Kultur
Letzte unabhängige Sender fallen

CH Media übernimmt Radio Central, Sunshine und Eviva

Alfons Spirig, in der Branche auch «Rigi-Schawinski» genannt, verkauft sein Lebenswerk an CH-Media. (Bild: PLU)

Knall in der Zentralschweizer Radioszene. CH Media übernimmt rückwirkend auf den 1. Januar 2022 die Radios Central, Sunshine und Eviva. Dadurch baut CH Media ihr Radio-Portfolio weiter aus – und hat eine weitgehende Monopolstellung in der Zentralschweiz.

Diese Meldung haut viele Kenner der Radiolandschaft aus den Socken. CH Media schluckt rückwirkend auf den Januar die einzigen grossen Privatradios mit Konzession in der Zentralschweiz. Damit sind Radio Central, Sunshine und Eviva nicht mehr unabhängig, sondern gehören dem Konzern, der auch das Radio Pilatus betreibt.

Der Kämpfer für die Unabhängigkeit hat nachgegeben

Dies ist überraschend, da der bisherige Inhaber und Verwaltungsratspräsident der drei Sender – Alfons Spirig – schon immer gegen die grossen Konzerne gekämpft hat. Er hat sich gegenüber zentralplus schon nach der Zusammenlegung von Tele 1 und Radio Pilatus kritisch geäussert. «Das stärkste Radiohaus der Zentralschweiz – bald auch das einzige?», fragte er rhetorisch. Aus heutiger Sicht ist der Satz leider prophetisch.

In unserem Artikel aus dem Jahr 2018 sagte der leidenschaftliche Radiomacher: «Die Medienlandschaft der Schweiz ist im Umbruch und von Spardruck geprägt. Dies sicherlich auch zu Lasten des Journalismus.» Nicht jedes journalistische Produkt müsste sterben, stünde nicht die Rendite an oberster Stelle. «Das Traurige ist, dass sie damit auch noch Erfolg haben», sagte Spririg und meinte damit die grossen Medienkonzerne (zentralplus berichtete)

Jetzt gehen die Radiomacher aus Rotkreuz mit dem ehemalig härtesten Konkurrenten die Ehe ein. Alfons Spirig, der in der Branche liebevoll als «Rigi-Schawinski» betitelt wird, sagt: «Der Gedanke war für mich anfänglich schwer. Am Schluss war ich allerdings überzeugt, dass dies die richtigen Partner sind.»

Das habe für Verkauf an CH-Media gesprochen

Wer Alfons Spirig kennt, weiss, dass er immer für seine Sender gekämpft hat. Auch mit über 70 Jahren war er im Medienhaus beinahe täglich präsent. Hat unzählige Schwingfeste kommentiert und auch etliche bürokratische Kämpfe für Senderechte und Unterstützung der Sender ausgetragen. Jahrelang kämpfte Spirig erfolglos dafür, dass Radio Central mit Gebührengelder unterstützt wird.

Die Ernüchterung war gross, als das Stimmvolk diesen Februar die Medienunterstützung ablehnte. Einen Lichtblick gab es, als der Bundesrat vor wenigen Tagen entschied, dass es künftig in der Zentralschweiz ein gebührenfinanziertes Bergradio geben soll. Radio Central kann sich auf diese Konzession bewerben und hat sehr gute Chancen, diese zu bekommen. Trotzdem kommt jetzt der Entscheid von Alfons Spirig, sein Lebenswerk zu verkaufen. Hat der ehemalige Radiopirat aufgegeben und die Segel gestrichen? «Jein – mit der Lösung, welche jetzt vorliegt, habe ich einen Weg gefunden, damit das Radio trotzdem unabhängig bleibt», sagt Spirig.

Durch den Schulterschluss mit dem ehemaligen «Feind» von Central, Sunshine und Radio Eviva haben laut Spirig die Sender eine Chance für eine erfolgreiche Zukunft. «Die Teams und der Standort Rotkreuz bleiben bestehen, die Arbeitsplätze sind gesichert.» Einen Abbau der journalistischen Leistung befürchtet der frühere Besitzer nicht. «Es gibt einen Leistungsauftrag. Dieser garantiert, dass es auch in Zukunft eine unabhängige Berichterstattung gibt.»

Das passiert mit dem «Rigi-Schawinski»

Was passiert nun mit dem ehemaligen Chef von Radio Central, Sunshine und Eviva? Alfons Spirig bleibt als Berater im Hintergrund. Auch auf dem Sender wird er noch zu hören sein. «Ich werde nach wie vor von den Schwingfesten berichten.» So soll seine Figur «Der Schwingfluencer» weiterhin bestehen, ja besser wieder reaktiviert werden.

So sieht es aus, wenn Spirig in die digitalen Zwilchhosen steigt.

Die Gefahr, dass CH-Media aus Kostengründen die Berichterstattung vom Schwingplatz auf Radio Central und Eviva streicht, bestehe nicht. «Dafür lege ich meine Hand ins Feuer!», sagt Spirig.

Sein Sohn Roman Spirig übernimmt die Leitung aller drei Radios. «Roman Spirig berichtet in seiner Funktion als Programmleiter an Nicola Bomio, Leiter Radio bei CH Media Entertainment», schreibt CH-Media. Roger Elsener, Geschäftsführer Entertainment und Mitglied der Unternehmensleitung CH Media, zeigt sich erfreut: «Die drei Radiosender bereichern unser Portfolio und ermöglichen uns, unsere Stellung im Schweizer Radiomarkt und insbesondere in der Zentralschweiz noch weiter zu stärken.»

Mit der Nachricht gibt es im Raum Zentralschweiz nur noch einen unabhängigen Sender mit Radio 3Fach. Wie schwer es die Zentralschweizer Medien haben, dazu haben wir am Mittwoch in einem Inside zentralplus-Blog Einblick gegeben.

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