Kultur
Das Lakeside ist wieder da – eine Konzertkritik

Klein, aber oho

Die Jungs von Brasscode gaben trotz beengten Platzverhältnissen alles auf der Bühne.

(Bild: Marc Wermelinger)

Klein, sympatisch und mit einer wundervollen Atmosphäre kann das Lakeside mit den grossen Festivals ohne Probleme mithalten. Zentralplus war am Samstag mit von der Partie.

Nachdem der Donnerstag ganz im Zeichen der Comedy lag, wurde einem am Freitag und am Samstag ein breites Spektrum an Schweizer Musik geboten. Bekanntere Bands sowie Newcomer gaben ihr musikalisches Können zum Besten.

Vor zwei Jahren mussten die Veranstalter mit schlechtem Wetter und einem gigantischen Defizit zurechtkommen. In diesem Jahr jedoch schien nicht nur wettertechnisch die Sonne für das Festival. Ein gut gefüllter Rössliplatz lies auf ein langes Weiterbestehen des Festivals hoffen.

Melodisch melancholisch

Den Auftakt auf der Hauptbühne machte «Flaig». Die Band rund um Dominik Flaig, war wortgewandt und weltmännisch. Songs über die Liebe, Wohlstand und Beiläufigkeiten, im besten Ostschweizer Dialekt den wenigen Leuten, die sich schon aus dem Wasser gewagt hatten, in musikalischer Form erzählt.

«Regle breche»

Als Nächste nahmen «Brasscode» die Bühne in Beschlag. Mit einem Schlagzeuger, sieben Bläsern und einem MC wurde es ganz schön eng auf der Bühne. Das hielt die Jungs aber nicht davon ab, hüpfend und springend den Leuten den Kater von gestern aus den Köpfen zu blasen. Schnelle Mundart-Rhymes, gepaart mit einem fetten Schlagzeug, Beat und Bläsern ergaben eine Mischung, die Tanzbeine in Bewegung und die Hauptbühne zum Beben brachten.

Als Höhepunkt wurde dann Maze von Pflegeleicht auf die Bühne gerufen, der einen Freestyle hinlegte mit einem Thema, welches das Publikum den Musikern zugerufen hatte. An jedem Festival gibt es jemanden, der am Konzert mindestens einmal «Penis» reinruft. Es wurde dann schlussendlich doch über das Thema Romantik gerappt, und die Musiker verliessen unter tosendem Applaus die Bühne wieder.

Festhalten mit «HebDiDe»

Local Heros «HebDiDe» konnten gleich auf dieser Stimmungswelle von «Brasscode» mitreiten. Die Bühne in Lichterketten gepackt, die Schuhe ausgezogen und die Instrumente umgeschnallt, spielten sie eine Pop-Rock-Variation mit vielen Off-Beats. Der Vorteil dieser Musik: Man kann das Tempo einfach mal anziehen, um das Publikum zum Schwitzen zu bringen. Solide wird von den vier Nidwaldnern eine Stunde lang Mundart-Musik heruntergespielt. So wie bei allen Bands zuvor, gab’s bei «HebDiDe» eine Zugabe. «Tanz Meitli Tanz» war dann auch Aufruf für zwei Damen auf den Boxen zu tanzen oder eher sich aneinander festzuhalten. Die Vermutung liegt nahe, dass da ebenfalls der Heuschnapps eine entscheidende Rolle spielte.

Auftakt mit Konfettikanonen

Als Startschuss schoss Pflegeleicht gleich mal ein bisschen Konfetti nach vorne. Maze, der vorhin noch mit Brasscode freestylte, gab nun mit seiner eigenen Band und vorbereiteten Rhymes dem Publikum, was es wollte. Und er war nicht der Einzige, der schon mal auf der Bühne gestanden war.
Auch Dominik Flaig (von Flaig) schnallte sich die Gitarre wieder um. Die energiegeladene Live-Performance der sechs Jungs war perfekt für die inzwischen partywütige Meute. Pflegeleicht hatte sich «Hip-Hop ’n Roll» auf die Fahne geschrieben, und es war auch genau das, was sie lieferten. Nicht mehr und nicht weniger.

Polka, Punk und Pianos

Dann wurde zur Abwechslung mal Englisch mit dem Publikum gesprochen. «Palko!Muski» kommen zwar aus Zürich, haben sich aber ganz der Gypsy-Disco verschrieben. Wer dachte, Pfegeleicht hätten viel Energie auf der Bühne gehabt, wurde bei diesen fünf Männern eines Besseren belehrt. Bereits ab der ersten Sekunde brachte Sänger Baptiste Beleffi sich selbst und das Publikum ins Schwitzen. Hüpfend, rennend, kurz ans Piano sitzend, aber dann gleich wieder aufspringend, war alles Teil des Tanzes. Auch das Publikum wurde sofort miteinbezogen. Klatschen, Hände hin-und-herschwingen und schon beim zweiten Lied wurde man aufgefordert in die Knie zu gehen. Musikalisch standen sie der Bewegungsenergie in nichts nach. Polka-Punk wie man sich ihn wünscht. Schnell, laut und mitreissend.

Stimmungskanonen zwischen den Konzerten

Nicht unerwähnt bleiben darf Powder Muff Project. Zwei Jungs, in Adidas-Trainer gehüllt, machten die Auf- und Abbaupausen sehr viel erträglicher. Covers auf eine eigene Art und Weise gespielt, eine Grünabfalltonne als Bass-Drum und eine klappernde Gitarre verliehen den Zweien eine Coolness, die einfach zauberhaft war. Sie waren vielleicht nicht die musikalischen Höhenflüge des Festivals, aber definitiv ein wichtiger Bestandteil.

Abschliessend gilt zu sagen, dass das Lakeside auch mit einigen Sparmassnahmen ein sehr besuchenswertes Festival ist. Ein unvergleichbarer Charme, eine bezaubernde Atmosphäre und die Unterstützung lokaler Bands sind Eigenschaften, die dieses Festival so einzigartig machen. Bis zum nächsten Jahr!

Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.