Kultur
Spendenbeitrag gibt zu reden

Stadtfest Luzern begeistert Politik – mit einer Ausnahme

Das neue Stadtfest Luzern kam gut an – auch die Stadtpolitik zieht positive Bilanz. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Das erste Luzerner Stadtfest ist erfolgreich über die Bühne gegangen. Die Stiftung «Luzern hilft» hat 40'000 Franken für einen guten Zweck gesammelt. Das ist deutlich weniger als früher. Trotzdem loben Politiker des gesamten Spektrums das Fest – mit Ausnahme der Grünen.

Das Stadtfest Luzern soll ein Fest von Luzernern für Luzerner sein. Kleiner, persönlicher und auch lokaler als früher (zentralplus berichtete). Dies ist den Organisatorinnen gelungen. Statt dass sich hunderttausende Besucher durch die Strassen Luzerns gequetscht haben, um einen Pop-Star zu hören, haben dieses Jahr rund 51'000 Besucherinnen regionale Künstler entdeckt (zentralplus berichtete).

Das Fest hat sich auch finanziell gelohnt: Wie die Stiftung «Luzern hilft» schreibt, hat die Organisation einen Gewinn von rund 80'000 Franken erzielt (zentralplus berichtete). Das ist zwar «nur» rund halb so viel wie etwa im Jahr 2018. Beim damaligen Luzerner Fest sind gut 170'000 Franken zusammengekommen. Doch ans diesjährige Stadtfest Luzern sind auch rund die Hälfte der damaligen Besucher gekommen.

Hälfte des Gewinns einbehalten für schlechtere Jahre

Von den 80'000 Franken werden «nur» 40'000 Franken gespendet. Und davon besteht ein gewisser Betrag auch noch aus Sponsorengeldern wie etwa 10'000 Franken der Valiant Bank. Der restliche Betrag wird als Rückstellung für künftige Jahre beibehalten. Falls etwa das Wetter schlecht wäre, wie Stiftungspräsident Beat Däppeler auf Anfrage erklärt.

«Den hohen Unterstützungsbeitrag der Stadt ans Fest sehen wir nach wie vor kritisch. Der gespendete Betrag ist im Verhältnis dazu niedrig.»

Barbara Irniger, Co-Fraktionschefin Grüne/Junge Grüne Stadt Luzern

Der Anlass «Luzern zu Tisch», der während der Corona-Jahre durchgeführt wurde, habe keinen Gewinn abgeworfen, führt er aus. Trotzdem hat die Stiftung da rund 35'000 Franken an gemeinnützige Organisationen gespendet. «Genau für solche Fälle machen wir Rückstellungen. Wir wollen die Kontinuität der Spenden sichern.»

Weniger Spenden, trotzdem karitativ

Stellt sich die Frage: Geht der karitative Zweck des Stadtfests Luzern verloren, wenn nun die Spenden rund viermal tiefer sind als zuvor? Beat Däppeler verneint: «Der gemeinnützige Gedanke dahinter besteht aus zwei Teilen. Dem Gewinn für die Spenden und dem Begegnungsort für die Luzerner.» Letzteren Aspekt hebt das Stadtfest prominent in seinem Motto «entdecke, fiire, begägne» hervor. Und auch die Neuausrichtung auf ein Stadtfest von Luzernern für Luzerner trage diesem Ziel Rechnung.

Ein Ziel, das anscheinend erreicht worden ist. «Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen erhalten, dass das Fest toll war.» Das Fest habe junge bis alte Luzernerinnen angesprochen, – genau so, wie es sich das OK ausgemalt hatte. Auch konnte das OK viele lokale Vereine und Organisationen wie beispielsweise Guuggenmusigen, Pfadi, Firmen oder die katholische Kirche der Stadt Luzern zur aktiven Teilnahme motivieren.

Grüne kritisieren tieferen Spendenbeitrag vom Stadtfest Luzern

Die Stadt Luzern unterstützt das Fest stark – so unter anderem mit der kostenlosen Nutzung des öffentlichen Grunds. Zudem erhält das Fest bis 2023 einen jährlichen Beitrag von 230'000 Franken. Insbesondere diese Kosten haben im Parlament zu reden gegeben (zentralplus berichtete). Wie also bilanzieren die Stadtluzerner Parteien das Fest?

«Wäre nur der gemeinnützige Gedanke im Vordergrund, dann könnte man das Geld auch direkt spenden.»

Mirjam Fries, Fraktionschefin Mitte Stadt Luzern

Die Grünen sind weiterhin nicht davon überzeugt, dass die Stadt das Fest so stark mitfinanzieren sollte. So schreibt die Co-Fraktionschefin Barbara Irniger auf Anfrage: «Den hohen Unterstützungsbeitrag der Stadt ans Fest sehen wir nach wie vor kritisch. Der gespendete Betrag ist im Verhältnis dazu niedrig.» Zudem bezweifeln die Grünen, dass die Unterstützung eines solchen Anlasses eine städtische Aufgabe ist. Irniger betont, dass ihre Kritik sich nicht gegen den Anlass an sich richte, sondern lediglich gegen die städtische Beteiligung daran.

Restliches Parlament zeigt sich begeistert

Damit stehen die Grünen auf weiter Flur allein da. Zwar empfindet beispielsweise auch die Mitte-Fraktionschefin Mirjam Fries den Beitrag immer noch als sehr hoch. Er verbleibt jedoch lediglich als Wermutstropfen. «Wäre nur der gemeinnützige Gedanke im Vordergrund, dann könnte man das Geld auch direkt spenden, insbesondere auch den städtischen Beitrag an das Fest.» Sie, wie auch SP-Fraktionschef Simon Roth, findet, der Zweck des Fests sei das Zusammenbringen der Luzernerinnen.

Dass die Organisatoren einen Teil des Gewinns als Rückstellung einbehalten, kommt auf bürgerlicher Seite gut an. So schreibt beispielsweise FDP-Fraktionschef Marco Baumann: «Es macht auch Sinn, dass die Stiftung weitere 40'000 Franken des Gewinns als Rückstellung bildet, um auf schlechtere Jahre besser vorbereitet zu sein.» Denn es müsse das Ziel sein, dass die Stadt Luzern künftig nur noch das Patronat übernehme und weitere Beiträge – etwa an die Geschäftsstelle – wegfielen.

Zudem fügt SVP-Fraktionschef Thomas Gfeller an, dass sich die Spende vom Stadtfest Luzern mit der Erfahrung und künftigen Optimierungen erhöhen dürfte.

Stadtfest Luzern will so weitermachen wie bisher

Abgesehen von den Kosten ist sich das Stadtparlament einig: Das neue Konzept ist gelungen und hat bei der Bevölkerung Anklang gefunden.

Diesen Eindruck hat auch das Organisationskomitee. Für das nächste Jahr will es das Fest wieder in einem ähnlichen Rahmen veranstalten. «Damit wir sehen können, ob dieses Festkonzept auch standhält, wollen wir es noch zwei-, dreimal testen», so Beat Däppeler. Erst danach werde man evaluieren, ob grössere Änderungen vonnöten seien.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung Luzerner Fest 2018
  • Schriftlicher Austausch mit Simon Roth, Fraktionschef SP Stadt Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Thomas Gfeller, Fraktionschef SVP Stadt Luzern
  • Telefonate mit Beat Däppeler, Präsident Stiftung Luzern hilft
  • Schriftlicher Austausch mit Christina Lütolf-Aecherli, Fraktionschefin GLP Stadt Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Mirjam Fries, Fraktionschefin Mitte Stadt Luzern
  • Bericht und Antrag für den städtischen Beitrag ans Stadtfest Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Marco Baumann, Fraktionschef FDP Stadt Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Barbara Irniger, Co-Fraktionschefin Grüne/Junge Grüne Stadt Luzern
  • Medienmitteilung Stadtfest Luzern zur Spende
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