Kultur
New-Orleans-Night in Sursee

Bis der Gitarrist auf den Tischen stand

Philipp Gerber an der Gitarre war definitiv die Rampensau von Dögz.  (Bild: mwe)

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Zum 23. Mal fand diesen Samstag im beschaulichen Städtchen von Sursee die New-Orleans-Night statt. Dieses Jahr gab es das erste Mal drei Bühnen – und der Traditionsanlass entwickelt sich weiter. Er beschränkt sich nicht mehr nur auf Jazz und Dixieland – eine richtige Rampensau hatte ihren Auftritt.

Man mag sich fragen, was es mit der Dixieland-Obsession der Schweizer auf sich hat. Denn Sursee ist bei weitem nicht die einzige Stadt, die eine New-Orleans-Eventreihe hat. Wenn man aber ein bisschen recherchiert, scheint die New-Orleans-Night von Sursee, der älteste dieser Abende zu sein.

Vielleicht liegt es am Schunkelfaktor des Dixielandjazz, vielleicht ist es für viele ein Anlass, um Bekannte zu treffen, oder aber es besteht tatsächlich eine grosse Vorliebe für New-Orleans-Style-Musik. Was immer es ist, auch nach 23 Jahren war der Andrang gross, die Sitzplätze überall belegt und die Freude riesig.

Gemächliche Blues-Musiker

Wer nicht so Lust drauf hatte, an der prallen Sonne zu sitzen und sich Dixieland anzuhören, hatte dieses Jahr die Möglichkeit, den Blues auf sich wirken zu lassen. Das Musik-Center Sursee hatte in der Mitte der Surseer Altstadt eine Bühne aufgestellt und liess bekannte Bluesgrössen aufspielen.

Den Auftakt machte Richard Koechli, seines Zeichens Autor, Komponist und Gitarrist. Angepriesen, als der spannendste Vertreter der blauen Töne aus den Schweizer Bergen, spielten er und seine Band Blues in Perfektion. Langgezogene Giarren-, Mundharmonika- und Orgel-Soli legten die instrumentellen Talente der Band in den Vordergrund.

Blues in Perfektion: Gitarrist Ricard Koechli.  (Bild: mwe)

Blues in Perfektion: Gitarrist Ricard Koechli.  (Bild: mwe)

Bei so einem Blues-Gitarren-Auftritt darf natürlich auch das obligate Eric-Clapton-Cover nicht fehlen. Koechli performte den Klassiker «After Midnight» mit wunderbarer Routine, man merkte den vier Musikern ihre Erfahrung eindeutig an. Was sie an musikalischer Erfahrung hatten, fehlte ihnen dann doch an Bühnenerfahrung. Gemächlich und ohne Stress wurden Instrumente und Verstärker von der Bühne getragen, obwohl sie alle schon völlig in Verzug gewesen waren.

Stimmung trotz Sprachbarriere

Lilly Martin, die als nächste die Bühne betrat, liess sich davon jedoch nicht beirren. Die New Yorker Soul-Sängerin erschüttert wahrscheinlich so leicht nichts mehr. Sie stand schon mit grossen Musikern auf der Bühne und hat bereits ihr drittes Album rausgebracht. Lilly Martin beschränkte sich dann  endgültig nicht mehr nur auf die Musik aus New Orleans. Von Detroit über New York und zurück in die Schweiz nahm sie das Surseer Publikum auf eine musikalische Reise.

Trotz Sprachbarriere: Lilly Martin aus New York begeisterte.  (Bild: mwe)

Trotz Sprachbarriere: Lilly Martin aus New York begeisterte.  (Bild: mwe)

Einige Versuche, sich mit dem Publikum zu unterhalten, gingen zwar aufgrund der Sprachbarriere daneben, aber auch das konnte die Amerikanerin nicht aus dem Konzept bringen. Denn auch wenn sie nicht ganz alles verstanden hatten, die Qualität der Musik wusste das Publikum zu schätzen. Für eine Zugabe kam sie nochmals auf die Bühne, und nochmal spielten sich Lilly Martin und ihre Band die Seele aus dem Leib und hinterliessen ein jubelndes Sursee.

Gitarren-Soli bis zum Abwinken

Als Abschluss gaben sich die Band Dögz die Ehre. Blues-Rock in dreckiger und verschwitzter Form. Mit Fredy Steady von Krokus am Schlagzeug hatten sie auch eine Musiklegende dabei. Philipp Gerber an der Gitarre war aber definitiv die Rampensau des Vierergespanns. Mit Ausflügen ins Publikum und auf Tischen stehend wurde man, ob man wollte oder nicht, in den musikalischen Strudel der Dögz gezogen.

Auch wenn die Cover-Songs besser ankamen, fanden auch die Eigenkompositionen grossen Anklang beim mittlerweile stehenden Publikum. Bei einem weiterem Ausflug ins Publikum des Gitarristen wurde nach einem weitern Gitarristen gesucht. Der wurde einigermassen schnell gefunden und durfte sich beim Solieren versuchen.

Die Viererband Dögz. (Bild: mwe)

Die Viererband Dögz. (Bild: mwe)

Ob das nun so gewollt war oder ob’s eher ein spannender Zufall war, sei mal dahingestellt: Aber der Publikumsgitarrist klang fast genau gleich wie der Bandgitarrist. Es wurde dann untereinander abgewechselt und die Ähnlichkeiten wurden noch offensichtlicher. Eine gefühlte Ewigkeit ging das so hin und her, bis sich dann Philipp Gerber wieder auf die Bühne begab. Das Publikum war begeistert, zufrieden und konnte sich musikalisch gesättigt auf den Nachhauseweg begeben.

So sehr die New-Orleans-Night an ihren Traditionen zu hängen scheint, die Organisatoren sind auch offen für Neues. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Auch ein Traditionsfest muss sich weiterentwickeln, was der New-Orleans-Night dieses Jahr bestens gelungen ist.

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