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Kündigungen in Krienser Wohnblöcken schocken die Mieter
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Die Siedlung an der Brunnmattstrasse in Kriens soll saniert werden. (Bild: zvg)

Verdacht auf Luxussanierung Kündigungen in Krienser Wohnblöcken schocken die Mieter

4 min Lesezeit 3 Kommentare 04.02.2020, 19:41 Uhr

Hiobsbotschaft für die teils jahrzehntelangen Mieter an der Brunnmattstrasse in Kriens: Die Eigentümerin will die Häuser sanieren, Ende Juni müssen alle raus. Der Mieterverband ist eingeschaltet – und rät den Betroffenen, die Kündigung anzufechten. Auch ein Politiker hat bereits reagiert.

Die Mieter der Liegenschaft an der Krienser Brunnmattstrasse 18–20 haben die Kündigung erhalten. Zahlreiche Gebäudeteile seien «stark renovationsbedürftig», begründet die zuständige Immobilienfirma in einem Begleitschreiben, das zentralplus vorliegt.

«Für viele ist die Nachricht ein Schock», sagt Dave Büttler, dessen 74-jährige Mutter in einem der Häuser wohnt. Da seine Tochter in dieser Wohnung ein eigenes Zimmer hat, sei er quasi Untermieter. Insgesamt seien 96 Mieter betroffen, sagt er.

In Treppenhausgesprächen ist laut Büttler gegenwärtig grosse Ratlosigkeit und Verzweiflung zu spüren. Bei zwei Einheiten sei es sogar erst vor wenigen Monaten zu Wechseln gekommen.

Doch damit nicht genug: Auch der Verdacht einer Luxussanierung steht im Raum. In solchen Fällen nutzen Vermieter die Gelegenheit einer Renovation, um die Mietzinse massiv zu erhöhen. Die Liegenschaften an der Brunnmattstrasse erscheinen laut Büttler grundsätzlich in einem guten Zustand. «In der Vergangenheit ist auch wiederholt renoviert worden.» Für viele Mieter sei die Kündigung denn auch aus heiterem Himmel gekommen.

Mieterverband ist alarmiert

Auch der Mieterverband Luzern steht mit betroffenen Mietern in Kontakt, wie Geschäftsführer Cyrill Studer Korevaar auf Anfrage sagt. Man werde so viele Fakten wie möglich zusammentragen, die Situation in den nächsten Tagen analysieren und das weitere Vorgehen festlegen.

«Die entscheidende Frage lautet: Ist eine umfassende Kündigung aller Mietverhältnisse nötig, um die Sanierung durchzuführen?», sagt Studer. Es könne gute Gründe dafür geben, beispielsweise statische Risiken. Andere Beispiele – etwa beim Sentihof in Luzern – zeigten aber, dass eine etappenweise Renovation von Wohnblöcken möglich sei. Das hat den Vorteil, dass die Bewohner ihre Wohnung möglicherweise gar nicht oder nur für einige Zeit verlassen müssten. «Oft sind Mieter bereit, diesen Aufwand auf sich zu nehmen, wenn sie nachher in ihre Wohnung zurückkönnen.» Viele seien in solchen Fällen sogar einverstanden, wenn der Mietzins anschliessend auf fairen Grundlagen steige.

«Wenn eine Siedlung dieser Grösse leer gekündigt wird, steht erfahrungsgemäss in vielen Fällen die Motivation dahinter, die Wohnungen anschliessend mit massiv höheren Mietzinsen neu zu vermieten.»

Cyrill Studer Korevaar, Mieterverband

Die Kündigungen haben auch die Politik auf den Plan gerufen. FDP-Einwohnerrat Enrico Ercolani hat diese Woche eine dringliche Interpellation zum Thema eingereicht. «Es geht mir nicht darum, dass die Eigentümerin die nötigen Umbauten vornimmt», sagt er. Vielmehr möchte er wie der Mieterverband einen Weg finden, um den interessierten Mietern einen Verbleib in ihrem Zuhause – wenn auch mit Einbussen in der Wohnqualität – zu ermöglichen.

Schlichtungsbehörde soll intervenieren

Ob es sich im Falle der Brunnmattstrasse in Kriens tatsächlich um eine Luxussanierung handelt, könne aufgrund der derzeit vorliegenden Unterlagen noch nicht beantwortet werden, sagt Cyrill Studer Koreevar vom Mieterverband. Er hält jedoch fest: «Wenn eine Siedlung dieser Grösse leer gekündigt wird, steht erfahrungsgemäss in vielen Fällen die Motivation dahinter, die Wohnungen anschliessend mit massiv höheren Mietzinsen neu zu vermieten.» Zumal gerade Pensionskassen im Immobilienmarkt tendenziell stark auf Rendite ausgerichtet seien.

Der Mieterverband rät allen Betroffenen, die Kündigung anzufechten.

Der Mieterverband empfiehlt grundsätzlich allen Mietern der Brunnmattstrasse in Kriens, die Kündigung innert 30 Tagen vor der Schlichtungsbehörde anzufechten. Denn dann müsse der Vermieter alle Informationen auf den Tisch legen. Mit welchem Resultat, muss sich dann zeigen. Studer versichert aber: «Wenn jahrzehntelange Mieter ohne Notwendigkeit auf die Strasse gestellt würden, schaut die Schlichtungsbehörde nicht einfach zu.»

Immobilienfirma lädt zum Austausch im Kleinfeld-Stadion

Die Gebäude gehören der Previs Vorsorge, einer Sammelstiftung mit rund 1’200 angeschlossenen Firmen. Sie wird in Kriens von der Immobilienverwaltung Privera vertreten. Diese hat die Mieter für nächsten Dienstag zu einem Informationsanlass ins Kleinfeld-Stadion geladen. Dort soll über den Ablauf der Sanierung, die Unterstützung für die Mieter und allfällige Fristerstreckungen informiert werden.

Eine Mediensprecherin der Firma bestätigte am Dienstag gegenüber zentralplus, dass man Kenntnis von der Situation habe, Fragen aber frühestens am Mittwoch beantworten könne. Im Schreiben an die Mieter erwähnt Previta eine Untersuchung von Experten, die den Sanierungsbedarf ausweise. Im Brief bittet die Firma deshalb um Verständnis für die notwendige Sanierung. Man sei intensiv darum bemüht, alle auf der Suche nach einer neuen Wohnung zu unterstützen.

«Die Verwaltung ist professionell und gut organisiert – das müssen wir auch sein.»

Dave Büttler, Betroffener

Dave Büttler hat derweil eigens eine Webseite für die Betroffenen aufgeschaltet. Er will im Hinblick auf die Informationsveranstaltung eine Art Mieterkomitee auf die Beine stellen. Es sei wichtig, dass man gemeinsam vorgehen und sich austauschen könne. Im Haus wohnten auch viele Seniorinnen und Senioren, die froh seien um Unterstützung, begründet er. «Die Verwaltung ist professionell und gut organisiert – das müssen wir auch sein.»

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3 Kommentare
  1. verena voser, 05.02.2020, 16:15 Uhr

    ich empfehle dazu den artikel in der online-zeitung „republik“ von gestern: „die sache mit dem wohnen, dem boden, dem mieten“. er zeigt- nebst anderem- auf, warum immobilien-besitzer in der schweiz zu für mieter solch drastischen massnahmen greifen.
    um ein zeichen zu setzen, ist ein ja zur initiative am kommenden wochenende zu empfehlen. bewirken wird es leider nichts.

  2. Raphael Spörri, 05.02.2020, 11:32 Uhr

    Ein weiterer Grund am 09.Februar ja zu stimmen und den Mietern eine Alternative zu bieten.
    Die FDP behauptet dass der Markt es regeln wird, dies sind die Auswirkungen.
    Sitzen genau da die Inmobilienhaie?
    Es ist scheinheilig und verlogen, wenn die FDP dann noch einen Vorstoss im Krienser Parlament macht um die Mieter “einzusalben“. Das ist Wahlkampf pur und heuchlerisch.

  3. Kasimir Pfyffer, 05.02.2020, 09:37 Uhr

    Gemäss Foto sind die Liegenschaften gepflegt und auf einem guten Stand. Was also könnte „stark renovationsbedürftig“ sein? Die Heizung? Die ersetzt man ohne Massenkündigung. Die Sanitär- und Elektro-Steigzonen? Kann man strangweise sanieren, dafür müssen die Mieter vielleicht 3-4 Wochen raus. Das Dach? Die Fenster? Wohl kaum. Die Geschichte stinkt …

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