Kultur
«Lokalkolorit zieht die Menschen an»

Einfach mal abtauchen: Lese-Lockstoff aus der Region

Juliette Wyler von der Zentral- und Hochschulbibliothek hat einige Tipps für spannende Bücher aus der Zentralschweiz auf Lager. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Wer seine Freizeit über die Festtage lesend verbringt, muss nicht nach dem neuesten John Grisham oder dem neuesten Jojo Moyes greifen. Auch die Zentralschweiz hat spannende Autorinnen und Autoren zu bieten.

Die Zeit zwischen den Jahren, darin sind sich wohl alle Bücherwürmer einig, eignet sich bestens, um die Nase in ein Buch zu stecken. Am liebsten eingewickelt in eine Decke auf dem Sofa, mit einer Tasse dampfendem Tee und dem Rest der Weihnachtssüssigkeiten. Doch es muss nicht immer der grosse, internationale Bestseller sein – wie etwa «Blutmond» von Jo Nesbø oder «Der Gesang der Fusskrebse» von Delia Owens.

Die Zentralschweiz hat zahlreiche Autorinnen und Autoren, die es hoffentlich unter den Weihnachtsbaum geschafft haben. Wer gern Romane mag, ist – wenn es um Geschichten aus Zug geht – mit Monika Mansour gut bedient.

Der Kriminalroman «Zugersee» der Autorin, die im Luzerner Hinterland lebt, ist das meistausgeliehene Zuger Buch in der Bibliothek Zug. Es erzählt die Geschichte der Reinigungskraft Katja, die plötzlich einen Angestellten einer Zuger Privatbank tötet und sich der Polizei stellt. Doch was war ihr Motiv?

«Der Rote Diamant»gehört auch in Luzern zu den Topausleihen

Getoppt wird Monika Mansour in der Rangliste der Bibliothek nur von «Das Attentat von Zug». Das Sachbuch von Barbara Schmutz, das noch 2021 herauskam, lässt Überlebende des Attentats von 2001 zu Wort kommen. Auch über zwanzig Jahre nach der Tat lassen die Geschehnisse von damals die Zugerinnen und Zuger nicht los.

Für den Schweizer Buchpreis 2022 war Thomas Hürlimann mit «Der Rote Diamant» nominiert. Der Zuger Schriftsteller ist aber nicht nur in der Bibliothek Zug beliebt. Auch Juliette Wyler, Medienverantwortliche der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB), weist auf ihn hin. «Gewisse Autoren und Autorinnen kennt man natürlich», erläutert sie die Beliebtheit der regionalen Schriftsteller. Die regionalen Themen bewegen. Das bemerkt die Expertin nicht nur aufgrund der Ausleihezahlen.

Fiona Burghard von der HrschmattBuchhandlung weiss, welche Bücher aus der Zentralschweiz besonders beliebt sind.
Fiona Burghard von der HirschmattBuchhandlung weiss, welche Bücher aus der Zentralschweiz besonders beliebt sind. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Lokale Autorinnen haben einen Heimvorteil

«Wir veranstalten mit speziellem Augenmerk Lesungen mit Autorinnen und Autoren aus Luzern beziehungsweise der Zentralschweiz. Wir stellen stets ein grosses Interesse fest, denn die Autorinnen und Autoren haben ja hier ihr Heimpublikum», erklärt sie.

Ein neueres Phänomen sei, dass die jüngere Generation, wie zum Beispiel Béla Rothenbühler, in der Luzerner Mundart schreiben. So etwa in seinem Buch «Provenzhauptschtadt» von 2021. «Lokalkolorit zieht die Menschen an. Es ist wie bei den Zeitungen: der Lokalteil wird am liebsten gelesen», so die Medienverantwortliche.

Bibliotheken sind eine Schatzkiste für lokale Bücher

Die Bibliothek Zug und die ZHB haben den Auftrag, Medien von oder über Zug beziehungsweise Luzern zu sammeln. «Wenn beispielsweise Nora Gomringer mit ‹ach du je› ein Buch im Luzerner Verlag Der gesunde Menschenversand herausbringt, gilt das Buch als Luzerner Medium», so Juliette Wyler. Selbst lese sie am liebsten englischsprachige Literatur in Originalsprache. Auch wenn es sehr viele Zentralschweizer Autorinnen und Autoren gebe.

Bei «Schatten über Luzern» von Serge Robert war die Originalsprache Französisch. «Es wurde dieses Jahr auf Deutsch übersetzt», sagt Fiona Burghard von der Buchhandlung Hirschmatt in Luzern. Der Franzose, der in Luzern lebt, hat damit einen Krimi geschrieben – wie Monika Mansour mit «Lichter über Luzern», das ebenfalls 2022 herauskam.

Einige Bücher von Zentralschweizer Autoren sind ausverkauft

Einige aktuelle Bücher von Zentralschweizer Autorinnen und Autoren seien schon ausverkauft, so die Buchhändlerin kurz vor Weihnachten. «Regionale Krimis sind sehr beliebt, vor allem bei der älteren Kundschaft, die die Region kennt», sagt Fiona Burghard. Doch nicht nur Romane sind ein Verkaufsschlager.

«Stefan Ragaz hat in ‹Hirschmatt Neustadt Luzern› zur Entstehung des Hirschmatt-Neustadt-Quartiers recherchiert. Das verkauft sich sehr gut. Auch ‹Alles, was rollt, schwimmt und fliegt›, das Buch über Alfred Waldis und das Verkehrshaus ist ein Sachbuch, das beliebt ist», sagt Burghard. Ob also Sachbuch oder Roman: als Zentralschweizer Leseratte sollte es kein Problem sein, die Feiertage mit der entsprechenden Lektüre zu verbringen.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch vor Ort mit Juliette Wyler und Fiona Burghard
  • Mailkontakt mit Gabriela Mattmann von der Stadtbibliothek
  • Verlagsangaben zur «Zugersee» von Monika Mansour
  • Verlagsangaben zu «Das Attentat von Zug» von Barbara Schmutz
  • Verlagsangaben zu «Der Rote Diamant» von Thomas Hürlimann
  • Verlagsangaben zu «Provenzhauptschtadt» von Béla Rothenbühler
  • Verlagsangaben zu «ach du je» von Nora Gomringer
  • Informationen zu «Schatten über Luzern» von Serge Robert (Selbstverlag)
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