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Krimskrams, Trouvaillen und Ramsch: Was man am «Flohmi» alles findet
  • Regionales Leben
Der Zuger «Flohmi» lädt zum Stöbern ein. Unten das (angeblich) hässliche weisse Ziertischchen. (Bild: Laura Livers)

Stöbern am Flohmarkt in der Zuger Altstadt Krimskrams, Trouvaillen und Ramsch: Was man am «Flohmi» alles findet

4 min Lesezeit 04.06.2017, 12:07 Uhr

Der Juni ist da und mit ihm der Flohmarkt in Zug. Vom Landsgemeindeplatz bis zum Casino bauten am Samstag Händler wieder ihre Stände auf. zentralplus hat etwas gestöbert. Fazit: Interessanter als die meisten Verkaufsobjekte waren die Unterhaltungen.

Es gibt viele Gründe, an einem heissen Samstagmorgen in die Altstadt Zug zu pilgern: das schöne Seeufer mit den Gelaterias, der Gemüsemärt, die Badis. Diesen Samstag gab es aber noch eine weitere Attraktion: den Flohmarkt Zug.

Gut 50 Stände zogen ihre Spuren durch die Gassen und mit ihnen die Passanten. «Die ersten am Morgen waren die professionellen Schnäppchenjäger», erzählte eine Standbetreiberin. «Die untersuchten jede Naht auf ihre Verarbeitung, die Materialqualität des Schmuckes.» Sie und eine Freundin hatten in weiser Voraussicht einen Stand reserviert, um ihre ausgemisteten Sachen zu verkaufen. «Wir hatten noch gar nicht fertig aufgebaut, da wollten die schon mit uns um die Preise feilschen», lacht sie. «Da waren wir schon ein wenig überrumpelt.»

Der etwas teurere Flohmi

Ja, die lieben Schnäppchenjäger, die einen Flohmarkt gleich zu Beginn nach seinen Raritäten plündern, gibt es immer. Was übrig bleibt, ist ein Ort voller Krimskrams und kleinen Trouvaillen, die man mit viel Geduld in den Untiefen der überfüllten Stände findet.

Vor allem in der oberen Altstadt war das einfach, denn dort tummelten sich mehrheitlich private Verkäufer. Suchte man zum Beispiel Kleider, musterte man einfach die Verkäuferin, um die Grösse abzuschätzen. Oder man fragte kurz nach und bekam meist ein «Alles Grösse 36–38» oder «Frauen Grösse M, Männer Grösse L» zurück.

«Isch halt Designer!»

Verkäufer am Flohmarkt Zug

Je nach Antwort wühlte man sich durch die Kisten oder warf noch einen letzten, sehnsüchtigen Blick auf die Jeansjacke, welche dann eben doch ein paar Nummern zu klein oder zu gross war, bevor man weiterging.

Designer-Kleider haben ihren Preis

Kinderspielzeug lag überall verkaufsstrategisch perfekt platziert am Boden, der Schmuck schön präsentiert, die Handtaschen aufgereiht. Fragte man nach dem Preis, fiel man des Öfteren aus allen Wolken. 40 Franken für eine Bluse? «Isch halt Designer!», lautete oft der Kommentar der Verkäufer.

Willkommen in Zug. Inwiefern teure Designer-Kleider die passenden Verkaufsobjekte für einen «Flohmi» sind respektive wieso sie am «Flohmi» immer noch teuer gehandelt werden sollten, darüber lässt sich streiten.

Pikachu oder leuchtendes Rollbrett?

Pikachu oder leuchtendes Rollbrett?

(Bild: Laura Livers)

Umso schöner die Überraschung, als man ein paar Stände weiter tatsächlich auf echte Schnäppchen-Preise traf. Auf den Schildern stand etwa «Alles 3 Franken». «We’re moving and everything needs to be gone», erklärte der Verkäufer. Gelohnt hat es sich für ihn – sein Stand war am Mittag bereits halb leer und die Autorin um eine gäggeligelbe Jacke reicher. 

Die Krimskrams-Händler

Weiter unten am Gärbiplatz tummelten sich die professionellen Flohmarkt-Händler, also jene, die mit ihrem Sortiment von Markt zu Markt ziehen. Einer verkauft vor allem Schallplatten, der nächste alte Bücher, der übernächste Porzellan-Figuren. Dazwischen Retro-Schilder, alte Postkarten und dubiose Elektrogeräte. Also alles, was man nicht braucht, aber gerne durchstöbert.

«Nei sicher ned, das isch mega hässlich!»

Besucherin Flohmarkt Zug

Wirkliche Trouvaillen waren zwar nicht aufzufinden, dafür aber Unmengen Vertreter des schlechten Geschmacks: Eine 20 Zentimeter grosse Darth-Vader-Figur? Oder doch lieber ein starrendes Skelett, das an «Achmed the Dead Terrorist» erinnert? Oder wie wär’s mit einem kaputten Grammofon für die Stube? Oder einem 90×160 cm grossen Schwarz-Weiss-Aktbild fürs Schlafzimmer? Einem im Dunkeln leuchtenden Rollbrett oder einem elektrischen Messer?

Stil und Geschmäcker

Interessanter als die meisten Verkaufsobjekte waren sowieso die Unterhaltungen potentieller Käufer. «Ou lug mal das da!», rief ein junger Mann begeistert seiner Freundin zu und zeigte auf ein weisses Metall-Ziertischchen. Diese verzog das Gesicht und meinte: «Nei sicher ned, das isch mega hässlich!»

Der Verkäufer, solche Aussagen schon längst gewohnt, begann dem potentiellen Käufer Honig ums Maul zu schmieren, damit die Freundin nicht mehr zu Wort kam und er das Tischchen doch noch verkaufen konnte. Es lässt halt sich nirgends so gut über Stil und Geschmäcker streiten wie an einem Flohmarkt.

Das Darum-Herum

Ein Flohmarkt ist nicht nur Flohmarkt, sondern auch Begegnungsort. Schon von Weitem roch man den Grill-Stand. Organisiert von den Veranstaltern selbst, gab es dort den Super-Size-Flohmi-Special-Burger und diverse Grillwürste. Gleich daneben die Bar mit einer Drinks-Auswahl und Festbänken.

Ein paar findige in der Altstadt wohnende Kinder hatten kurzerhand ihr Fenster zu einem Hot-Dog-Stand erkoren und Richtung Casino gab es einen Kuchenstand.

Der Besucherstrom riss auch am Nachmittag nicht ab, sogar ein paar Clowns mischten sich unters Volk. Das Einzige, was an diesem Tag in der Altstadt noch fehlte, waren die Strassenmusiker, die sich im letzten Sommer in den Gassen positioniert hatten und so noch mehr zum Verweilen einluden. Doch alles in allem ist der Flohmarkt Zug ein guter Ort, um ein Stündchen zu verweilen.

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