Kultur
Fulminantes Jazzkonzert im KKL

Ansteckende Spielfreude und eine gesellige Dee Dee Bridgewater

Das KKL-Publikum ist begeistert von Dee Dee Bridgewater und ihrer Band.  (Bild: ape)

Das KKL lud am Sonntagabend zur Jazzveranstaltung mit Dee Dee Bridgewater und ihrer fünfköpfigen Band. Die amerikanische Sängerin versetzte das Publikum mit ihrer Stimme vom weissen KKL-Saal direkt in einen gemütlichen Jazzclub irgendwo in New Orleans.

Zuerst begeistert die junge und modern auftretende Band mit einem fulminanten zehnminütigen Intro an Trompete, Saxofon, Schlagzeug, Piano und Kontrabass. Doch wer jetzt in Anlehnung an Patrick Süskinds «Der Kontrabass» denkt, dass vor allem die Blasinstrumente und das Piano glänzen, liegt falsch. Denn auch das Schlagzeug und insbesondere der Kontrabass gehören zu den Hauptakteuren der Show. Und eine Show wird dem Zuschauer wirklich geboten.

Lautmalerische Töne

«Are you ready?», fragt Dee Dee Bridgewater, als sie nach dem Intro die Bühne betritt und legt sofort los. Die ersten Stücke fallen vor allem durch das lautmalerische Scat singing von Bridgewater auf, bei dem bedeutungslose Silbenfolgen aneinandergereiht werden. Der Fokus liegt in den ersten Stücken deshalb vor allem auf der Melodie selbst und weniger auf dem Sinngehalt des Textes.

Stimmen aus dem Publikum kritisieren nach dem Auftritt dieses allzu prominente Scat singing, da die Stücke so an Singularität verloren hätten. Wiederum andere schätzen aber genau diese Art des Gesangs, da Bridgewater so auf sehr einzigartige Weise die Instrumente zu imitieren vermag.

Dee Dee Bridgewater (ganz links) und ihre fünfköpfige Band.  (Bild: ape)

Dee Dee Bridgewater (ganz links) und ihre fünfköpfige Band.  (Bild: ape)

Immer wieder erhält ein Bandmitglied mitten im Stück ein Solo, das begeistert vom Publikum aufgenommen und mit anhaltendem Applaus begleitet wird. Die Trompete spielt gefühlvolle und zugleich freche Klänge, der Kontrabass bringt die Köpfe des KKL-Publikums zum Wippen und wer hätte gedacht, dass ein Schlagzeugsolo allein mit Jazzbesen gespielt so viel Groove erzeugt.

Dass das Publikum immer wieder applaudiert, ist deshalb nicht verwunderlich – und doch so herrlich erfrischend, da einmal während den Stücken geklatscht werden kann.

Tanzende Stimme

Dee Dee Bridgewaters klare, voluminöse Stimme kommt vor allem in der zweiten Hälfte zur Geltung, als die Amerikanerin dann vermehr tauch Songs mit Texten singt. Mit emotionalen Songs wie «God Bless the Child» oder «Fine and Mellow» erzeugt die 66-jährige ein richtiges Gänsehautfeeling. «Afro Blue» bringt anschliessend das Tempo wieder zurück in den Saal. Vor lauter Spielfreude will deshalb der Trompeter Theo Croker fast den Solopart des Saxofonisten Anthony Ware übernehmen.

Das absolute Highlight – jedenfalls am Publikumsapplaus gemessen – ist aber «Save your Love for me». Der starke Beat des Schlagzeuges, das geniale Zusammenspiel von Saxofon und Trompete und Bridgewaters mal leise und mal wieder lauter werdende Stimme überzeugen. Sogar der Schlagzeuger Kassa Overall ist von der Stimmung im KKL begeistert und filmt sich selbst mit dem Publikum im Hintergrund.

Kusshand für die erste Reihe

Während des ganzen Auftritts herrscht eine lockere Atmosphäre und das Publikum ist erfreut, dieser wunderbaren Jamsession beiwohnen zu dürfen. Das liegt auch daran, dass sich Dee Dee Bridgewater sehr gesellig gibt und auch ein bisschen «flirty», indem sie bei Stücken wie «One Fine Thing» auch mal eine Kusshand in die erste Reihe wirft.

Mit «Blessings for Everyone» will Bridgewater das Publikum entlassen, aber die Zuschauer erklatschen sich eine Zugabe, die nochmals das ganze Können der Musiker beweist. Dieser Abend hat gezeigt, dass Jazz eindeutig viele Liebhaber zu haben scheint und für jedermann, ob Alt oder Jung, etwas zu bieten hat.

Besetzung: Dee Dee Bridgewater (voc), Theo Croker (tp), Anthony Ware sax (fl), Michael King (p), Eric Wheeler (b), Kassa Overall (dr)

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