Lotteriefonds soll einspringen

Zuger Regierung will mit Geld privaten Kostümverleih retten

Das «Atelier 40» in der Gewürzmühle umfasst mehr als 15'000 Kostüme. Im Bild: Aldo Caviezel, Leiter des Amts für Kultur. (Bild: zvg)

Kostümverleihe kämpfen mit sinkender Nachfrage. Das spürt auch das «Atelier 40» in der Zuger Gewürzmühle. Mit rund 36'000 Franken möchte die Zuger Regierung dem privaten Kostümverleih nun die Existenz sichern. Es stellt sich die Frage, ob dieses Geschäft noch unter Kulturförderung laufen soll.

Das «Atelier 40» in der Gewürzmühle gibt es seit über 20 Jahren. Hier können Privatpersonen oder Firmen aus über 15'000 Kostümen die geeignete Verkleidung für Mottopartys, Feiern oder die Fasnacht aussuchen. Wie Björn Bugiel vom «Atelier 40» gegenüber zentralplus erklärt, statten sie aber auch regelmässig grosse und kleine Filmproduktionen und Theater aus.

Aber Kostümverleihe haben es schwer. Viele Betriebe kämpfen mit der zunehmenden Konkurrenz aus dem Internet. Wer im Kanton Zug noch ein Kostüm ausleihen statt kaufen möchte, muss meist über die Gemeindegrenzen fahren. Neben dem «Atelier 40» in der Stadt Zug gibt es nur noch einen weiteren Kostümverleih in Walchwil. Was die beiden Betriebe vereint: Sie haben Probleme. Die Betreiberin des Kostümverleihs in Walchwil möchte ihren Fundus daher weitergeben.

Kostümverleih stagniert auch nach Corona

Den Betreibern des Kostümfundus an der Zuger St. Johannesstrasse will die Zuger Regierung nun aber unter die Arme greifen. Mit rund 36'000 Franken, je zur Hälfte vom Bund und aus dem Lotteriefonds bezahlt.

Doch wie so vielen Kulturbetrieben hat die Coronapandemie auch dem «Atelier 40» zu schaffen gemacht (zentralplus berichtete). «Während der Coronazeit sind die Auftragszahlen gegen null gegangen, sodass wir gegen Ende der Pandemie vor dem Nichts gestanden sind», sagt Bugiel. Auch nach der Coronapandemie komme die Auftragslage nur schleppend wieder in Gang, begründet die Regierung die Unterstützung in einer Mitteilung des Regierungsrates.

Ist ein Kostümverleih Kultur?

Es ist wohl das erste Mal, dass die Zuger Regierung einen Kostümfundus im Rahmen der regulären Kulturförderung finanziell unterstützt, wie Aldo Caviezel gegenüber zentralplus sagt. «Ob ein Kostümfundus unter Kulturförderung laufen soll, ist eine Grundsatzfrage.» Er relativiert aber: Institutionen wie ein Kostümfundus haben schon vorher von der Kulturförderung profitiert. Dies einfach indirekt über die Unterstützung von Kulturprojekten.

Zudem habe in den vergangenen Jahren ein Umdenken in der Kulturförderung stattgefunden. «Im Rahmen der Covid-19 Kulturverordnung des Bundes, auf welche sich die Coronahilfen stützen, haben sich alle Kantone – und nicht nur der Kanton Zug – darauf geeinigt, dass man neben den Kulturschaffenden und den Kulturinstitutionen auch die Zulieferbetriebe unterstützen soll», so Caviezel. Unter solche Zulieferbetriebe fallen auch Kostümverleihe wie jene des «Atelier 40».

«Ohne die Unterstützung des Kantons hätten wir nicht überlebt.»

Björn Bugiel, Kostümverleih «Atelier 40»

Sowieso dürfe man das «Atelier 40» nicht mit einem herkömmlichen Kostümverleih vergleichen. «Der Kostümfundus stattet etwa Filmproduktionen oder Laientheater in der ganzen Zentralschweiz aus. Das von Laien ausgeübte Theaterspiel ist in der Zentralschweiz verbreitet und gesellschaftlich stark verankert», sagt Caviezel. Dies zeige auch, dass die Unesco das Laientheater in der Zentralschweiz in die Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz aufgenommen hat.

Unterstützung soll eine einmalige Sache bleiben

Für das «Atelier 40» ist Unterstützung des Kantons essenziell: Angesprochen darauf, ob der Fundus auch ohne die Hilfe überleben würde, sagt Björn Bugiel: «Schlussendlich weiss man zwar nie, vielleicht kommt morgen der grosse Hollywood-Auftrag (lacht). Man muss aber ehrlich sein: Das ist nicht besonders realistisch. Nein, ohne die Unterstützung des Kantons hätten wir nicht überlebt.»

Die Unterstützung des Kantons soll dem Fundus helfen, sich wieder selbst zu finanzieren. Die gesprochenen Gelder für das «Atelier 40» sollen daher eine einmalige Sache bleiben, sagt der Kulturbeauftragte des Kantons Zug, Aldo Caviezel. Konkret werden die Gelder eingesetzt, um den Kostümfundus zu professionalisieren. Denn langfristig müssen die Kosten minimiert werden, so Caviezel. Dazu gehört etwa, dass der Fundus nur nach Terminvereinbarung öffnet. Das neue Betriebsmodell erlaube etwa, die jetzige 100-Prozent-Stelle auf eine 50-Prozent-Stelle zu reduzieren.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Aldo Caviezel, Leiter des Amts für Kultur, Kanton Zug
  • Telefonat mit Björn B. Bugiel, «Atelier 40»
  • Medienmitteilung des Regierungsrates
  • Artikel in der «Zuger Zeitung»
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