Kultur
«Rednex» in der Galvanik

Wenn die Party besser als die Band ist

Band: Lahm. Publikum: Trotzdem gut drauf. (Bild: zvg)

Eigentlich sollten die Protagonisten auf der Bühne für eine gute Stimmung sorgen. Die 90er-Helden «Rednex» haben da wohl was missverstanden. Die Galvanik kochte trotzdem. Der Applaus galt allerdings nicht der Band.

Für viele sind die Neunziger ein bisschen wie dieser eine schräge, ungewaschene Jugendfreund, mit dem man im Alltag lieber nicht gesehen werden will. Nach ein paar Bier ist der Vogel aber noch immer der beste Party-Garant. In der Zuger Galvanik stieg am Samstag die Neunziger-Party mit der «Cotton eye Joe»-Band Rednex.

70er? Super: Hochkultur des Rock. 80er? Schon schwieriger, Immerhin gabs unzählige unsterbliche Hits aus dieser Generation. 90er? Ganz schwierig. Lässt man den Hiphop ausser Acht, war da eigentlich nichts, was der sendungsbewusste Musikkonsument gerne auf seiner Playlist herumzeigt. Genau darum machen 90er-Partys so Spass. Diese trashige «Ja ich tanz dazu und mir gefällts»- Einstellung heizt verlässlich eine aussergewöhnlich durchmischte Meute an. Und wem es zu trashig wird, der schaltet wie automatisch auf «Ironie» um.

Rednex in der Galvanik.

Rednex in der Galvanik.

(Bild: Rolf Fassbind)

Rednex in der Galvanik.

Rednex in der Galvanik.

(Bild: Rolf Fassbind)

Trash wird zu Ironie

Rednex wollte nach dem ersten Song das Publikum in Stimmung bringen. Völlig unnötigerweise, denn die Galvanik ist ein Garant für gute Stimmung und der Mob war schon heiss genug. Doch das konnten die Pseudo-Amerikaner aus Schweden ja nicht wissen, deshalb schrien sie fröhlich «We will, we will…» in ihr Mikro und warteten auf die Antwort des Publikums. Und die Galvanik antwortete, denn sie antwortet immer, wenn sie gefragt wird. Ehrensache. Nur eben diesmal beinahe einstimmig mit «Fuck you». Trash wird zu Ironie. Im Laufe der Jahre muss Rednex vergessen haben, dass die Ironie ursprünglich auf ihrer Seite war. Heute ist sie klar auf Seiten des Publikums.

Rednex in der Galvanik.

Rednex in der Galvanik.

(Bild: Rolf Fassbind)

Rednex in der Galvanik.

Rednex in der Galvanik.

(Bild: Rolf Fassbind)

Wegen dem Geld

Die Stimmung rettete den Abend, denn wer wegen Rednex kam, wird der Band hoffentlich nicht mehr hinterherreisen. Rednex kamen ein wenig später, dafür gingen sie auch früher, ein Gleitzeit-Verständnis, das an anderen Orten entweder verachtet oder im besten Fall toleriert wird. Bei der One-Hit-Wonder Truppe aus den Neunzigern wirkte es nur arrogant. Ziemlich exakt 42 Minuten spielten sie ihre Neunziger-Mucke. Davon dreimal «Cotton eye Joe» in je unterschiedlichen Längen, einmal ihr zweiter Hit «Spirit oft he Hawk», ein Unbekanntes und dann eines mit der Zeile «We’re in for the money» im Chorus. Ein ehrliches Statement, das muss man ihnen lassen.

Rednex in der Galvanik.

Rednex in der Galvanik.

(Bild: Rolf Fassbind)

Kein Hemd, kein Kabel, keine Ahnung.

Die Hälfte von Rednex trat oben ohne auf. Und nicht nur ohne Hemden, auch ohne Kabel, ohne Instrumente, abgesehen von einer Geige mit nur einer Saite. Dafür hatte die schwedische Band noch eine amerikanische Flagge dabei. Wohl um auf ihr Hit «Cotton eye Joe» thematisch aufmerksam zu machen. Vielen Dank dafür.

Irgendwie mag jeder die Neunziger, tief im Herzen. Mit all den Tattoo-Halsbänder, Discosongs und Flammenhemden. Dass die Neunzigerparty ein Erfolg war, ist alleine dem treuen Galvanikpublikum und dem Club selber zu verdanken. Rednex sollte sich offiziell dafür entschuldigen, als Hauptact die Party vorsätzlich sabotiert zu haben.

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