Megger Wagenbaugruppe Dooq

«Chögelibahn» aus Kinderspielzeug entzückt die Fasnacht

Jonas Blaser, Präsident der Megger Wagenbauergruppe Dooq, ist am Schmutzigen Donnerstag so richtig glücklich darüber, dass ihr Kunstwerk heil in der Bahnhofstrasse angekommen ist. (Bild: jdi)

Die Megger Fasnachtsgruppe Dooq bastelt aus dem Kinderspielzeug «Kapla» einen ganzen Wagen: zentralplus spricht mit Jonas Blaser, Gründungsmitglied und Präsident des Megger Vereins, an der Luzerner Bahnhofstrasse, wo sich «Tout Meggen» trifft.

So einige Nachtschichten habe er hinter sich, erzählt Jonas Blaser von den anstrengenden, letzten Wochen vor der Fasnacht. Noch am Morgen des Schmutzigen Donnerstags hätten sie am Wagen herumgeschraubt. «Stünden wir nicht hier in der Bahnhofstrasse, wären wir wohl immer noch dran», lacht Blaser. Fertig sei ihr Wagen nämlich nie.

Der Präsident der Megger Wagenbauergruppe Dooq nimmt einen Schluck aus seiner Bierdose. Er wirkt entspannt und glücklich. Mit gutem Grund: Schliesslich hat der riesige Wagen mit der überdimensionalen «Chögelibahn» aus «Kapla» eine lange Fahrt hinter sich. Den Weg von Meggen über den Umzug am Nachmittag des Schmutzigen Donnerstags bis in die Bahnhofstrasse musste das Kunstwerk ohne Panne überstehen.

Transport bereitet die grössten Sorgen

«Einmal ist ein Pneu geplatzt», erinnert sich Jonas Blaser. «Und einmal fiel der Kühler aus. Mitten auf der Hauptstrasse Richtung Meggen.» Mit rauchendem Motor hätten sie es gerade noch so zurückgeschafft. Anstelle der wohlverdienten Schlafpause begann die Suche nach einem neuen Kühler. Denn am Tag darauf sollte der Wagen von Dooq am Umzug in Meggen an den Start gehen. «Alle haben mitgeholfen. Das war ein unglaublicher Teameffort – und ein super Gefühl, als dann das Ding wieder fahrbar war», sagt der 35-Jährige.

«Das Kollektiv steht über allem.»

Jonas Blaser, Präsident des Vereins Dooq

Jonas Blaser ist Präsident des Vereins Dooq. Doch das sei eher ein formelles Ding. «Bei uns haben alle und niemand das sagen. Wir funktionieren sehr basisdemokratisch», sagt der professionelle Filmemacher. Darum mache er das alles nach allen diesen Jahren immer noch so gerne. Alle seien eng miteinander befreundet. Streit gebe es nie. Auch nicht bei der Sujetwahl.

Die diesjährige Idee sei von Manu gekommen – einem von 15 Mitgliedern des Vereins. Vorschläge können alle einbringen. «Und bereits da beginnt es mit der Kreativität», sagt Blaser. Von der Powerpoint-Präsentation bis zum interaktiven Workshop sei alles möglich. Und am Schluss werde demokratisch entschieden, was auf dem Fahrgerüst von Dooq von Meggen nach Luzern und zurück gefahren wird. Auch hier gilt: «Das Kollektiv steht über allem.»

Ärztinnen, Ingenieure und Lehrerinnen

Und so hätten die 15 auch dieses Jahr wieder gemeinsam dieses Riesending gebaut. Schraube, Pinsel, Nähnadel – das Vereinslogo fasst zusammen, womit sich die Mitglieder jeweils ab September befassen. «Alle machen grundsätzlich alles. Es gibt aber auch ein paar, die sich spezialisiert haben. Handwerker haben wir aber nur einen einzigen im Team», so Blaser. «Learning by doing» sei die Devise. Verständlich, denn die Mitglieder arbeiten als Ärztinnen, Ingenieure und Lehrerinnen.

«Wenn die Fasnacht vorbei ist, hast du dann auch wirklich genug von ihr.»

Jonas Blaser, Präsident des Vereins Dooq

Es sei schon speziell, den Wagen nach einem halben Jahr harter Bastelarbeit nach der Fasnacht innert weniger Stunden auseinanderzusägen und zu entsorgen, sagt Blaser. Das geschehe aber nicht direkt nach der Fasnacht. «Dann hat niemand mehr Bock, auch nur einen weiteren Finger zu rühren», fügt er an. «Wenn die Fasnacht vorbei ist, hast du dann auch wirklich genug von ihr.»

Sujet mit einem Hauch Nostalgie

Doch noch ist davon keine Rede. Die überdimensionale «Chögelibahn» aus massstabsgetreuen «Kapla»-Hölzchen begeistert die Fasnächtlerinnen – nicht zuletzt auch die Kleinsten. Mit grossen Augen schauen sie den Kugeln auf ihrem Weg von ganz oben bis ganz unten nach. Ein Hauch Nostalgie schwebe beim diesjährigen Sujet mit, sagt Blaser. Denn sie alle seien mit den Hölzchen aufgewachsen, die sich so wunderbar stapeln und zu allen möglichen Figuren und Bauwerken auftürmen lassen. Statik für Anfänger quasi.

Inzwischen haben einige Vereinsmitglieder ihre eigenen Kinder dabei. Davon waren die Gründer im Jahr 2004 noch weit entfernt. Mit einem Einkaufswagen voller Bier hätten sie an der Fasnacht gefeiert. Dabei sei der Name Dooq entstanden. Zweimal das Logo eines Schweizer Detailhändlers gespiegelt übereinandergelegt – et voilà. Ebenfalls fanden die Gründungsmitglieder an der Idee gefallen, das Konzept «meteme Wage ad Fasnacht» auszubauen. Schnell waren der Verein gegründet und elf Freundinnen begeistert vom Unterfangen.

Schichtplan «Freestyle»

Seither diene die jährliche GV jeweils als Kick-off für die kommende Fasnacht. Nebst der Jahresrechnung sei unter anderem auch das Sujet traktandiert. Baupläne entstünden. Dann die Zeitpläne – auch wenn diese nie dazu führten, dass Dooq ihren Wagen ohne Stress und Nachtschichten fertigstellen könne.

«Halb Meggen hat hier einen Wagen.»

Jonas Blaser, Präsident des Vereins Dooq

«Einen Plan für die Fasnacht gibt es hingegen nicht», lacht Blaser. Einzig die Fahrerinnen des Wagens wüssten, wann sie ausgeschlafen und nüchtern ihre Fahrt zu absolvieren hätten. Es seien alles Externe – denn die Vereinsmitglieder seien während der Fasnacht vor allem der Freundschaft, der Musik und dem Genuss verpflichtet.

Bahnhofstrasse in Megger Hand

Die Bahnhofstrasse ist seit Jahren die Homebase von Dooq. Von den Plänen rund um die neuen Wagenplätze in der Pfistergasse hätten sie zwar Kenntnis gehabt, bestätigt Jonas Blaser (zentralplus berichtete). Doch der Mensch sei ein Gewohnheitstier. Und auch sonst spreche viel für den Stammplatz an der Bahnhofstrasse. «Halb Meggen hat hier einen Wagen», sagt er und zeigt auf die Wagen rund um die «Chögelibahn» herum. «Burgstörchler, Ölsöhn, Zwätschgeräuber und Schnipp Schnaps, die kennen wir alle gut.» So gut, dass sie beschlossen hätten, ihre Musikanlagen zusammenzuhängen. Wer vom Bahnhof her in die Strasse einbiegt, läuft rund 50 Meter lang am selben Song vorbei.

Mit Schnipp Schnaps befänden sich so etwas wie ihre Fasnachtsvorbilder gleich nebenan. Von ihnen hätten sie sich als junge Fasnächtler inspirieren lassen. «Wir sind jetzt schon ein Weilchen dabei, aber die, die machen das schon ewig», schwärmt Blaser.

Am schönsten ist es, wenn es losgeht

Nostalgisch wird Jonas Blaser nicht nur, wenn er an die Gründungszeit zurückdenkt. Auch auf den Donnerstagmorgen schaut er mit einem Lächeln zurück. «Ich sage immer: Das sind die schönsten drei Stunden im Jahr», sagt Blaser schmunzelnd. Der Moment, wenn sie alle zusammen den Wagen zum allerersten Mal fixfertig aus der Lagerhalle manövrierten und mit einer Mischung aus Stolz und Vorfreude, verbunden durch die jahrelange Freundschaft, nach Luzern liefen – dieser Moment sei unglaublich schön.

Blasers zweitliebster Moment steht erst noch bevor. «Wenn am Dienstagmorgen die Sonne aufgeht und die letzten noch verbliebenen Fasnächtler auf die ersten Arbeiter treffen – das finde ich immer sehr lustig», grinst er. Bis dahin stehen Jonas Blaser und seinen Freundinnen und Freunden von Dooq ein paar intensive Tage und Nächte bevor. Und dann der grosse Fasnachtsblues. Mögen die neu gewonnenen Erinnerungen die Schwermut übertönen.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Jonas Blaser, Präsident des Megger Wagenbauvereins Dooq
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