Kultur
Nachruf auf Horst Statkus

Ehemaliger Luzerner Theaterdirektor gestorben

Horst Statkus im Jahre 1988. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Er löste bei seinem Antritt einen Skandal aus, holte Ramón Vargas nach Luzern und füllte das Theater zwischen 1987 und 1999 besser als alle nach ihm. Jetzt ist der ehemalige Theaterdirektor Horst Statkus 86-jährig verstorben. Ein Nachruf.

Als Horst Statkus 1987 nach erfolgreichen Jahren als Direktor am Theater Basel nach Luzern kam, sahen das viele als Karriereknick. Statkus war das egal: Er entschied sich bewusst für ein kleineres Haus, weil er «den direkten persönlichen Kontakt liebte».

Er holte das Stadttheater aus der Provinz

Im Dreispartenhaus an der Reuss fungierte Statkus dann während zwölf Jahren als «Hausvater», wie er es ausdrückte. Obwohl Statkus als ehemaliger Dramaturg dem Schauspiel am nächsten stand, erarbeiteten sich in seiner Zeit besonders die Sparten Musiktheater und Tanz grosse Ausstrahlung. So holte Statkus 1996 den Choreografen Richard Wherlock nach Luzern, dessen Ballett auch über die Region hinaus auf Anerkennung stiess. In musikalischer Hinsicht hätten die drei musikalischen Leiter Marcello Viotti, Olaf Henzold und Jonathan Nott das Luzerner Theater «endgültig vom Ruch der Provinzialität befreit», urteilte der Kritiker der NZZ über die Ära von Direktor Statkus.

Aber nicht nur bei Kritikern kam Statkus’ Theaterprogramm gut an, auch bei den beliebten Musicals bewies er geschicktes Händchen: «West Side Story» (1990) und «Piaf» (1992) waren Kassenschlager. Ausser in seiner letzten Saison lag die Auslastung bei 70 bis 76 Prozent. «Insgesamt habe ich mit meiner Spielplangestaltung das Publikum ziemlich bei der Stange gehalten», fand Statkus selber im Rückblick. «Hier erlebte ich meine schönsten Theaterjahre, es herrschte eine tolle Atmosphäre.»

Die Fehde mit «Blueme-Bürgi»

Dabei hatte seine Luzerner Ära 1987 mit einem Skandälchen begonnen, wie es typisch für Luzern ist. Der studierte Germanist und geborene Ostdeutsche Statkus hatte sich erdreistet, das Operettenprogramm zusammenzustreichen. Er hatte die Rechnung jedoch ohne den Blumenhändler und CVP-Grossstadtrat Ruedi Bürgi gemacht. Das Stadtoriginal erreichte, dass schliesslich sogar das Parlament die Operettenfrage diskutierte.

Statkus krebste zurück – und nannte Bürgi «schwachsinnig». Der Gefechtsnebel legte sich, aber «Blueme-Bürgi» grollte Statkus noch bis ins hohe Alter (Bürgi starb 2014). Aber auch der «soignierte Patriarch» Statkus (Weltwoche) konnte sich mehr als zehn Jahre später in einem Interview die Bemerkung nicht verkneifen, dass – gemessen am Aufruhr –  die Operetten «durchaus nicht die Spitzenreiter im Spielplan» seien.

Ein Direktor, der Talente förderte

Statkus’ Gabe, Talente zu erkennen und zu fördern, begründete den Ruf des Luzerner Theaters als Talentschmiede. Der mexikanische Star-Tenor Ramón Vargas etwa war von 1988 bis 1992 im Haus an der Reuss engagiert. Kurz darauf eroberte er die ganz grossen Bühnen der Welt. Aber auch in Luzern hinterliess Statkus bleibende Spuren: Die jährlichen Schultheatertage gehen auf seine Anregung zurück.

Nach über 200 Inszenierungen unter seiner Direktion hatte Statkus 1999, schon 70-jährig, genug. Er liess sich mit seiner Frau, Elke Stoltenberg, in Heidelberg nieder, wo er bereits früher mehrmals gelandet war. Sie hätten intensiv darüber diskutiert, in Luzern zu blieben, verriet Statkus vor einigen Jahren der NLZ. «Auch weil es nie gut ist, wenn ein zurückgetretener Theaterdirektor seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin dreinreden kann», seien sie schliesslich gegangen.

Bei seinem letzten Auftritt am Theater widmete der damals schon waghalsig kalauernde Stadtpräsident Urs W. Studer dem scheidenden Theaterdirektor einen «Sta(d)t-Kus(s)». Der Beschenkte war nicht nachtragend: Immer wieder und bis ins hohe Alter kam Statkus nach Luzern zurück, um Freunde zu besuchen.

Horst Statkus ist am Donnerstag im Alter von 86 Jahren in Heidelberg gestorben.

Horst Statkus im Jahre 1988.

So porträtierte Fotograf Emanuel Ammon Statkus 1988 anlässlich der Musikfestwochen für die Schweizer Illustrierte.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

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