Bijou am Vierwaldstättersee

So sieht es in der frisch sanierten Villa Rachmaninoff aus

Die ersten Sanierungsarbeiten an der Villa Senar des berühmten Komponisten Sergei Rachmaninoff sind abgeschlossen. Die Begeisterung darüber ist bei allen Beteiligten riesig.

Als Finanzdirektor musste Regierungsrat Marcel Schwerzmann viel Kritik einstecken. Nach seinem Wechsel ins Bildungs- und Kulturdepartement ist es um den Krienser ruhiger geworden. Im Sommer endet seine 16-jährige Amtszeit. Kurz vorher hat er aber die Ehre, ein überaus schönes Projekt abzuschliessen.

Es geht um die Sanierung der Villa Senar. Das Anwesen direkt am See auf der Halbinsel Hertenstein wurde im Auftrag des berühmten russischen Komponisten Sergei Rachmaninoff in den 30er-Jahren gebaut. Es war zwischen 1933 und 1939 seine Sommerresidenz.

«So ein Projekt ergibt sich ‹once in a lifetime› einer Denkmalpflegerin»

Cony Grünenfelder, Denkmalpflegerin Kanton Luzern

Im Rahmen einer ungeklärten Erbfrage hat der Kanton Luzern vor einem Jahr die Gelegenheit beim Schopf gepackt und die Villa für 15 Millionen Franken gekauft. Die Villa und deren Park sollen ein öffentlicher Kulturort werden.

Villa Senar ist plötzlich gelb statt weiss

Jetzt, ein Jahr später und zwei Tage vor dem 150. Geburtstag des Komponisten, ist ein Grossteil der Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Schwerzmann steht im Studio neben dem originalen Steinway-Flügel des Komponisten und strahlt. Die Freude über das in Rekordzeit abgeschlossene Projekt steht auch der kantonalen Denkmalpflegerin Cony Grünenfelder und dem Präsidenten der Serge Rachmaninoff Stiftung Urs Ziswiler ins Gesicht geschrieben. «So ein Projekt ergibt sich ‹once in a lifetime› einer Denkmalpflegerin», sagt Cony Grünenfelder.

Was gleich auf den ersten Blick auffällt, ist die Farbe der Villa. Vor einem Jahr war sie noch in schlichter weisser Farbe gestrichen, was zum Bauhausstil des Gebäudes passt. Heute strahlt die Villa in kräftiger Ockerfarbe. Warum der neue Anstrich? «Die Moderne war nicht immer weiss», erklärt Cony Grünenfelder. Die Denkmalpflege hat mehrere Farbschichten aussen und im Innern der Villa abgetragen und herausgefunden, dass das Haus ursprünglich eben ockerfarben war. Diese Farbe wurde nun wiederhergestellt. Auch die Innenräume sind in verschiedenen Gelbtönen gehalten.

Unter diesem Motto steht die gesamte Renovation der Villa Senar: Reparatur statt Ersatz. Ziel der Sanierung ist es, die ursprüngliche Bausubstanz so weit wie möglich wiederherzustellen. Grünenfelder sagt: «Das macht den Wert dieses Gebäudes aus. Dass es dieselben Möbel sind, auf denen Rachmaninoff gesessen hat und dieselben Fenster, die er geöffnet und geschlossen hat.»

Jetzt kommt Leben in die Villa

Abgeschlossen sind die Sanierungsarbeiten am Gebäude noch nicht. Vor allem im Obergeschoss und im grossen Garten, der die Villa umgibt, gibt es noch viel zu tun. Dennoch sind die Arbeiten so weit abgeschlossen, dass das Haus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

Für den Betrieb des Gebäudes ist nun die Serge Rachmaninoff Stiftung zuständig. «Wir haben den Auftrag, dieses Haus wieder mit Leben und Inhalt zu füllen», sagt Stiftungspräsident Urs Ziswiler. Für die nächsten Monate hat die Stiftung ein dicht getaktetes Programm zusammengestellt. Der Auftakt findet am 1. April, dem Geburtstag von Rachmaninoff, mit einem Spezialkonzert statt – nicht in der Villa Senar, sondern im KKL.

Es folgen verschiedenste Anlässe, Aufführungen und Konzerte in der Villa und im Park. Der Park wird an den Wochenenden im Sommer öffentlich zugänglich sein. Auf der grossen Terrasse mit Blick auf Garten, See und Pilatus wird es ein kleines Café geben. Auch Residenzen für Künstlerinnen sind vorgesehen, die in der Villa vorübergehend wohnen und arbeiten sollen. Dazu arbeitet die Stiftung mit mehreren Partnern zusammen, darunter der Hochschule Luzern, der Musikschule Weggis, dem Schweizer Jugendchor oder der IG Musikstadt Luzern.

«Dieser Ort macht süchtig»

Zur Lancierung dieses neuen Kapitels in der Geschichte der Villa Senar spielt Dorote Vdovinskyte, eine litauische Pianistin und Komponistin sowie Studentin an der HSLU, am Medientermin drei Stücke von Rachmaninoff auf dessen Flügel. Dabei handelt es sich um ein persönliches Geschenk der Firma Steinway & Sons zum 60. Geburtstag des Komponisten. Rund 90 Jahre später ertönt der Flügel erneut.

Der Geschäftsführerin der Rachmaninoff-Stiftung, Andrea Lötscher, ist die Vorfreude auf die kommende Zeit sichtlich anzumerken. Sie bezeichnet das Anwesen als «Paradies» und hofft, dass dieser Funke auch aufs Publikum überspringen wird. «Dieser Ort macht süchtig», sagt sie. Wer einmal im bequemen Sessel im Studio gesessen hat und den Blick aus dem grossen Eckfenster über den Park und den See hat schweifen lassen, weiss, wovon sie redet.

Verwendete Quellen

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