Nachtleben leidet – und fordert Geld

Luzerner Klubs fordern Lockerungen der Covid-Massnahmen

Gianluca Pardini der Luzerner Bar und Club Kommission setzt sich für Lockerungen der Corona-Massnahmen ein. (Bild: Unsplash/@davevjay/zvg)

Die langen Warteschlangen vor den Klubs täuschen: Das Nachtleben in Luzern ächzt unter den aktuellen Covid-Massnahmen. Jetzt fordert die Branche rasche Lockerungen – und umgehend finanzielle Unterstützung. 

Sie sind die grossen Verlierer der Corona-Pandemie: Bars, Clubs und Eventlokale. Nach jeder Einführung von neuen Corona-Massnahmen haderte das Nachtleben. Lassen sich diese rentabel umsetzen oder sollte man doch besser das Handtuch werfen (zentralplus berichtete)?

Jüngst hat der Bundesrat die bestehenden Massnahmen bis Ende März verlängert (zentralplus berichtete). Das Nachtleben scheint diese Nachricht gar nicht gut aufgenommen zu haben: Diesen Montag fordert die Schweizerische Bar- und Clubkommission (SBCK), dass die Corona-Massnahmen bereits ab Anfang Februar gelockert werden sollen.

60 bis 70 Prozent weniger Umsatz

Eine anonyme Umfrage bei ihren Mitgliedern habe ergeben, dass Bars seit der Einführung von 2G-plus rund 60 Prozent ihres Umsatzes eingebüsst haben, schildert die SBCK die prekäre Lage. Noch schlimmer sieht es für die Clubs und Eventlocations aus: Diese verzeichnen rund 70 Prozent weniger Umsatz. Auszubügeln versucht das Nachtleben das mit dem Verzicht auf kulturelle Inhalte wie Livekonzerte. Lokale Künstlerinnen bleiben also einmal mehr auf der Strecke, so die SBCK.

Viele ihrer Mitglieder können zudem die regulären Öffnungszeiten nicht aufrechterhalten. Nur 8 Prozent der Eventlocations, 18 Prozent der Musikclubs und 27 Prozent der Musikbars hätten noch regulär geöffnet.

«Das Luzerner Nachtleben beisst jedoch in einen sauren Apfel, wenn man die Massnahmen weiterträgt, aber trotz Notlage nicht unterstützt wird.»

Gianluca Pardini, Geschäftsleitung IG Kultur Luzern

«Auch in Luzern läuft es nicht rund», sagt Gianluca Pardini von der Luzerner Bar- und Clubkommission. Zwar gebe es in Luzern Bars und Clubs, die versuchen, den Normalbetrieb aufrechtzuerhalten. Dies sei jedoch mit erheblichem Mehraufwand verbunden. Konkrete Zahlen zu Umsatzeinbussen in Luzern kann der Geschäftsleiter der IG Kultur allerdings nicht nennen.

Man wolle mit der Mitteilung vor allem die Situation des Schweizer Nachtlebens bekannter machen. Gemäss Pardini erhält die Luzerner Bar- und Club Kommission immer wieder skeptische Fragen, wie es sein könne, dass es dem Nachtleben so schlecht gehe. Man sehe ja schliesslich immer lange Schlangen vor den Clubs. Doch laut Pardini ist das ein Trugbild: Dies sei vor allem eine Konsequenz der längeren Einlasskontrollen wegen des Zertifikats.

Luzerner Klubs wollen baldige Lockerungen

In ihrer Mitteilung fordert die SBCK Lockerungen der Massnahmen ab Anfang Februar. «Omikron hat die epidemiologische Lage verändert – wer soziale Kontakte hat, wird sich unweigerlich anstecken», so die SBCK. Zudem werden Bars und Clubs vor allem von einem jüngeren Publikum frequentiert. Ergo von Personen, die nicht zur Risikogruppe zählen.

Konkrete Beispiele für Lockerungen sucht man in der Mitteilung jedoch vergeblich. Gemäss Gianluca Pardini wurde dieser Abschnitt bewusst offen formuliert. Die Bars und Clubs hätten die Massnahmen seit Anfang der Pandemie mitgetragen und diese immer rigoros umgesetzt, so Pardini. Um diese umzusetzen, ist teilweise Kreativität gefragt: Ein Übersichtsartikel nach dem Aufkommen der 2G-plus-Regel offenbart den Flickenteppich der Nachtszene: Von 3G bis zu Mischregeln je nach Etage des Lokals ist alles dabei (zentralplus berichtete).

«Das Luzerner Nachtleben beisst in einen sauren Apfel, wenn man die Massnahmen weiterträgt, aber trotz Notlage nicht unterstützt wird», so Pardini. Langsam mache sich deshalb Frustration bei Luzerner Bar- und Clubbetreiberinnen breit.

«Unbürokratische» finanzielle Hilfe gefragt

Letztlich könnten die Experten es jedoch besser beurteilen, wann der Zeitpunkt für welche Lockerungen gegeben sei, betont Pardini. Darüber hinaus fordert die SBCK vor allem finanzielle Unterstützung. «Unabhängig von den Massnahmen sind die Nachtkulturunternehmen auf schnelle sowie unkomplizierte Unterstützung angewiesen», wie sie in der Mitteilung schreibt.

Abhilfe schaffen könnten die neuen Härtefallregelungen. Bis zum Ende des ersten Quartals 2022 wollen der Bund und die Kantone die neuen Rahmenbedingungen ausgearbeitet haben (zentralplus berichtete). Man werde sich sicher einbringen, sobald das entsprechende Modell vorliege, so Pardini. «Wir wünschen uns vor allem schnellere und unbürokratischere Hilfeleistungen.» Gerade das Nachtleben, das sich zwischen Gastro- und Eventbranche bewege, habe spezielle Bedürfnisse, die in die Beurteilung mit einfliessen sollen.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung der Schweizerischen Bar- und Clubkommission vom 31. Januar 2022
  • Telefongespräch mit Gianluca Pardini, Geschäftsleitung IG Kultur Luzern
0 Kommentare
Apple Store IconGoogle Play Store Icon