Kultur

Gregory Porter im KKL Luzern
Wenn man plötzlich im Baumwollfeld sitzt

  • Lesezeit: 2 min
  • Kultur
Der Jazz-Sänger Gregory Porter eroberte am Samstag den KKL-Konzertsaal.

Der Soul-Bariton Gregory Porter bot dem Publikum ein Konzert der Superklasse. 90 Minuten an einem Stück, in denen der Sänger zweifelslos unter Beweis stellen konnte, dass er ein wahrhaftiger Crooner ist. Und in denen man sich immer wieder wünschte, in der intimen Atmosphäre eines Jazzclubs zu sitzen.

Es war Jazz, Soul und Gospel vom Feinsten, was Gregory Porter am Samstag im KKL präsentierte. Eine Reise ohne viel Schnörkel, dafür mit umso mehr Gänsehaut. 


Ich hätte mir allzu gern eine Jazz-Club Atmosphäre gewünscht – ein Umfeld, in dem Gregory Porter bis vor wenigen Jahren viel eher anzutreffen gewesen wäre. Im grossen KKL-Saal wird er nun begleitet von Piano, Saxophon, Schlagzeug und Kontrabass – die Band um ihn herum ist sehr homogen und präsent, jazzig mit vielen Nuancen und Variationen.

Magische Momente und kohärente Geschichten

Und dann diese Stimme. Beeindruckend die tiefen Tonlagen, die bei mir ein Kribbeln à la Barry White verursachen, betörend die Acapella-Momente, in denen ich kurzerhand ins Baumwollfeld katapultiert werde, hin zu Worksongs und Gospelgesängen. Gleichzeitig fühlt sich die lockere Präsenz des Sängers für mich an wie eine luftige Umhüllung aus feingesponnener Seide.

Jeder Song erzählt eine eigene, koheränte Geschichte mit Songtexten, die dem Besucher auch lange nach dem Konzert noch nachhängen. Hervorragend trägt Porter die Ballade «Wolfcry» vor, die, begleitet nur vom Piano, durchaus magische Momente hervorbringt.

Die Abfolge des Konzertes ist gut durchdacht und vielseitig. Man kann hier schwelgen und da (im Sitzen, leider) mitwippen, so etwa zu «Liquid Spirit», einem Mitklatschsong par Excellence.

Leider kein Cotton-Club

Die 90 Minuten an einem Stück sind etwas überwältigend. Wäre man im Cotton-Club, gäbe es mehrere Sets. Man hätte sie in Häppchen geniessen können, was durchaus seinen Reiz gehabt hätte. Porter wusste jedoch auch mit einem KKL-Saal umzugehen.
 
Und immer wieder kommt mir dabei die sonst so abgedroschene Metapher in den Sinn. Balsam für die Seele. Denn genau das war er, der Abend, den Gregory Porter im KKL bot. Nicht umsonst heisst es Soul.

Zum Schluss eine Standing Ovation, dann gehe ich heim und höre mir vor dem Einschlafen «Holding On» an. Ein Stück, das an diesem Abend leider aussen vor blieb. Eins ist sicher. Genug habe ich noch nicht.

 

 

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