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Frischer Wind für die Horwer Zwischenbühne
Kulturaktivisten aufgepasst: Hier gibt es gratis und franko Freiraum!

  • Lesezeit: 4 min
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Die Zukunft der Zwischenbühne in Horw wird neu aufgegleist. (Bild: zVg)

Die Zwischenbühne Horw sucht ein neues Konzept. Gefragt sind Ideen und Leute, die Veranstaltungen und neue Formate durchführen. Oder gleich das ganze Kulturhaus übernehmen.

Das Kulturhaus in Horw wird über die Region hinaus geschätzt. Hier gehen seit 34 Jahren Theater, Konzerte und unkonventionelle Eigenproduktionen über die Bühne. Jetzt rufen die Betreiber zur grossen Veränderung: Mit einer Ausschreibung suchen sie nach Ideen für die Zukunft (zentralplus berichtete). Denkbar ist für die heutige Trägerschaft fast alles.

Es ist sogar möglich, dass die Zwischenbühne von anderen Kulturtätern übernommen wird und etwas ganz anderes entsteht. «Hier ist der viel gewünschte Freiraum. Er kann übernommen und selber gestaltet werden», sagt Matthias Fellmann, Präsident Verein Zwischenbühne Horw.

«Die Zwischenbühne ist gut aufgestellt, die Ausgangslage für eine Veränderung könnte kaum besser sein.»
Matthias Fellmann, Präsident Verein Zwischenbühne Horw

Dass sich ein arriviertes und beliebtes Kulturhaus so offensiv sozusagen selber abschaffen will, kommt nicht alle Tage vor. Gibt es hinter den Kulissen Konflikte oder finanzielle Sorgen? «Im Gegenteil: Die Zwischenbühne ist gut aufgestellt, die Ausgangslage für eine Veränderung könnte kaum besser sein», sagt Fellmann.

Auf der Zwischenbühne gehen Konzerte und Plattentaufen über die Bühne.

Auf der Zwischenbühne gehen Konzerte und Plattentaufen über die Bühne.

(Bild: zVG Zwischenbühne)

Ermüdungserscheinungen beim alten Kern

Grund dafür, dass neue und engagierte Leute gesucht sind, ist ein anderer: Die Zwischenbühne ist als Verein organisiert und hat rund 250 Mitglieder. Im Vorstand sitzen 13 Leute und sie sind es, die den ganzen Betrieb am Laufen halten und alles selber machen. Vom Programmieren über die Durchführung der Anlässe bis hin zur Technik und Administration.

«Es ist schade, wenn ein so tolles Haus mit guter Infrastruktur häufig unbespielt ist. Das möchten wir ändern.»

Zwar hat die Zwischenbühne einen Leistungsvertrag und bekommt finanzielle Unterstützung von der Gemeinde Horw und der Regionalen Kulturkonferenz RKK. Das Geld wird jedoch für die Infrastruktur eingesetzt, zum Bezahlen von Löhnen bleibt nichts übrig. «Sowohl der Vorstand wie alle Helferinnen und Helfer arbeiten ehrenamtlich und betrachten ihr Engagement als leidenschaftliches Hobby», sagt der Vereinspräsident. Doch jetzt zeigen sich gewisse Ermüdungserscheinungen.

Neues Konzept als sinnvolle und gute Variante

Neues Konzept gesucht

Die Zwischenbühne sucht per Ausschreibung neue Ideen und Formate, möglicherweise sogar ein völlig neues Betriebskonzept. Für eine Bewerbung/Eingabe bis am 20. November 2016 sind zwei Formen möglich:

  • Veranstaltungen in Kooperation: Einzelne Akteure oder Kollektive schlagen Veranstaltungsreihen oder -formate vor, die sie in der Zwischenbühne gerne regelmässig realisieren würden.
  • Neues Betriebskonzept: Einzelne Akteure oder Kollektive schlagen ein neues Kultur- und Betriebskonzept für die Zwischenbühne vor, mit der Perspektive, den Betrieb zu übernehmen.

Weitere Informationen zur Ausschreibung gibt es hier: www.zwischenbuehne.ch

Der gleiche Kern von Kulturtätern zieht schon seit Jahren die Fäden und ist nicht jünger geworden. Nachwuchs sei eher rar, nur wenige sind in den letzten Jahren neu dazugestossen und bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Das führt den Trägerverein in ein Dilemma: Statt weniger müsste sich der bisherige Vorstand noch mehr engagieren. «Das ist nicht für alle möglich, die Lebensumstände haben sich teils auch geändert», sagt Fellmann, der selber vor Kurzem Vater geworden ist und in Basel lebt und arbeitet.

Darum habe der Vorstand entschieden, sich zu öffnen und über die Ausschreibung neue Veranstalter, neue Formate oder eben ein völlig neues Betriebskonzept zu suchen. «Die Möglichkeit, das ganze Haus neuen Betreibern zu übergeben, haben wir intensiv diskutiert. Dabei sind wir zum Schluss gekommen: Auch das kann eine sinnvolle und gute Variante sein.»

In der Zwischenbühne finden jährlich rund 15 Eigenveranstaltungen statt, Tendenz sinkend. Hinzu kommen ein paar Vermietungen, die Nutzung als Probenlokal und Privatanlässe. Geöffnet ist das Kulturzentrum entsprechend unregelmässig: Läuft nichts, bleiben die Türen geschlossen. Das macht es schwierig, ein Haus zu positionieren und eine Konstante bei ausgehfreudigem Publikum zu sein. «Zudem ist es schade, wenn ein so tolles Haus mit guter Infrastruktur häufig unbespielt ist. Das möchten wir ändern und das ‹Label› Zwischenbühne wieder mehr füllen», sagt Fellmann.

Die Zwischenbühne zeigt regelmässig Theaterproduktionen.

Die Zwischenbühne zeigt regelmässig Theaterproduktionen.

(Bild: zVg Zwischenbühne)

Vom Produktionshaus bis zur Jazzbühne

Denkbar für ein neues Konzept ist gemäss Fellmann sozusagen alles, was mit Kultur zu tun hat. Das könnte ein Haus für Theaterproduktionen sein, ein Probenlokal oder sogar eine volkstümliche Bühne. «Das fände ich persönlich zwar etwas komisch. Aber warum nicht? Unser Hauptanliegen ist es, dass die Zwischenbühne weiterhin kulturell genutzt wird.» 

Ein Kommerz- oder Partyschuppen ist sowieso schon von der Lage her ausgeschlossen: Die Zwischenbühne liegt in einem Wohnquartier und eignet sich darum nicht für solche Nutzungen. Das Gleiche gelte für einen reinen Restaurationsbetrieb.

«In Luzern wird oft und laut nach Freiraum gerufen. Und hier wäre er jetzt und könnte gepackt werden.»
Matthias Fellmann

Die Ausschreibung wurde sowohl in den sozialen Medien wie bei anderen Kulturhäusern und interessierten Kreisen breit gestreut. Anfang 2017 sollen aus den eingehenden Bewerbungen die besten Ideen ausgewählt und allenfalls zusammengeführt werden. Umgesetzt werden die Neuerungen voraussichtlich per Herbst 2017.

Die Trägerschaft ist gespannt, ob und was für Ideen auf den Tisch kommen. «Das Angebot und die offenen Möglichkeiten sind ja wirklich super. Da ist viel Raum für frischen Wind», sagt Fellmann. Was aber, wenn sich niemand interessiert? Wenn sich weder engagierte Veranstalter noch potentielle Betriebsbetreiber melden? «Tja … das wäre sehr schräg. Schliesslich wird in Luzern oft und laut nach Freiraum gerufen. Und hier wäre er jetzt und könnte gepackt werden.»

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