Kultur
Premiere von «Blaubarts Frauen»

Wahre Heldinnen am Luzerner Theater

«Blaubarts Frauen» noch bis 8. November im Luzerner Theater. (Bild: Ingo Hoehn)

Mit Highlights aus Jacques Offenbachs Operettenmusik und Béla Bartóks Oper konnte man sich am Sonntagabend an der Premiere des Stücks «Blaubarts Frauen» erfreuen. Als Heldinnen der Inszenierung im Luzerner Theater entpuppten sich die Chordamen.

Es ist eine Tatsache, dass die grausame Geschichte Blaubarts zu einem der meistbearbeiteten Stoffe der Literatur wurde. Als Erster hat sie der französische Schriftsteller Charles Perrault im 17. Jahrhundert niedergeschrieben. Man kann von deutsch-französischem Kulturgut sprechen, da der Stoff in Deutschland später zu einem bekannten Grimm-Märchen wurde.

Faszination Blaubart

Jacques Offenbachs Operette und Béla Bartóks Oper «Herzog Blaubarts Burg» basieren auf diesem Märchen. Letztere ist wahrscheinlich die grausamste musikalische Verarbeitung des Stoffs, ein gruseliges Psychodrama à la Hitchcock. Und das Gruselige und Blutrünstige fasziniert uns alle immer noch.

Eine moderne Blaubart-Geschichte wird uns vom Luzerner Chanson-Duo Canaille du Jour, alias Christov Rolla (musikalische Leitung), und Max Christian Graeff (Inszenierung und Text), und dem Träger des Kunst- und Kulturpreises 2020 Marc Unternährer erzählt. Mal mit Nonchalance, mal mit Seriosität, mal auch mit Schadenfreude.

Gelungene Besetzung

Wir erleben Rolla und Graeff als Opernkomponisten, die am Klavier, mit Gitarre oder mit Plattenspieler etwas chaotisch versuchen, ihre Werke fertigzustellen. Unternährer, hier als Igor, ein Faktotum der schönen Welt und Tubist.

Marc Unternährer und das Chanson-Duo Canaille du Jour, alias Christov Rolla und Max Christian Graeff (Bild: mpo)

«Ein bisschen Blaubart steckt in uns allen»

Es wird sofort klar, dass es hier nicht mehr um Ritter oder Herzöge, Burgen und Tränenseen geht. Nicht mehr um Folterkammern, goldene Schlüssel, abgesperrte Türen, Mordgelüste und zerfetzte Frauenleichen. Hier geht es um Männer (Machos, pflegt man zu sagen), die auf unterschiedlichste Arten, subtil oder autoritär, die Chancengleichheit aller Menschen – sprich die Gleichstellung der Frau – hartnäckig gefährden wollen.

Es handelt sich in diesem Fall sogar um Künstler, um Komponisten, die, um ihre Arbeit auszuführen, acht gehorsame Frauen ausnutzen. Das Motto der Inszenierung heisst «Ein bisschen Blaubart steckt in uns allen».

Die acht Chordamen: Agnes Fillenz, Kyung-Bin Joo, Hanna Jung, Judith Machinek, Sofia Pollak, Xenia Romanoff, Chiharu Sato und Miriam Timme. (Bild: mpo)

Grossartige Leistung der Chordamen

Weitere Vorführungen

«Blaubarts Frauen» ist noch bis zum 8. November im Programm des Luzerner Theaters. Aufführungsdatum findest Du hier in unserem Event-Kalender.

Die acht Chordamen gehorchen. Sie lassen sich tatsächlich von den zwei Machos wie Marionetten herumkommandieren. Genauso wie viele Frauen von heute, und paradoxerweise anders als die Frauen im Blaubart-Mythos, verstehen sie noch nicht, dass es notwendig ist, ungehorsam und laut zu sein, Tabus zu brechen. Dennoch wurden gerade die Chordamen der Revue zu den wahren Heldinnen der Inszenierung, denn ihre sängerische und schauspielerische Leistung war grossartig und verzauberte das Publikum der Premiere.

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