Kultur
B-Sides Festival

«Wir sind mehr als nur Veranstalter»

Wenn hunderte Luzerner auf den Sonnenberg in Kriens pilgern, dann ist B-Sides Festival. (Bild: zvg)

Bereits zum 9. Mal findet auf dem Krienser Sonnenberg das B-Sides Festival statt. Das Open Air hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Pflichttermin für Luzerner Musikliebhaber gemausert. Und obwohl die meiste Arbeit noch ehrenamtlich verrichtet wird: Das B-Sides hat auf Januar 2012 eine Geschäftsstelle aufgebaut. Ein konkretes Beispiel dafür, wie die Kulturwirtschaft Arbeitsplätze schaffen kann.

Vor gut zehn Jahren wollten einige Luzerner Freunde ein Festival gründen und suchten nach dem perfekten Standort. Gefunden wurde dieser nach einer Jogging-Tour vom heutigen B-Sides Geschäftsführer Marcel Bieri. Nachdem er den Platz auf dem Sonnenberg seinen Mitstreitern gezeigt hatte, ging alles sehr schnell über die Bühne. Im Herbst desselben Jahres wurde das Konzept eingereicht, im Sommer darauf – im Jahr 2006 – fand das erste Festival über den Dächern von Luzern und Kriens statt. Im Januar 2012 hat das B-Sides die erste Stelle geschaffen. Und das soll erst der Anfang sein. Für das nächstjährige Jubiläum sollen die Stellenprozente weiter ausgebaut werden.

«Ich arbeite zu 100 Prozent und erhalte für 50 Prozent Lohn»

Inhaber dieser geschaffenen Stelle ist B-Sides Mitbegründer Marcel Bieri. Obwohl er nun mit der vorherigen ehrenamtlichen Arbeit seinen Lebensunterhalt verdient, sei das B-Sides noch immer auf freiwilligem Einsatz aufgebaut: «Ich arbeite zu 100 Prozent und erhalte dafür 50 Prozent Lohn. Das reicht mir, um über die Runden zu kommen.» Entstanden ist die Geschäftsstelle aufgrund der Entwicklung des Festivals. Die Erfahrungen und Strukturen seien stets gewachsen, und damit sich das B-Sides weiterentwickeln könne, sei dieser Schritt nötig gewesen: «Wenn du am Wachsen bist, ist eine solche Entwicklung ein Muss. Sonst gehen die Leute, und Fluktuation ist das Schlimmste für ein kleines Festival», erklärt Bieri.

Bereits vor drei Jahren wurden erste Bezahlsysteme eingeführt. Damit erhielt die Festivalleitung bescheidene Pauschalbeiträge, «um so wenigstens die Spesen decken zu können», wie es Bieri beschreibt. Und dieses System scheint bisher aufgegangen zu sein, so hat bisher noch kein Gründungsmitglied das B-Sides verlassen. Es organisieren immer noch genau jene Leute das Festival, die es vor neun Jahren das Festival ins Leben gerufen haben. Trotzdem bleibt die Ehrenamtlichkeit aber ein Grundpfeiler des B-Sides Festivals: «Pro Jahr sind wir auf die Hilfe von ungefähr 250 Helfern angewiesen. Ohne diese Freiwilligen wäre an eine Durchführung des Festivals nicht zu denken», stellt Bieri klar.

Ehemaliger B-Sides Dekochef baut Spielplatz in Emmen

Doch es ist nicht nur die Geschäftsstelle, welche das B-Sides geschaffen hat. Seit zwei Jahren teilen sie sich mit dem ehemaligen Dekochef des Festivals, Raphel Beck, im Emmer Viscose-Areal eine Werkstatt. Dort hat Marcel Bieri sein Büro, die Dekorations-Gruppe des Festivals kann dort ihre Arbeiten erledigen und Raphel Beck nutzt die Halle als Werkstatt für seine eigene Firma «3Raben». Diese gemeinsame «Heimat» führte auch zu intensiveren Beziehungen zwischen der Hallengemeinschaft und Emmen. So bauen die «3Raben» nun einen neuen Spielplatz – im Auftrag der Gemeinde. «Wenn man im Vicose-Areal alles überbauen würde, dann wäre es in 15 Jahren ein totes Areal», erklärt Bieri. Das sei Emmen bewusst, und deshalb werde vor Ort die Kreativ- und Kulturwirtschaft gefördert. «Die Stadt Luzern hat solche Entwicklungen lange verschlafen, das sieht man bei der Industriestrasse. Das Areal ist nicht gross und wäre eine perfekte Nische für eine Kreativ- und Kulturwerkstatt», findet Bieri.

Das B-Sides Festival

Das B-Sides hat seinen Namen aus der Vinyl-Zeit. Damals wurde die eigentliche Single auf die A-Seite einer Platte gedruckt. Um die Rückseite ebenfalls zu füllen, wurde nebst der eigentlichen Single ein weiterer Song – die B-Seite – gepresst.

Der Name ist Programm. Das B-Sides verzichtet auf grosse Namen aus der Hitparade und bietet bekannte oder auch unbekannte Acts aus dem Offstream.

Das Festival dauert drei Tage (12. – 14. Juni 2014) und findet auf dem Krienser Sonnenberg statt. Augenfällig am B-Sides ist jeweils die aufwendig künstlerisch gestaltete Dekoration. Einen guten Ruf geniesst ebenfalls die B-Sides Küche, welche auch dieses Jahr anstatt Kebab zum Beispiel Kartoffel-Fisch-Karpfen oder Lamm-Auberginen Frikassee kocht.

Highlights aus dem diesjährigen Programm sind Caribou, Portugal. The Man oder die wiedervereinten Luzerner Suchas.

Doch nicht nur die Gemeinde Emmen profitiert vom ansässigen B-Sides. Das Festival bezieht die Getränke und Lebensmittel bei einem lokalen Anbieter, ebenso die Tontechnik, Baumaterial und vieles mehr. Und nebst den vielen internationalen Bands welche am Festival auftreten, kommen auch viele einheimische Künstler – Musiker, Grafiker, etc. – in den Genuss einer fairen Künstlergage. So generiert das B-Sides nicht nur einen kulturellen Mehrwert in der Region Luzern, sondern eben auch Umsatz. Laut Marcel Bieri soll es das aber noch nicht gewesen sein. Für das nächste Jahr plant das B-Sides den nächsten Ausbau.

Projektteam plant 10-jähriges Jubiläum

Um 2015 das zehnjährige Bestehen gebührend zu feiern, setzt das B-Sides eine Projektleitung bestehend aus zwei Personen ein. Diese teilen sich zusammen 40 Stellenprozente. Doch wie weiter? Ist ein weiterer Ausbau überhaupt noch möglich? Das Gelände des B-Sides ist begrenzt, Mehreinnahmen über eine Steigerung der Publikumszahlen sind also nicht möglich. Die Frage, ob künftig mit teureren Tickets oder Getränkepreisen gerechnet werden muss, beantwortet Marcel Bieri mit einem klaren Nein: «Das B-Sides hat eine klare Message: Wir bieten eine gute Sache zu einem fairen Preis.» Das Festival müsse sich aber immer auch am Markt anpassen, dieser Entwicklung könne sich das B-Sides nicht verschliessen: «Ich hätte anfangs nie gedacht, dass wir einmal Ticketpreise von 50 Franken haben werden», so Bieri. Und trotzdem gibt es wohl nur noch wenige Festivals in der Schweiz, welche man für 50 Franken besuchen könne.

Wachsen will das B-Sides Festival, aber nicht auf dem Sonnenberg, sondern «in die Breite», wie es Marcel Bieri nennt. Bereits über ein Dutzend Konzerte finden unter dem Jahr in der Stadt Luzern statt, welche vom B-Sides organisiert werden. Und auch der Auftakt in die Jubiläumssaison wird sich sehen lassen können. «Wir verstehen uns nicht nur als Veranstalter des Festivals auf dem Sonnenberg, sondern als Kulturinstitution, die verschiedenste Anlässe auf die Beine stellt. Da liegt noch viel Potential, um uns weiterzuentwickeln», so Bieri.

B-Sides vernetzt Luzern national wie international

Entwickelt hat sich mittlerweile auch das Netzwerk der Festival-Macher. «Vor vier bis fünf Jahren suchten wir den Kontakt zu anderen Festivals und führten einen intensiven Austausch über die Strukturen», erklärt Bieri. So sass man mit den Verantwortlichen der Stanser Musiktage, der «Bad Bonn-Kilbi» in Düdingen oder dem «For Noise-Festival» in Lausanne zusammen. Diese Gespräche führten dann auch zu der Einsicht, dass die Schaffung einer Geschäftsstelle für die Weiterentwicklung der Strukturen unerlässlich ist.

Aber nicht nur national streckt das B-Sides Festival seine Fühler aus, auch international wurden sie bereits als Veranstalter aktiv. So organisierten sie gemeinsam mit dem «Weltformat Festival» im Auftrag des Kanton Luzerns den Austausch «Moscow X Luzern», wo 2013 vier Luzerner Bands und diverse Grafiker nach Moskau reisten, um dort ihre Arbeiten zu präsentieren. «Wir wollen nicht nur Veranstalter sein, sondern uns auch in der Kulturvermittlung engagieren. Dass wir als verlässlicher Partner angesehen werden, das haben wir uns erarbeitet», erklärt Bieri und lässt durchsickern, dass die Macher vom B-Sides bereits nächste Projekte im Köcher haben.

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