Kultur
Was erwarten Luzerner vom neuen Theater?

«Gute Hülle, geiler Inhalt»

Einig ist man sich in einem Punkt: Das neue Theater soll am jetzigen Standort bleiben. (Bild: bic)

Luzern braucht ein neues Theater. Es soll offen und vielfältig sein – und am jetzigen Standort bleiben. Das war der Tenor an der ersten Informationsveranstaltung zur künftigen Ausrichtung des Hauses. Ein Anlass, dem allerdings ein grosses Manko anhaftet.

Das Luzerner Theater ist baufällig und entspricht nicht mehr den heutigen Bedürfnissen. Darum soll ein neues her. Doch wie soll es aussehen, was soll es bieten und für wen? Muss es offener werden, provokativer, günstiger? Was bräuchte es, damit auch junge Zentralschweizerinnen regelmässig Vorstellungen besuchen?

Diese Fragen sind am Montagabend an der ersten Mitwirkungsveranstaltung zum neuen Luzerner Theater in Sursee diskutiert worden. In vier Workshops und kleinen Gruppen brachten die Teilnehmer ihre Meinungen und Ideen ein. Ganz niederschwellig, ganz flexibel, ganz nah bei den Leuten.

Genau so, wie man sich auch das neue Haus wünscht. Denn der Tenor war deutlich: Das Stadttheater soll kein elitärer Kulturtempel der Bildungsbürger sein. Sondern ein offenes Haus, das alle Generationen anspricht. «Eine grosse Aufgabe», sagte Bildungs- und Kulturdirektor Marcel Schwerzmann, der das Einzugsgebiet des Luzerner Theaters zwischen Aarau und Göschenen verortete.

Was das Programm betrifft, soll es vielfältig sein und abseits des Mainstreams auf gesellschaftliche Ereignisse reagieren. Und das neue Theater müsse Gräben zwischen der staatlich unterstützten Institution und der freien Theaterszene überwinden. So, dass man bestenfalls gar nicht mehr davon spricht. Trotz zahlreicher Ideen, viel konkreter wurde es inhaltlich nicht. Einig war man sich aber darin: Was gezeigt wird, ist wichtiger als das Drumherum. Oder wie es der Kulturbeauftragte Stefan Sägesser am Ende zusammenfasste: «Gute Hülle, geiler Inhalt.» 

Standort scheint gesetzt – mit dem Risiko eines Neubaus?

Interessant war die Diskussion zur Frage, wie sich das neue Theater in den Stadtraum eingliedern soll. Was unmissverständlich zum Ausdruck kam: Das Gebäude samt des Theaterplatzes muss identitätsstiftend sein. Mehr ein Knotenpunkt mit Ausstrahlung denn ein Leuchtturm. Und ein Begegnungsort, der sowohl die Altstadt als auch die Neustadt belebt.

In diesem Zusammenhang wurde der räumliche Zustand hervorgehoben, den die Coronakrise geschaffen hat. Die Masse an Touristen ist weg, der Raum wieder sichtbar, die Perspektive verändert. «Das erlaubt es, die Stadt neu zu denken», sagte ein Teilnehmer aus dem Plenum. «Es ist die Chance, den Luzernern den Stadtraum zurückzugeben.»

In kleinen Gruppen sind viele Ideen für die künftige Ausrichtung des Theaters zusammengetragen worden. (Bild: jal)

Andere Standortvorschläge fanden an den Workshops, deren Ergebnisse am Ende der Veranstaltung vorgestellt wurden, hingegen kaum Fürsprecher. Die Grünen hatten kürzlich angeregt, Alternativen wie den Kasernenplatz, den Südpol oder den Seetalplatz ins Auge zu fassen (zentralplus berichtete).

«Es lohnt sich, für diesen Ort zu kämpfen.» 

Beat Züsli, Stadtpräsident

Doch das Publikum am Montag erteilte Zügelideen eine klare Absage. Das Stadttheater gehöre ins Zentrum, so die Meinung. Auch wegen der Theater-DNA, die der jetzige Platz habe. Ein anderer Standort würde hingegen ein ganz neues künstlerisches Konzept bedingen. Und ebenso wichtig: Das bräuchte viel mehr Zeit als vorgesehen.

Die Verantwortlichen dürften sich dadurch bestätigt fühlen. Denn in Luzern wünscht man sich einen Neubau anstelle des heutigen Theaters. Doch bekanntlich verlangen die eidgenössischen Kommissionen für Denkmalpflege und Natur- und Heimatschutz, dass die Nordfassade für das Ortsbild erhalten bleibt (zentralplus berichtete).

Zweiter Anlass im Südpol

Am 27. Oktober findet im Südpol Luzern die zweite Publikumsveranstaltung zur Ausrichtung des Neuen Luzerner Theaters statt. Der Anlass startet um 18.30 Uhr und ist gratis. Wer teilnehmen will, muss sich bis am 23. Oktober hier anmelden. Es gilt Maskenpflicht.

Stadtpräsident Beat Züsli will den Schwung der Diskussion vom Montag denn auch mitnehmen. «Es lohnt sich, für diesen Ort zu kämpfen», hielt er fest. Solange es keine Notwendigkeit für einen Standortwechsel gebe, werde man an der jetzigen Lage festhalten. Ob Luzern tatsächlich das Risiko eingeht, trotz der Widerstände den Wettbewerb für einen Neubau auszuschreiben, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.

Die grosse Abwesende: die Bevölkerung

Der Abend hatte eine grosse Schwachstelle, und das ist vielleicht auch ein Sinnbild des Problems, das mit der laufenden Diskussion angegangen werden soll: Es fehlten die Stimmen der breiten Bevölkerung. Nur gerade knapp 30 Personen fanden den Weg nach Sursee. Weniger als erhofft, wie Rosie Bitterli Mucha, Projektleiterin für das neue Luzerner Theater, einräumte.

Die jüngeren Generationen, die man ansprechen will, suchte man in den Reihen vergeblich. Die meisten Teilnehmer stammten aus jenem Alterssegment, das zu den Stammgästen des Stadttheaters zählt. Und fast ausnahmslos alle hatten einen Bezug oder sogar eine Funktion in der Theaterszene. Ein Fakt, den auch die Anwesenden mit Bedauern zur Kenntnis nahmen.

Die Verantwortlichen hoffen, dass sich das am zweiten Anlass Ende Oktober im Südpol ändert (siehe Box). Und sich dann auch jene Stimmen zu Wort melden, die man mit diesen Publikumsanlässen eigentlich zu hören beabsichtigt.

Stadtpräsident Beat Züsli (links), Stiftungsratspräsidentin Birgit Aufterbeck Sieber und Kulturdirektor Marcel Schwerzmann ziehen ein Fazit des Abends. (Bild: jal)
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