Kultur
Luzerner Festival ist zurück

Fumetto 2022: verstörend und faszinierend zugleich

Den Wettbewerb zum Thema Superkräfte hat Mia Oberländer gestaltet. (Bild: Christian Kaufmann)

Nachdem der Schnee einen weissen Schleier über die Häuser gelegt hat, bringt das Fumetto Comic Festival wieder Farbe in die Stadt Luzern. Dieses Jahr steht das Festival ganz im Zeichen von Superkräften.

Das Festivalzentrum in der Kornschütte wird am Samstagmorgen schon früh von Comicfans belebt. Nachdem das Fumetto Comic Festival 2020 gar nicht und im letzten Jahr in einer hybriden Form stattgefunden hatte, setzt es in diesem Jahr wieder auf die Begegnungen vor Ort (zentralplus berichtete).

So herrscht in der Kornschütte reges Treiben: Besucherinnen kaufen am Infoschalter Tickets, stöbern im Comixities-Market durch Comicbücher, schauen in der Kurzurlaubzone Bilderbücher an und trinken Kaffee. Zudem gibt es in diesem Jahr hier auch eine kleine Ausstellung. Eine illustrierte Version des Schweizer Strafgesetzbuchs wird an zwei Stellwänden gezeigt. Verschiedene Illustratorinnen und Illustratoren haben auf witzige Weise eine Auswahl von Artikeln aus dem Schweizer Strafgesetzbuch visualisiert.

Sieben Hauptausstellungen

Hat man sich das Ticket im Festivalzentrum in der Kornschütte geholt, geht es von da aus durch das wilde Schneegestöber quer durch die Stadt Luzern zu den sieben Hauptausstellungen. Diese zeigen Comic in seinen verschiedensten Formen. Als klassische Zeichnung im Comic-Heft, als gerahmtes Bild an der Wand oder als Stopp-Motion-Film.

Das Duo Nathalie Djurberg und Hans Berg hat in Stopp-Motion-Filmen fantasievolle Kreaturen geschaffen. (Bild: Christian Kaufmann)

Die Ausstellung im Kunstmuseum Luzern führt die Besucher in kreative Welten, nämlich jene der Künstlerin Nathalie Djurberg und des Komponisten Hans Berg. Nathalie Djurberg kreiert mit Plastilin fantasievolle Wesen. Diese erweckt sie in kurzen Trickfilmen zum Leben. Der Musiker Hans Berg unterlegt diese Kurzfilme mit Musik. In den sechs gezeigten Kurzfilmen raucht ein Krokodil auf einem Flur, ein Mann trinkt im Himmel die Milch einer Sau und ein Huhn verwandelt sich in einen Esel. Die Art und Weise, wie die Geschichten erzählt werden, sind verstörend und faszinierend zugleich.

Der Tod tanzt im B74

Die Macherinnen und Macher des Ampel-Magazins, ein Schweizer Comic-Heft, stellen im B74-Raum für Kunst an der Baselstrasse aus. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Totentanz auf der Spreuerbrücke neu zu interpretieren und in einen Comic zu übersetzen. Daraus ist eine neue Ausgabe des Magazins entstanden, welche die Grundlage für ihre Ausstellung bildet.

In verschiedenen kurzen Geschichten tanzt der Tod nicht mit sterbenden Menschen. Hier tanzt der Tod mit der sorgenlosen Kindheit, unumstrittenen Überzeugungen und etablierten Systemen. Diese werden geehrt mit aus Karton gebauten Gräbern, Altären und Denkmaltafeln, welche die Ausstellung ergänzen.

Rund 40 Satelliten-Ausstellungen

Neben den Hauptausstellungen gibt es rund 40 kleine Satelliten-Ausstellungen zu entdecken. In Schaufenstern von lokalen Läden oder an den Wänden von Cafés hängen Arbeiten vor allem von nationalen Comic-Künstlerinnen, aber auch von solchen aus der ganzen Welt. Die Satelliten können die Festivalbesucher auf verschiedenen thematischen Touren, zum Beispiel dem Familienplausch oder einer Tour zum Thema Reisen, entdecken.

Die Bilderbücher von Malin Widén sind in der Ausstellung des Bolo Klub im «En Bas» ausgestellt. (Bild: Christian Kaufmann)

Superkräfte gibt es überall

Dass ein übergeordnetes Thema dem Festival einen roten Faden gibt, ist dieses Jahr neu. Das Thema Superkräfte kommt an manchen Orten, zum Beispiel beim Wettbewerb, stark zur Geltung. In anderen Ausstellungen muss die Verbindung zum Thema teils stärker gesucht werden.

Die Auseinandersetzung mit Superkräften ist beim Festivalbesuch jedoch unumgänglich. Nicht nur Superheldinnen und Superhelden aus amerikanischen Comics haben Superkräfte. Superkräfte stecken in allen von uns. Als Comiczeichner, Schöpferinnen kreativer Welten durch die Begegnung mit Comic oder als Helden des Alltags. So lautet die Botschaft des diesjährigen Festivals.

Rahmenprogramm und digitales Festival

Das Fumetto Comic Festival dauert noch bis am 10. April 2022. Ein Programm umrahmt das Festival mit einer Comic-Börse im Bourbaki, Kreativ-Ateliers für Kinder, verschiedenen Workshops, Signierstunden und Künstlergesprächen.

Ausserdem hat man im Organisationskomitee etwas mitgenommen aus den vergangenen zwei Jahren, in denen Homeoffice und Fernunterricht unser Leben geprägt haben. So können Interessierte das Comic-Festival auch digital besuchen. Im Fumetto Comic-Chat-Café kann man sich als individuell kreierter Comic-Avatar mit anderen austauschen, Ausstellungen virtuell besuchen und Spiele spielen.

Verwendete Quellen
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