuem Namen verholfen. (Bild: wia)

Aktuell steht nahe dem Zuger ein Zelt, umgeben von Zirkuswagen. Hat das Broadway-Varieté nicht vor einigen Jahren seine Tore geschlossen? In der Tat. Eine Zugerin hat die alte Schaubude jedoch mit einem neuen Kleinkunst-Theater zum Leben erweckt.

«Das Broadway-Variété hat seinen letzten Funken versprüht und eine grandiose Abschiedstournee gefeiert», liest man auf der Webseite des Spiel- und Verzehr-Theaters, das 2018 seine Türen schloss. Dass das historische Varieté «zum Alteisen verkomme» dürfe nicht sein, befand . Sie war davor mehrmals Teil des Ensembles, mitunter als Artistin und musikalische Leiterin.

Die professionelle Violonistin und Bratschistin fasste sich ein Herz: Im November 2019 gründete Kienzler den Verein «». «Das Baumaterial holten wir am 16. März 2020 ab, am Tag, als der Lockdown begann», erinnert sich die 41-Jährige.

Neuer Verein, neues Kleinkunst-Theater, und zack, Pandemie

Was folgte, war in mehrerlei Hinsicht anspruchsvoll. Zum einen galt es, den Betrieb mit weiteren Zirkuswagen zu komplettieren, den Wagenpark inklusive Theater zu sanieren, die kommende Tour zu planen und Personal zu finden. Zum anderen überschattete die Pandemie das Unterfangen insofern, als dass es schwierig wurde, überhaupt Pläne zu schmieden. Eigentlich hätte das Varieté Caleidoskop 2021 bereits auf Tour gehen sollen.

«Immer wieder mussten wir uns fragen, ob es sinnvoll ist, noch mehr Geld zu investieren für eine Produktion, die eventuell nicht stattfindet.»

Claudia Kienzler, Geschäftsleiterin Varieté Caleidoskop

Ein Jahr später als geplant ist das Kleinkunst-Theater nun doch unterwegs und hat in , seiner ersten Spiel-Destination, für einen Monat seine Wagen aufgestellt. Beim Gespräch auf der winzigen Terrasse eines alten, hölzernen Zirkuswagens erzählt Kienzler: «Rückwirkend gesehen war das eine wahnsinnig spannende Zeit.»

Auch wenn sie die letzten beiden Jahre nicht beschönigt. «Besonders schwierig war, dass wir quasi nur Geld ausgaben, aber nicht verdienen konnten.» Sie ergänzt: «Immer wieder mussten wir uns fragen, ob es sinnvoll ist, noch mehr Geld zu investieren für eine Produktion, die eventuell nicht stattfindet.»

Seit 1947 gibt es diese Schaubude. Dieses Jahr feiert man – sehr diskret – deren 75-jähriges Bestehen.

Der Weg führt nur geradeaus

Für die Kulturschaffende ist jedoch klar: «Wenn ich etwas angehe, dann gibt es für mich nur eine Richtung, nämlich weiter geradeaus. Abgesehen davon hatte die Ausnahmesituation auch ihre Vorteile.» Die da wären? «Durch die Pandemie haben sich Möglichkeiten aufgemacht, eigene Denkweisen zu hinterfragen. Wir konnten etwa in einem kleineren Rahmen testen, ob ein Konzept auch anders funktionieren kann wie geplant.»

Finanziell möglich wurde das Überleben in dieser prekären Zeit durch die Unterstützung von kantonalen und städtischen Geldern und verschiedene Stiftungen. Auch Private sorgten dafür, dass das neue alte Varieté nun flügge werden kann.

«Alle haben viel Herz, Muskeln und Hirn eingesetzt, um dieses Projekt zu verwirklichen.»

«Was wahnsinnig half in dieser Phase war, dass wir im Betrieb fantastische Leute haben, die stark verbunden sind mit dem Theater. Dies teils schon über mehrere Jahrzehnte. Sie alle haben viel Herz, Muskeln und Hirn eingesetzt, um dieses Projekt zu verwirklichen», sagt die Geschäftsführerin.

Drei Tage vor der Premiere wird noch tüchtig gearbeitet im Zuschauerraum und auf der Bühne.

Schnippeln, pumpen, fahren: Alle machen alles

«Niemand hier hat Allüren. Wer Teil des Varietés ist, der macht alles. Das Ensemble hilft überall mit, ob beim Aufbau, Service, Abwasch oder beim Fahren. Man schnippelt Gemüse, pumpt Reifen und kontrolliert die Fahrzeuglichter vor der Abfahrt.»

Das funktioniere nur, wenn man ein Interesse daran habe, Teil eines ganzen Zahnradsystems zu sein. Ebenso ist eine Liebe für alte Traditionen nötig. «Auch wenn wir natürlich bezüglich der heutigen Auflagen und Gesetze à jour sind», betont Kienzler.

Nach den Lockerungen im Frühsommer 2021 fanden im derzeitigen Hauptquartier NF49 in Emmenbrücke elf Varieté-Vorstellungen im Kleinformat statt. Am Freitag geht’s in Zug nun so richtig los mit der ersten Tournee unter neuem Namen.

Mehr roten Faden, mehr Fokus auf die Kulinarik

Mit Caleidoskop bricht für die älteste, fahrende Schaubude der Schweiz eine neue Ära an. Was ist anders als beim Vorgänger, dem Broadway Varieté? «Anders als das frühere Theater sind wir keine AG, sondern als Verein organisiert. Dies wiederum bedeutet, dass wir zweckgebunden sind und uns der Kleinkunst sowie dem Erhalt der ältesten Schaubude der Schweiz verpflichten», sagt Kienzler.

Auch innerhalb des Zeltes werden langjährige Gäste Veränderungen zu spüren bekommen: «Zum einen sind wir heute kleiner und damit auch exklusiver. Das Zelt ist heute acht Meter kürzer als früher, also wieder auf seiner originalen Grösse. 56 Gäste finden bei uns Platz und sind nun viel näher am Geschehen dran.»

Ausserdem wird die Kulinarik stärker ins Programm eingebunden. «Die Küche ist neuerdings offen, die Gäste bekommen direkt mit, was darin vor sich geht.»

Die Gäste können zuschauen, wie ihr Essen zubereitet wird.

Das Programm nimmt Bezug auf die Ausgangslage

Zur Veranschaulichung nimmt uns Kienzler gleich mit ins Zirkuszelt. Vorbei an der teils renovierten, bemalten Schaubuden-Fassade, rein in den Zuschauerraum, in dem zurzeit noch einige Leitern stehen und, wenige Tage vor der Premiere, zünftig gewerkt wird. Lichter und Requisiten müssen noch montiert werden, der Sound will gecheckt werden. Tatsächlich hat man von hier aus nicht nur freie Sicht auf die Bühnen, sondern auch direkten Einblick in den Küchenwagen.

«Anders als früher im Broadway Varieté handelt es sich beim Programm vielmehr um eine durchgehende Geschichte denn um einzelne Nummern.» Dieses steht unter der Regie des Kabarettisten Didi Sommer. Das Stück nimmt unter anderem Bezug auf die aktuelle Ausgangslage: Ein Theater schliesst seine Tore, die Crew macht es sich bereits gemütlich, wird träge. Und plötzlich sitzen da wieder Gäste im Zuschauerraum. Was nun?

«Eine Bühne spielt ja nicht ohne Publikum.»

Claudia Kienzler erklärt: «Die Gäste sind letztlich das, was ein Theater zum Theater macht. Eine Bühne spielt ja nicht ohne Publikum.» Weshalb dieses auch mitten ins Geschehen gehört, und nicht in die hinteren Ränge.

Hinweis: Diesen Freitag feiert das Varieté Caleidoskop Premiere. Bis am 2. Juni bleibt die alte Schaubude in Zug stationiert, bevor es, gemächlichen Tempos, für einen Monat nach Bern, und später nach Kriens und Birsfelden geht.

Verwendete Quellen
  • Webseite Varieté Caleidoskop
  • Besuch am Spielort Zug
  • Persönliches Gespräch mit Claudia Kienzler
  • SRF-DOK Luzern in Zeiten des Corona-Virus
Weitere Quellen
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1 Kommentare
  1. Roli Greter, 12.05.2022, 20:21 Uhr

    Super Claudia, ganz viel Freude und Glück!

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