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Schauspieler ist Juror an den Zuger Filmtagen
Dimitri Stapfer: «Frage nach Hollywood geht mir auf den Sack»

  • Lesezeit: 8 min
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Stand jüngst für die SRF-Serie «Frieden» vor der Kamera: Jungschauspieler Dimitri Stapfer. (Bild: Salva Hlavacek)

Er ist einer der aufsteigenden Jungstars der Schweizer Schauspielszene. Dimitri Stapfer steht auf Bühnen und vor der Kamera und heimst Preise ein. Am Wochenende tritt er als Juror an den Zuger Filmtagen auf. zentralplus hat sich mit ihm über das Filmgeschäft, Hechte und die Stadt Zug unterhalten.

In Zug laufen derzeit die Kinoprojektoren heiss. Seit Dienstag findet die siebte Ausgabe des Zuger Filmfestivals statt, wo nicht nur Filme im Zentrum stehen, sondern auch diverse Workshops und Podiumgespräche mit bekannten Schweizer Filmschaffenden.

Mit von der Partie ist heuer auch der Solothurner Schauspieler Dimitri Stapfer (33), der jüngst in der SRF-Serie «Frieden» den Bundesbeamten Egon Leutenegger verkörpert hat, der nach dem Zweiten Weltkrieg Jagd auf abgetauchte Naziverbrecher macht. Stapfers Figur ist eine entschlossene, aber von Zweifeln und einer melancholischen Schwere beseelter Charakter. Als wir ihn allerdings am Telefon erreichen, unterhalten wir uns mit einem gutgelaunten, witzigen und bodenständigen Künstler. Ein erster Beweis dafür, wie gut Stapfer das Handwerk der Verwandlung beherrscht.

zentralplus: Damit ich diese gleich von meiner Liste streichen könnte: Welche Frage zu Ihrem Beruf können Sie nicht mehr hören?

Stapfer: Die Frage, ob ich bald nach Hollywood auswandere, geht mir ziemlich auf den Sack (lacht). Als wäre dies das Einzige auf der Welt, was für die Schauspielerei von Bedeutung ist. Viele Leute wissen einfach nicht, wie hart dieses Business ist, alleine in der Schweiz. Und erst recht in den USA. Ich finde – (Kurze Pause.) Zum Glück können Sie mich gerade nicht sehen, ich gestikuliere hier gerade wild herum und suche nach den passenden Worten.

zentralplus: Das würde ich tatsächlich gerne sehen.

Stapfer: Darum bin ich manchmal froh, wenn ich ein Drehbuch habe. Da steht genau drin, was ich sagen muss (lacht). Zurück zur Frage. Viele verbinden Schauspielerei immer gleich mit Stars und Glamour. Das stört mich ein wenig, weil das in meinen Augen nicht der Grund ist, was die Schauspielkunst ausmacht. (Längere Pause.) Aber würde Tarantino anrufen, wäre ich natürlich sofort zu haben.

zentralplus: Wie sind Sie denn eigentlich zur Schauspielerei gekommen?

Dimitri Stapfer: Meine erste Berührung mit der Schauspielerei erlebte ich im Alter von 12 Jahren, als ich eine Aufführung vom Jugendzirkus Chnopf besucht habe. Das hat mich brutal fasziniert – auch wenn ich damals noch nicht genau wusste, warum eigentlich. Meine Mutter hat aber gespürt, dass mich da was tiefer bewegte und sie hat mir dann geholfen, mich selbst beim Zirkus zu bewerben. Das hat dazu geführt, dass ich zwei Saison lang mitgewirkt habe. Das war für mich ein befreiender und unglaublich lehrreicher Lebensabschnitt. Danach ging’s für mich aber zurück in den Alltag. Scheuklappen auf und ab durch die Pubertät und die engstirnige Schulzeit. Erst später mit 16 Jahren habe ich mich wieder mit der Thematik auseinandergesetzt. Im Theater Neumarkt durfte ich als Laie mit Profis auf der Bühne stehen und in einem Stück mit Texten von Goethe, Schiller und Shakespeare mitwirken. 

«Beim Theater kannst du deine Figur acht Wochen lang mit der Regie von Anfang bis Ende erarbeiten. Beim Film hast du diese Zeit nicht.»

zentralplus: Vom Jugendzirkus zu Hamlet? Eine ziemlicher Sprung.

Stapfer: Damals hab ich die Hälfte der Texte kaum kapiert (lacht), aber die Energie der anderen Schauspieler hat mich fasziniert. Das war der Moment, in dem ich wusste: «Das muss ich machen.» Nach einer Lehre zum Buchhändler habe ich dann schliesslich an der Zürcher Hochschule der Künste Schauspielerei studiert.

zentralplus: Heute stehen Sie sowohl auf Bühnen als auch vor der Kamera. Was sind die Unterschiede, wo liegen die Herausforderungen?

Stapfer: Mich inspirieren beide Arbeitsweisen sehr. Für mich ist es eine Symbiose, denn viele Erfahrungen, die ich im Theater gemacht habe, kann ich für die Filmproduktionen nutzen. Zum Beispiel, wie man an eine Rolle herangeht. Denn beim Theater kannst du deine Figur acht Wochen lang mit der Regie von Anfang bis Ende erarbeiten. Beim Film hast du diese Zeit nicht. Da musst du mit wenigen Proben auskommen und praktisch fertig vorbereitet vor die Kamera stehen. Darum ist es für mich wichtig, beides zu machen. Das fordert mich heraus, bringt mich aber auch weiter.

zentralplus: Vom Punk mit Irokesenschnitt zum schwulen Schwimmlehrer und zu einem Nazijäger. Auf welche Performance sind Sie besonders stolz?

Stapfer: Jede Rolle, die ich bisher gespielt habe, hat mich herausgefordert und einen Schritt weitergebracht. Aber müsste ich eine wählen die eine ganz besondere Bedeutung hatte, wäre es entweder meine erste grosse Rolle im Film «Left Foot, Right Food» (Anmerkung: Für seine Darstellung im Film wurde Stapfer mit dem Schweizer Filmpreis für die beste Nebenrolle ausgezeichnet) oder den Leutenegger aus «Frieden».

Dimitri Stapfer sucht die bewusst die Herausforderung.

zentralplus: Am Wochenende sind Sie bei den 7. Zuger Filmtagen als Juror dabei und bewerten die Filme aus dem Wettbewerb. Wie kam’s dazu?

Stapfer: Ich wurde angefragt und mein erster Gedanke war: «Was, kann ich das überhaupt?» Vor dieser Aufgabe habe ich viel Respekt, weil alle Filmcrews haben wahnsinnig berührende Projekte produziert. Ich habe die Wettbewerbsfilme mittlerweile gesehen und muss sagen: Die sind alle toll. Darum ist es eine grosse Verantwortung, sie überhaupt zu beurteilen.

zentralplus: Neben Ihnen sind mit dem Regisseur Pierre Monnard («Platzspitzbaby») und der Chamer Produzentin Claudia Bluemhuber («Churchill») zwei andere Branchengrössen in der Jury. Worauf freuen Sie sich da?

Stapfer: Auf viele spannende Diskussionen über die Filme.

zentralplus: Haben Sie eine Verbindung zum Kanton oder der Stadt Zug?

Stapfer: Ich habe Zug schon ein paarmal besucht. Beruflich hatte ich hier bisher aber noch nie zu tun, darum freue ich mich, an den Zuger Filmtagen teilzunehmen. Vielleicht finde ich nebenher noch etwas Zeit, die Stadt zu erkunden.

«Bei kleineren Festivals wie den Zuger Filmtagen sieht man sehr gut, was junge Leute auf die Beine stellen.»

zentralplus: Nebst Ihrer Funktion als Juror geben Sie am Samstag an den Zuger Filmtagen noch eine Masterclass in Schauspielerei. Was erwartet die Teilnehmenden?

Stapfer: Ich hoffe auf einen regen Austausch mit dem Publikum in einer familiären Atmosphäre. Es soll ein Miteinander werden. Grundsätzlich möchte ich über meine Erfahrungen sprechen, gute wie schlechte, über meinen Werdegang, was mich fasziniert und antreibt. Das zentrale Thema wird natürlich die Schauspielerei als Beruf und das Spielen selbst sein.

zentralplus: Filmfestivals sind für Sie kein Neuland. Was bedeuten Ihnen diese Anlässe?

Stapfer: Festivals sind spannend, weil man allerhand neue Filme sieht und interessante Leute trifft, mit denen man sich austauschen kann. Das schätze ich sehr. Bei kleineren Festivals wie den Zuger Filmtagen sieht man ausserdem sehr gut, was junge Leute auf die Beine stellen und was uns in Zukunft an Filmkunst erwartet.

zentralplus: Corona hat sich auch auf die Filmbranche ausgewirkt. Wie war das bei Ihnen?

Stapfer: Ich bin mit einem blauen Auge davongekommen. 2019 konnte ich bei zwei Grossproduktionen, dem Spielfilm «Beyto» und der Serie «Frieden», mitwirken und fürs 2020 hatte ich schon für zwei Theaterstücke unterschrieben und profitierte dementsprechend von der Kurzarbeit. Die restliche Zeit war für mich ein Geschenk, weil ich zusammen mit Benjamin Burger meine erste Filmregiearbeit umsetzen konnte: den Experimentalfilm «Das Maddock Manifest», der von Lomotion AG in Coproduktion mit SRF produziert wurde und demnächst Premiere feiern wird.

zentralplus: In der Serie «Frieden», die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt ist, haben Sie einen Beamten gespielt, der Jagd auf Nazis macht. Wie haben Sie sich auf eine solche historische Rolle vorbereitet?

Stapfer: Die Rollenerarbeitung für «Frieden» war ziemlich aufwendig – und sehr spannend. Ich habe mir diverse Dokumentationen und Filme angesehen. Aus und über diese Zeit. Das hilft, um herauszufinden, wie man damals geredet hat, wie die Rollenbilder von Mann und Frau ausgesehen haben und wie die Gesellschaft grundsätzlich getickt hat. Diese Vorarbeit hat mir geholfen, die Stimmung dieser Zeit aufnehmen zu können. Danach ging es dann an die klassische Rollenarbeit. Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass ich mich für jede Figur anders vorbereite. Ich habe da kein Standardrezept.

Dimitri Stapfer spielte in der SRF-Serie «Frieden» eine der Hauptrollen.

zentralplus: Einige gehen fischen, andere wandern in die Berge. Wo finden Sie einen Ausgleich zur Arbeit?

Stapfer: (lacht.) Dieses Jahr habe ich mit der Freundin tatsächlich das Fischen entdeckt.

zentralplus: Oh …

Stapfer: Ja, wirklich! Ich habe im Sommer meinen ersten Hecht geangelt – 53 cm lang war der. Aber sonst beschäftigt mich die Schauspielerei eigentlich durchgehend. Und das ist auch gut so. Zur Ruhe komme ich trotzdem immer wieder, denn für jede Phase, in der man 200 Prozent geben muss, gibt es auch solche, in denen nichts läuft, ich mich ausruhen, langweilen und für neue Projekte inspirieren lassen kann.

zentralplus: Viele junge Schauspieler wandern nach Berlin aus, um auf dem deutschen Markt Fuss zu fassen. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Stapfer: Ich lebe seit 2009 in Zürich und arbeite von hier aus – auch für deutsche Produktionen. Zwar möchte ich mich für den deutschen Markt weiter öffnen, werde aber wahrscheinlich in der Schweiz wohnhaft bleiben. Auch, weil ich mit der hiesigen Szene sehr verbunden bin und die Leute sehr schätze. In meinen Augen wäre es ein Fehler, das alles hinter mir zu lassen. Zumal man heute ja in rund einer Stunde von Zürich in Berlin sein kann.

zentralplus: Was steht bei Ihnen nach den Zuger Filmtagen auf dem Programm?

Stapfer: Bis Oktober war ich noch etwas nervös, weil ich fürs kommende Jahr kaum Aussichten hatte. Jetzt bin ich im Gespräch für verschiedene Film- und Theaterprojekte, die sich teilweise noch in der Besetzungs- oder Finanzierungsphase befinden. Vieles ist noch nicht spruchreif, aber das wird schon. Und im Winter werde ich in der vierten Staffel der Krimiserie «Wilder» zu sehen sein.

Die Zuger Filmtage laufen noch bis und mit 6. November. Eine Programmübersicht und Tickets findest du hier. zentralplus ist Medienpartner der Zuger Filmtage.

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