«Klärli und der belgische Pilot» im Burgbachkeller Zug

Altmodische Liebe einer Chamerin in tollem neuem Stück

Das Stück «Klärli und der belgische Pilot» im Burgbachkeller Zug und ab jetzt auf Tour. (Bild: Cornelia Montani)

Diesen Sonntag war das Stück «Klärli und der belgische Pilot» im Programm des vollbesetzten Zuger Burgbachkellers. Das Stück beschreibt das Leben der Chamerin Klärli Jung-Locher und hinterliess ein bewegtes und begeistertes Publikum.

«Klärli und der belgische Pilot» ist musikalisches Erzähltheater (Musik, Songs, Schauspiel und Erzählung), das auf dem Buch von Clairelise Montani «Sei lieb mit Klärli» basiert. Aufgrund von Originalbriefen, Tagebuchauszügen und Notizen beschreibt das umfangreiche Werk das Leben der Innerschweizerin Klärli Jung-Locher aus Cham, der Mutter der Autorin.

Wahre Geschichte

Die Story, die das Publikum im Burgbachkeller Zug eine Stunde und zwanzig Minuten am Stuhl kleben liess, ist eine wahre Geschichte, die aber von einer halbverrückten, unglaublichen, altmodischen und doch gleichzeitig sehr modernen Liebe erzählt.

Alles fängt an in den Zwischenkriegsjahren. Geht weiter zur Generalmobilmachung, zum Zweiten Weltkrieg, zum Kalten Krieg und bis in die 70er-Jahre. Das Stück illustriert weitgehend die gesellschaftlichen Zwänge und die damals starre Geschlechterrolleneinteilung, welche besonders für die Frauen das Leben so schwierig machten.

Ein phänomenales Trio

Dass «Klärli und der belgische Pilot» viel mehr als nur eine Lovestory ist, zeigte ein phänomenales Trio am Sonntag auf der Bühne. Die drei erzählenden, spielenden und musizierenden Schauspieler machten die facettenreiche Lebensgeschichte für das Publikum mühelos lebendig und auch für unsere so trockene Zeit natürlich und plausibel.

Cornelia Montani (Akkordeon und schillernde Voice) ist Klärli: mal fragil, traurig und melancholisch, mal temperamentvoll, mutig, willensstark und auch sichtlich leidenschaftlich. Sie ist die Enkelin von der wahren Klärli, man kann es sehen und fühlen, aber sie ist ebenfalls eine ausdrucksvolle, feinfühlige, grandiose Künstlerin – und wie grandios!

Joe Fenner (Klarinette) als Erzähler, aber auch in den Rollen der Mutter, des belgischen Piloten, des Ehemanns Dr. Emil Jung und des Pfarrers, spielt ebenfalls grossartig. Und auch Daniel Schneider, nicht im Vordergrund als Schauspieler, sondern als fantastischer Saxofonist, der die Atmosphäre und die Zeit- und Ortsveränderungen erzeugt. Mit dem Mund produziert er auch Hintergrundgeräusche (Zug, Enten, Schwäne).

Auch die Regie von Paul Steinmann zeichnet aus sich als sehr durchdacht, akkurat und präzis, genau so wie das minimale, aber eloquente Bühnenbild von Mona Fischer Schwitter (Kostüme von Nicole Henning), bestehend aus einem beweglichen Schrank. Die Lieder wurden von Martin Schumacher komponiert.

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