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Kündigungen in Kriens: Mieter dürfen doch länger bleiben
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Die Mieter der Brunnmattstrasse 18/18A können ihren Vertrag bis Juli 2021 verlängern. (Bild: jal)

Wie die Eigentümerin ihr Vorgehen rechtfertigt Kündigungen in Kriens: Mieter dürfen doch länger bleiben

5 min Lesezeit 7 Kommentare 11.02.2020, 20:00 Uhr

Die Mieter von knapp 100 Wohnungen in Kriens haben die Kündigung erhalten. Am Dienstag erklärte die Eigentümerin der Liegenschaften an der Brunnmattstrasse, welches «faire Angebot» man den Betroffenen unterbreitet. Das interessierte sogar Politiker.

Der Himmel grau, die Strassen nass: So trüb das Wetter, so trüb war bei manchen im Kleinfeld am Dienstagabend auch die Stimmung. In Scharen strömten sie ins Stadion. Nicht um den SC Kriens zu sehen, sondern um über ihre Zukunft informiert zu werden: Die Previs Vorsorge, Eigentümerin der Liegenschaften an der nahegelegenen Brunnmattstrasse 18/20, informierte über die geplante Sanierung.

Mit der Einladung einhergegangen war eine Massenkündigung: Die Mieter der 94 Wohnungen sind Ende Januar schriftlich informiert worden, dass sie Ende Juni ausziehen müssen. Das hat für viel Verunsicherung und Verärgerung gesorgt (zentralplus berichtete).

Previs will die Wogen glätten

Und sogar das Interesse von Politikern geweckt. Mehrere Krienser Amtsträger besuchten die Informationsveranstaltung am Dienstagabend. Unter ihnen auch Stadtrat und Bauvorsteher Matthias Senn (FDP), den das Vorgehen der Previs auf den Plan gerufen hat. «Speziell in diesem Fall ist zum einen, dass die Gebäude von aussen wie neu aussehen», sagte er vor Beginn des Anlasses. «Zum anderen ist mir kein anderer Fall bekannt, in dem die Mieter derart kurzfristig die Kündigung erhielten.» Normalerweise hätten Mieter ein bis zwei Jahre Zeit, um eine neue Lösung zu suchen.

Ob der Stadtrat Massnahmen ergreift – und ob dies überhaupt möglich ist –, liess er am Dienstag offen. Er stellte aber klar, dass die Behörden das Baugesuch bewilligen müssten, wenn die Vorschriften erfüllt seien. «Insofern will ich keine falschen Erwartungen wecken.»

Eigentümerin war überrascht über das grosse Echo

Die Medien waren an der Informationsveranstaltung nicht zugelassen, wurden aber vorgängig in einer relativ kurzfristig anberaumten Pressekonferenz über die wichtigsten Eckpunkte informiert. Dabei zeigten sich die Verantwortlichen überrascht über das mediale Echo. «Ich hoffe, wir können nun die Wogen glätten», sagte Markus Mürner, Leiter Asset Management bei der Previs, die seit 2017 die Liegenschaften besitzt.

Markus Mürner von der Previs Vorsorge informierte im Kleinfeld die Mieter.

Zwar räumte auch Mürner ein, dass die Gebäude gut aussähen, weil die Fassade erst vor rund zehn Jahren saniert wurde. Er verglich es mit einem Auto, das neu lackiert wurde, dessen Innenleben aber veraltet sei. So müssten die über 40-jährigen Wasserleitungen erneuert werden, weshalb im gleichen Zug die Bäder und Küchen neu gemacht werden. Auch die Statik des Gebäudes müsse zwingend den heutigen Bedingungen für Erdbebensicherheit angepasst werden, so Mürner. Weiter wird das Dach isoliert und mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, zudem werden die Wohnungen teilweise rollstuhlgängig.

Angesichts dieser langen Liste betonte Markus Mürner: «Die Sanierung kann nicht im bewohnten Zustand umgesetzt werden.» Bereits letzte Woche wehrte sich ein Vertreter der Stiftung gegenüber zentralplus gegen den Vorwurf einer Luxussanierung.

«Wir bieten auch nach der Sanierung günstige Wohnungen an.»

Markus Mürner, Previs

Die Preise werden nach dem Umbau zwar steigen. Sie seien aber für Kriens nach wie vor günstig, so Mürner. Eine 3,5-Zimmer-Wohnung wird inklusive Nebenkosten zwischen 1645 und 1805 Franken kosten, je nach Stockwerk, Grösse und Ausstattung. Eine 1,5-Zimmer-Wohnung ist für 760 bis 800 Franken zu haben, die teuersten 4,5-Zimmer-Wohnungen belaufen sich auf gut 2100 Franken.

«Wir bieten auch nach der Sanierung günstige Wohnungen an und bewegen uns im unteren Drittel der Preise in Kriens», sagte Markus Mürner. Man wisse um die vielen Bauprojekte in Kriens und den damit verbundenen, drohenden Leerstand.

Mieter können bleiben, wenn sie wollen

Insgesamt investiert Previs 17 Millionen Franken in die Sanierung. Diesen Mittwoch soll das Baugesuch bei der Stadt Kriens eingereicht werden. Der Baustart ist bereits Ende Jahr geplant und erfolgt in zwei Etappen (siehe Box).

Die Previs hielt am Dienstag auch fest, dass man den Mietern ein «faires Angebot» mache. So müssen trotz der Kündigung nicht alle tatsächlich bereits per Ende Juni ausziehen. Es besteht die Option einer einmaligen Fristverlängerung. Wer in einer der 47 Wohnungen in der Liegenschaft 20/20A wohnt, kann bis maximal Ende Oktober 2020 bleiben. Die Mieter der Liegenschaft 18/18A können ihren Vertrag bis Ende Juli 2021 verlängern.

So sieht der Fahrplan aus
  • Februar 2020: Baugesuch wird eingereicht
  • November 2020 bis Juni 2021: In der ersten Bauetappe wird die Liegenschaft an der Brunnmattstrasse 20/20A saniert.
  • Juli 2021: Die ersten sanierten Wohnungen im 20/20A sind bezugsbereit
  • August 2021 bis Juni 2022: In der zweiten Bauetappe wird die Liegenschaft an der Brunnmattstrasse 18/18A saniert.
  • Juli 2022: Die Wohnungen im Haus 18/18A sind bezugsbereit.

Zudem gilt: Obwohl ein Umzug unumgänglich ist, können Interessierte nach der Sanierung zurückkehren. Da nicht alle davon Gebrauch machen werden, besteht die Möglichkeit, dass einige Mieter während der Bauphase temporär in das jeweils andere Gebäude umziehen – und nachher zurück. Das sei zwar eine «logistische Grossübung», sagte Markus Mürner. Die Erfahrung aus anderen Umbauprojekten zeige aber, dass es meistens genügend Übergangswohnungen gebe.

Die Unterstützung der Betroffenen umfasst auch Kleinigkeiten. Man werde Umzugskisten zur Verfügung stellen, auf Wunsch ein gutes Wort bei potenziellen neuen Vermietern einlegen oder jenen, die mit dem Internet nicht so vertraut sind, Online-Inserate von freien Wohnungen ausdrucken, so Mürner. Und: Wer eine neue Bleibe findet, kann innert eines Monates kündigen.

Ungeschickte Kommunikation

Doch wieso wurden die Mieter erst nach der Kündigung über diese Details informiert? Und wieso ist überhaupt eine Massenkündigung nötig? Markus Mürner macht dafür mietrechtliche Gründe geltend. Die Previs wollte verhindern, dass Mieter im Wissen um die bevorstehende Kündigung eine Sperrfrist erwirken und den Baustart dadurch verzögern könnten. «Deshalb entschieden wir uns – salopp gesagt – dafür, zuerst zu schiessen und dann zu reden.»

Der Aufruhr im Vorfeld und der Aufmarsch am Dienstag lässt indes die Frage offen, ob diese Kommunikationsstrategie ideal war.

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7 Kommentare
  1. Jörg, 20.03.2020, 07:32 Uhr

    Da geht einiges Schief ,hier Littau,, Emmi Genossenschaft wurden die Mieter des einen Hauses Rausgestellt, erhielten Ersatz, so konnte der Block, a ca 36 Wohnungen Kernsaniert werden, behinderten Gerecht ,dazu ein Grosszügiger Aussen Lift, eine 3 Z, 80,qm,ab 1,500 Fr, 4 z, ab, 1,600- 90 qm, ,,2, Z, 62 qm nur 1,260 ab der 1 Ersten Etage,, grosszügiger Innenausbau, 2 fronten Küche V, ZUG, Balkon 10 qm, , danach der 2 Block, so konnten die Einen Mieter von einem zum anderen Block, ziehen, man kann wen man will, was in Kriens abläuft ist das letzte,

  2. Philipp, 12.02.2020, 11:16 Uhr

    Bei uns wurden Küchen, Bäder, Fenster, Böden, Heizkörper, Wasserleitungen, Balkone , Lift ersetzt und gar Wände umgesetzt. Trotzdem konnten alle Mieter in den Häusern bleiben. Und dass obwohl sogar Aspest gefunden wurde. Der Aufschlag danach war 30%. Es ist somit nicht eine Frage des Könnens seitens Previs, sondern eine Frage des Willens. In Bern, wo Previs herkommt, würden die sich sowas bestimmt nicht trauen.

  3. CScherrer, 12.02.2020, 09:35 Uhr

    Vielleicht sollte man alles in die richtigen Relationen setzen. Natürlich ist eine solche Kündigung nicht angenehm und für die Mieter belastend. Dennoch sollte sich das Pensionskassen-Bashing mal in Grenzen halten. Es werden CHF 17 Mio. für die komplett Sanierung dieser beiden Häuser ausgegeben. Dabei werden 100 Wohnungen saniert. Kurz mal runter gerechnet, ergäbe dies CHF 170’000.– pro Wohnung. Das kann man so natürlich nicht rechnen, da Treppenhaus, allenfalls Lift etc. ebenfalls saniert werden. Von einer Luxussanierung kann also nicht gesprochen werden. Die Mietzinse bewegen sich im ortsüblichen Rahmen. Nach 40 Jahren ist eine Sanierung sicherlich angezeigt. Dieser Umstand war den Mietern sicherlich bekannt und kommt wohl kaum überraschend.

  4. Meier ,K, 12.02.2020, 08:53 Uhr

    Kann ja sein, dass Kriens dahinter steckt und mehr Steuerzahler will. Die Neubauten im Mattenhof sind teils leer, auch der Schweighof. Traurig. Hier in meinem Hochhaus sind 56 Wohnungen muss niemand raus, die Bäder, Küchen, Böden werden erneuert, wenn einer auszieht, das Elektrische wurde neu gezogen bis in die Wohnung, komplette neue Fenster 3 Fach gedämmt, und seit bald 3 Jahren eine Bohrerei und mal kein Wasser, aber wir können bleiben. Jetzt kommt noch der Aufzug, meine Wohnung wird gemacht werden, wenn ich unter dem Boden bin. So zahle ich für eine 3 Zimmer-Wohnung mit 80 qm auf der 7. Etage inkl. NK 950, danach 4 Fr mehr nach der Renovierung.

  5. Martin Schleiss, 12.02.2020, 08:31 Uhr

    Man werde Umzugskisten zur Verfügung stellen, auf Wunsch ein gutes Wort bei potenziellen neuen Vermietern einlegen oder Online-Inserate von freien Wohnungen ausdrucken, so Mürner. Wow. So eine Umzugskiste wird den gekündigten Mietern aber wirklich helfen. Und da spricht der gute Mann davon, dass er nun besser kommuniziren wolle. Vielleicht eine anständige Frist von 1-2 Jahren setzen, wenn es ihm ernst damit wäre…

  6. J Müller, 12.02.2020, 07:09 Uhr

    Herr M Mürner, kann man nicht etappenweise sanieren, so dass die nächsten in den fertigen Block ziehen könnten? So müssten ja nur die Mieter des ersten Blockes raus, bei Emmi ging es ja auch. So wie Sie es schildern, sind sie buchstäblich beim Kauf reingelegt worden, na dann…

  7. Franz Bardon, 12.02.2020, 06:28 Uhr

    Himmeltraurig, wie hier eine Kasse mit Verantwortung über Schicksale hinwegschaut. Bleibt zu hoffen, dass die anwesenden Politiker die Dringlichkeit erkannten und handeln werden, zu gunsten der veräppelten Mieter.
    Hier gehts ganz klar um Profitgier – auf Kosten von gesellschaftlich Schwächeren. Gerade weil in Kriens der Sozialbezüger-Anteil schon jetzt derart hoch ist, sollte hier dringend eine Lösung angestrebt werden, bei der nicht unzählige Sozialfälle daraus resultieren.
    Es ist eine schändliche Geschichte, für ein so reiches Land wie die Schweiz.

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