Kultur
Ausstellung im Historischen Museum Luzern

Traumwelt oder Ausgang? Wie Jugendliche die Nacht erleben

Ceyda (links) klärt Museumsbesucher über sicheren Ausgang auf und Fiorella zeigt, wie du deine Träume deuten kannst. (Bild: mik)

Das Historische Museum Luzern zeigt derzeit eine Sonderausstellung zum Thema Nacht. Der Clou: Sie wurde von Jugendlichen kuratiert und gestaltet. Ceyda (18) und Fiorella (16) haben zentralplus in die Nacht entführt.

Vorbei an Ritterrüstungen, Gemälden und historischen Vasen lockt ein Schild die Besucher des Historischen Museums Luzern in eine Sonderausstellung. Deren Titel lautet: «Secrets of the Night». Und so wirkt die Ausstellung auch, als die Autorin den dunklen Eingang am Ende des gut beleuchteten Korridors sieht.

Ausstellung von Jugendlichen für (hauptsächlich) Jugendliche

«Etwas düster», merkt eine 16-Jährige neben mir an. Sie ist jedoch nicht einfach irgendeine Teenagerin, die ebenfalls die Ausstellung besucht. Fiorella ist eine der acht Jugendlichen, die diese Sonderausstellung kuratiert haben.

Auf Initiative von Muriel Müller vom Vermittlungsteam im Historischen Museum konnten die sogenannten Jugend-Guides der Luzerner Museen eine eigene Ausstellung gestalten. Einzig das grobe Thema «Nacht» war vorgegeben. Die Themenfindung, Recherche, Gestaltung und Einrichtung der Räume haben aber die Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren übernommen. zentralplus hat sich von zwei Kuratorinnen ihre Visionen der Nacht zeigen lassen. Unterschiedlicher könnten diese kaum sein.

Nachts wird gefeiert

Beim Eintritt in die Ausstellung dröhnt uns Party-Musik entgegen. Aus der Tür rechts dringt farbiges Licht. Folgen wir der Lichtershow, gelangen wir in einen Mini-Club. Von der Decke leuchtet eine Disco-Kugel, in der Ecke stehen Cocktail-Gläser und an der Wand hängen dekorativ Vinyl-Platten. Willkommen in der Welt der 18-jährigen Ceyda.

«Ich finde die Kultur hinter der Nacht spannend», erklärt sie ihren Raum. «Ausgang und Party werden in unserem Alter immer wichtiger.» Relativ schnell kam ihr so die Idee, das Nachtleben für die Ausstellung zu beleuchten. In ihrem Raum sollen sich die Besucherinnen wie in einem Club fühlen. Über ein Tablet kannst du deine Musik abspielen. Hast du fertig getanzt, kannst du es dir auf einer Mini-Lounge gemütlich machen und Cocktail-Rezepte lernen sowie lustige Ausgangs-Geschichten lesen. Oder die Ausstellung um eine eigene Geschichte bereichern.

Informationen für sicheren Ausgang

Nur eine unbeschwerte Party-Ecke ist der Raum jedoch nicht. Der jungen Frau war es wichtig zu vermitteln: «Ausgang ist nicht nur Spass, sondern kann auch eine Gefahr sein.» Auf einem grossen Plakat präsentiert sie deshalb zehn Ausgehtipps für einen sorgenfreien Party-Abend. Und die Vinyl-Platten an der Wand zeigen auf, wie sich andere im Ausgang verhalten. Je nach Alter setzen Besucher Punkte und liefern so einen groben Überblick, wie sie ihren Ausgang gestalten.

Hier zeigt sich recht deutlich, dass die Ausstellung vor allem «von Jugendlichen für Jugendliche» konzipiert worden ist: Die Autorin gehört wie alle anderen Erwachsenen zur letzten Kategorie «19 Jahre und älter».

Fluffige Wolken und Plüschtiere

Müde von der Party, geht es ab ins Bett – und damit in die Welt der 16-jährigen Fiorella. Sie entführt die Museumsbesucherinnen in die Welt der Träume. «Ich träume selbst sehr viel. Und finde es skurril, was dabei alles zusammenkommt.» Für sie war deshalb schnell klar, dass sie sich auf das Thema «Träume» stürzen möchte. Nicht nur, um anderen ihr Lieblingsthema schmackhaft zu machen, sondern auch um selbst etwas dazuzulernen.

Was könnte dein Traum bedeuten? An der Wand finden sich Karten für gängige Bilder. (Bild: mik)

Die Vinyl-Platten des Vorzimmers weichen deshalb fluffigen Wolken, das Lounge-Sofa einer Kuschelecke mit Plüschtieren. Fehlen nur noch Räucherstäbchen und Klangschalen, um den Besuchern ein Gähnen zu entlocken. Zum Einschlafen ist der Schlaf- und Traumraum trotzdem nicht.

Träume anderer Besucher entdecken

An den Wänden hängen Plakate mit Erklärungen und Tipps zum luziden Träumen. Also wie du lernen kannst, aktiv deine Träume zu steuern. Daneben lernen Besucher Ansätze der Traumdeutung, indem sie eigenartige Traumbilder mit Deutungsansätzen verbinden müssen.

Im Traumraum von Fiorella hängen verschiedene Träume von Besuchern.
Im Traumraum von Fiorella hängen verschiedene Träume von Besuchern. (Bild: mik)

Besonders stolz präsentiert Fiorella die grosse Wolke in der Raummitte. Schmunzelnd deutet sie auf die Wolke, die den Traum eines sterbenden Hamsters beschreibt: «Das ist meine.» Drumherum schweben weitere Wolken mit mal angenehmeren, mal schlimmeren Träumen. Oder auch einfach mit dem einen stilisierten «S», dass vermutlich jeder in seiner Schulzeit einmal irgendwo hingekritzelt hat. Jugendliche halt.

Viele interaktive Elemente

Die weiteren Räume führen in die Natur, zu Schreckfiguren, die im Dunkeln lauern, bis ins Weltall. Auffallend bei allen: Der Fokus der Ausstellung liegt auf der Interaktivität. Mal werden die Besucher angehalten etwas zu malen, mal schreiben sie von Erlebnissen, mal gibt's ein Fotoshooting in Kostümen.

Der Schwerpunkt kommt nicht von ungefähr. «In Museen geht man viel herum und erhält viel Informationen. Wir wollten etwas Spezielles machen, um uns abzuheben», erzählt Fiorella. Und Ceyda ergänzt: «Dabei haben wir überlegt, was Jugendliche interessant finden. Und für mich sind Ausstellungen spannend, wenn sie interaktiv sind.» Zugleich ist es auch ein Teil der künftigen Museumsstrategie. Das neue Luzerner Museum soll nahbarer werden und mit innovativen und ungewöhnlichen Programmen punkten (zentralplus berichtete).

Ausstellung kommt gut an

Bei der Sonderausstellung scheint die Strategie aufzugehen. «Bis jetzt haben wir dafür durchgehend positives Feedback erhalten», erzählt Muriel Müller. Davon zeugt auch die Feedback-Tafel am Eingang der Ausstellung. Und die vielen «woah» und «mega cool» der beiden Museumsführerinnen, als sie sehen, wie viele Personen sich bereits an der Ausstellung beteiligt haben.

Für die beiden wie auch für Animatorin Muriel Müller ist klar: Dies ist definitiv nicht deren letzte Ausstellung.

Noch bis zum 13. November kannst du die Ausstellung besuchen. Jeweils sonntagnachmittags führen die jungen Kuratorinnen selbst durch die Räume.

Verwendete Quellen
  • Besuch der Sonderausstellung «Secrets of the Night» im Historischen Museum Luzern
  • Persönliches Gespräch mit Ceyda, Fiorella und Muriel Müller
  • Schriftlicher Austausch mit Brigitte Heinrich, Medienkoordinatorin Kantonale Museen Luzern
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