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Nach den Bestseller Romanen von Elena Ferrante
Schweizer Erstaufführung von «Meine geniale Freundin» im Luzerner Theater

  • Lesezeit: 3 min
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Das Luzerner Ensemble bei der Schweizer Erstaufführung. (Bild: map)

Die britische Germanistin Lily Sykes hat ein komplexes Stück konzipiert und inszeniert, das nicht nur die lange, ebenfalls komplexe Freundschaft zwischen Lenù und Lila, Geschlechterfragen und Gleichberechtigung thematisiert, sondern auch Italien von den 50er Jahren bis heute präzise beschreibt.

Lila und Lenù wohnen in den 50er Jahren im Rione, einem problematischen Viertel Neapels und sind schon in ihrer Kindheit mit der Misere und mit dem von Männern entwickelten System ihres Milieus konfrontiert. Später trennen sie sich, weil sie einen unterschiedlichen Lebensweg wählen.

Frauen in Schmerz und Selbstzweifeln, Frauen und Machos

Die eine verlässt Neapel, studiert und wird eine vielversprechende Schriftstellerin, die andere darf nicht studieren, heiratet früh, wird eine erfolgreiche Unternehmerin in der Heimatstadt. Ihre zwischen Liebe und Neid zerrissene Freundschaft bleibt trotz Solidaritätsmangel, ja, trotz Höhen und Tiefen, ein Leben lang bestehen.

Jahre später, als Lila verschwindet, wird Lenù ein Buch über ihr gemeinsames Leben in Neapel schreiben. Die Regisseurin Lily Sykes (Bühne: Jelena Nagorni, Kostüme: Jelena Miletić, Licht: Marc Hostettler) komprimiert die über zweitausend Seiten der Tetralogie Ferrantes in zweieinhalb Stunden, aber sie analysiert auch – so wie die weltberühmte Autorin – die Geschichte der zwei Freundinnen mit feinnerviger Psychologie.

Und natürlich aus einer weiblichen Perspektive, denn auch Lila und Lenù sind ständig mit Selbstzweifeln und Schmerz konfrontiert und können sich nur dank ihres Kampfgeistes durchsetzen. Insbesondere beschreibt auch Lily Sykes wirkungsvoll, wie sich die zwei Protagonistinnen das ganze Leben innerhalb männlich dominierter Sozialstrukturen anzustrengen haben. 

Mittels ihrem Schauspiel mit Musik liefert sie aber auch ein präzises Zeitgemälde einer ganzen Epoche, indem sie Neapel in den Nachkriegsjahren, die Camorra und die Kriminalität, die neofaschistischen und linken Terroranschläge, sowie die feministischen Bewegungen der 70er Jahre kraftvoll aufzeichnet.

Grandiose Leistung des Luzerner Ensembles

Martina Spitzer ist Elena Greco und gleichzeitig die Erzählerin (spielt aber perfekt auch einige andere Rollen). Sie ist plausibel und lebt ihre Rolle ganz und intensiv. Sophie Hottinger ist Lenù, die erfolgreiche, die studierte, sicher nicht die glücklichere der beiden Freundinnen; Olivia Gräser schlüpft in die Rolle der Lila, welche auch nicht glücklicher ist.

Martina Spitzer, Sophie Hottinger, Olivia Gräser, Milian Zerzawy und Claudius Körber. (Bild: map)

Beiden gelingt es in der Tat, uns verstehen zu lassen, dass die «geniale Freundin» die jeweils andere ist. Trotz der sehr undankbaren Macho-Rollen sind auch die Interpretationen von Milian Zerzawy und Claudius Körber grossartig, und sehr süss ist Melis Kerksieck, als Lila im Kindesalter.

Melis Kerksieck als Lila im Kindesalter. (Bild: map)

Die wegen der Corona-Massnahmen nur 50 Zuschauer haben allen Akteuren mit Begeisterung applaudiert; darunter auch dem Luzerner Sinfonieorchester mit der 1. Konzertmeisterin Lisa Schatzman und der Mezzosopranistin Lara Liechti.

Lasst die Bücher für sich sprechen

Elena Ferrantes feste Überzeugung, die Anonymität zu wählen und ihre Bücher für sich sprechen zu lassen, blieb auch nach dem Welterfolg der Saga in vier Romanen «Meine geniale Freundin» bestehen, und besteht heute noch.

Es hat sich diesbezüglich nichts geändert, auch wenn die ganze Welt weiter darüber spekulieren wird. Dies widerspiegelt ihre Meinung über die Stellung des Künstlers im Allgemeinen; eine Meinung, welche auch in ihren Büchern zum Ausdruck kommt, ebenso wie in dieser Bühnenbearbeitung.

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