Kultur
Künftig mehr Raum für Kulturprojekte in Luzern

Das Neubad will mehr «füdliblutte» Kunst und Kultur

Im Neubad soll Raum für neue Kunst und Kultur entstehen. Laurin Schwob, Assistenz der Geschäftsleitung gibt einen Einblick. (Bild: zVg/Christian Felber)

Das Neubad in Luzern wächst um ein Stockwerk – zumindest für die Öffentlichkeit. Eine bisher als Wohngemeinschaft genutzte Wohnung wird ab Februar kulturell umgenutzt. Wenn es nach dem Neubad geht, ziehen sich hier Kunst und Kultur «füdliblutt» aus.

Meister der Wortspiele war es schon immer – das Team der Zwischennutzung Neubad an der Luzerner Bireggstrasse. So taufte es den regelmässig im alten städtischen Hallenbad stattfindenden Flohmarkt «Strandgut», oder den lockeren LGBTQI-Treff knackig «Queerbad». Im Kulturzentrum wird ab Januar 2022 nun ein weiterer, etwas ominöserer Begriff im Haus herumschweben. Das neuste Projekt des Neubads heisst nämlich «FKK» (zentralplus berichtete).

«FKK steht für ‹Frische Kunst und Kultur› oder ‹füdliblutter Kunst- und Kulturwahnsinn› im Oberstübli», erklärt Laurin Schwob, Assistenz der Geschäftsleitung und Leitung des Personals im Haus, auf Anfrage. Beim Oberstübli handelt es sich nicht etwa um einen Bereich des menschlichen Körpers, sondern um Räumlichkeiten des verwinkelten Hauses, die künftig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.

Aus Wohnung wird Raum für Kunst und Kultur

Konkret handelt es sich dabei um die Räume einer Wohngemeinschaft, welche die letzten acht Jahre im Dachgeschoss hauste. Bis die Kündigung kam. Schwob erklärt: «Als die bisherige Wohngemeinschaft kündigte, war's plötzlich für alle klar: Jetzt werden wir die Wohnung umnutzen, öffentlich machen und kulturell beleben. Nachdem die restlichen Räume des Neubads bereits etabliert sind und ein relativ neues Betriebsteam in den Startlöchern steht, sind wir bereit, noch einen Stock höher zu gehen.»

Mit den neuen, künftig für die breite Öffentlichkeit zugänglichen Räume soll der «Mikrokosmos Neubad», wie ihn das Team selbst nennt, weiter wachsen. «Wir öffnen den Raum für neue Visionen und sprechen damit sicher auch Projekte an, die in erster Linie Raum, ein neues Netzwerk und eine funktionierende Organisationsstruktur suchen», meint Schwob. Weiter sagt er: «Konkret handelt es sich um eine Ausschreibung der Wohnung für Projekte im Bereich Kunst, Kulturelles und Soziales in den Monaten Februar bis Mai 2022.»

Diverse Akteure sollen mitmischen

Das Neubad ist eine lebendige Zwischennutzung, das dürfte schon mancher Luzernerin aufgefallen sein. Das ist nicht zuletzt ein Grund, weshalb es dem Betreiberteam wichtig ist, in vielen Räumen Möglichkeiten der Teilnahme zu geben. «Im Sinne der Zwischennutzung als Stadtentwicklerin möchten wir die Bedürfnisse von Quartier und Bevölkerung abholen, und mit ihnen direkt umsetzen», heisst es. Bunt, durchmischt, unkompliziert, lustvoll und lebendig soll es sein, das neue Projekt im Neubad Luzern.

Und: «Es wäre schön, auch Anfragen von anderen Städten zu haben, da man in der Wohnung ja auch übernachten kann. Genauso schön wäre es, Projekte direkt aus der Nachbarschaft zu haben, die ehrlich und aus echtem Bedürfnis heraus eingegeben wurden. Ob Quartiertreff, Schreibwerkstatt, Proberaum, Kunstinstallation, Game-Marathon, Kindertagesstätte oder Theaterprojekt. Utopische Experimente, grössenwahnsinnige Visionen oder alltägliches Grundbedürfnis. Egal, ob man Velomechaniker der Nachbarschaft oder professionelle Künstlerin mit jahrelanger Erfahrung ist – alles ist möglich.»

«Der innovative Charakter und das Potenzial der Zwischennutzung Neubad ist noch längst nicht ausgeschöpft.»

Laurin Schwob, Asisstenz der Geschäftsleitung, Personalleiter im Netzwerk Neubad

Das Neubad ist bereits mit konkreten Akteuren in Kontakt, die während den Monaten Februar bis Mai 2022 in verschiedenen Zeitspannen für munteres Leben in der ehemaligen Neubad-WG sorgen sollen. Mehr dazu sagen möchte das Kulturhaus bisher aber nicht. Denn «es ist bisher noch nichts spruchreif». Die Ausschreibung läuft nach wie vor und soll Inklusion und soziokulturelle Animation ins Zentrum stellen.

Längerfristiges Projekt nach Umbau 2022

Und was passiert nach Mai 2022? «Im Sommer ist eine Umbauphase geplant. Es wird sicher gestrichen und die grosszügigen Aussenterrassen frisch begrünt. Wir prüfen aktuell verschiedene Nutzungen und sind diesbezüglich mit ganz unterschiedlichen Partnerinnen in Kontakt.» Residenzen für Künstler sollen dabei sehr naheliegend und sinnvoll sein. Doch klar ist, dass das Neubad gerne eine Mehrfachnutzung anstreben und nicht nur das Naheliegendste umsetzen möchte.

Das Credo für die kommende Zeit unter den Dächern des Neubads lautet ziemlich simpel. Mit Räumen spielerisch umgehen und sie stets neu denken. «Nach acht Jahren Neubad und mühsamer Corona-Zeit ist es toll, räumlich nochmals eine völlig neue Dimension und damit auch einen gewissen Überraschungseffekt für alle Beteiligten zu erzeugen. Der innovative Charakter und das Potenzial der Zwischennutzung Neubad ist noch längst nicht ausgeschöpft», führt Schwob aus.

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