Krimiautorin Monika Mansour «mordet» wieder in Luzern
  • Kultur
Monika Mansour hat seit 2014 neun Romane geschrieben. Viele davon spielen im Kanton Luzern. (Bild: zvg)

«Sobald es nicht mehr stimmt, muss ich was ändern» Krimiautorin Monika Mansour «mordet» wieder in Luzern

5 min Lesezeit 25.06.2021, 16:01 Uhr

Eine Entführung, finstere russische Spione und die vernebelten Hänge des Glaubenbergs: In ihrem neusten Roman lässt es die Luzerner Autorin Monika Mansour ordentlich krachen. Inspiration hat sie jedenfalls genug, denn die Autorin blickt auf eine Jugend zurück, die selbst buchreif ist.

Monika Mansour lebt mit ihrer Familie im beschaulichen Egolzwil im Kanton Luzern und arbeitet als Unternehmerin. An durchschnittlich zwei Tagen pro Woche taucht sie aber in eine andere Welt ab, eine Welt der Intrigen und des Mordes. Seit 2014 schreibt Mansour Schweizer Regionalkrimis für den deutschen Emons-Verlag, die sie abwechselnd in den Kantonen Luzern und Zug ansiedelt.

Nun hat sie ihr elftes Buch geschrieben. In ihrem neusten Werk muss der Luzerner Polizist Cem Cengiz seine entführte Ehefrau, die Staatsanwältin Eva Roos, aus den Fängen eines russischen Multimillionärs befreien, der für ein gefährliches Verbrechersyndikat arbeitet. «Wenn der Glaubenberg schweigt» ist der sechste Fall für Mansours Luzern-Ermittler Cem Cengiz. Für Mansour ein Heimspiel: «Auf Cem freu ich mich immer wieder», sagt die Autorin auf Anfrage. «Es ist wie ein Nachhausekommen zu der Familie.» In ihrem neuen Roman erzählt sie nicht nur eine Geschichte, die «mehr Action» hat und «ganz wenig Richtung James Bond» geht, sondern führt auch eine frühere Erzählung zu Ende.

«Ich hatte in Cengiz› zweitem Fall «Himmel, Hölle, Mensch» noch einen Handlungsfaden offen gelassen. Diesen führe ich nun zu Ende.» Grundsätzlich sei es für sie nicht schwierig, Geschichten für ihren Stamm-Protagonisten zu finden. Eine Herausforderung bleibt es dennoch: «Jedes Buch soll schliesslich besser werden als der Vorgänger», so die Autorin.

Schreibzeit dank Pandemie

Den neuen Roman hat sie fast in Rekordzeit verfasst. Nicht zuletzt auch wegen der Coronakrise. «Ich blieb während sechs Wochen daheim», erinnert sich die 48-Jährige zurück ans vergangene Jahr. «Bis dahin hatte ich 50 Seiten geschrieben. Innert sechs Wochen habe ich dann den restlichen Roman verfasst.» Es sei toll gewesen, sich so intensiv mit der Geschichte und den Figuren auseinandersetzen zu können. «Diesen Luxus hatte ich bisher nicht.»

«Wenn ich etwas tue, muss ich es gerne tun. Sobald es für mich nicht mehr stimmt, muss ich was ändern.»

Monika Mansour, Schriftstellerin

Entstanden ist ein Roman, der an verschiedenen Luzerner Schauplätzen spielt, darunter in der Stadt selbst, beim Renggloch, der Wolfsschlucht und auf dem titelgebenden Glaubenberg. Dass sie ihre Geschichten oft im Luzernischen ansiedelt, ist auch ein Wunsch des Verlags. «Der Emons-Verlag ist auf Regional-Krimis spezialisiert», so die Autorin. Als Mansour ihr erstes Buch «Liebe, Sünde, Tod» angeboten hat, standen nur wenige Schweizer Autoren bei Emons unter Vertrag. Mansour bekam die Gelegenheit, den Kanton Luzern und später den Kanton Zug als Schauplätze zu übernehmen.

Inspiration aus bewegten Jugendtagen

Obwohl Mansour gerne über Mord und psychische Abgründe schreibt, hatte sie selbst eine «Bilderbuch»-Kindheit. Zumindest nach eigenen Aussagen. Fragilere Gemüter dürften ob ihrer eigenen Biografie anders denken. Mansour wuchs im Kanton Zürich in der Nähe einer psychiatrischen Klinik, eines Auffanglagers und einer Entzugsklinik auf. «Da kam es schon mal vor, dass sich einer an einem Baum erhängte, die Polizei mit Hubschrauber und Blaulicht um Mitternacht unseren Hof umstellte oder im Wald Schüsse fielen.» Dennoch betont sie, dass ihr trotz dieser Erlebnisse nie etwas Schlimmes widerfahren sei. Aber für Inspiration dürften solche Momente gesorgt haben.

«Es wäre schön, irgendwann vom Schreiben leben zu können.»

Geschrieben hat Mansour schon in Jugendjahren, begleitend zu diversen Berufen. So war sie in der Gastro-Branche tätig, bereiste verschiedenste Länder und arbeitete zeitweise auch als Piercerin und Tätowiererin. «Wenn ich etwas tue, muss ich es gerne tun. Sobald es für mich nicht mehr stimmt, muss ich was ändern. Darum habe ich früher viel ausprobiert.» Beim Schreiben, sagt sie, sei sie nun aber angekommen. «Hier kann ich mich mit verschiedensten Themen und Figuren beschäftigen.»

Dem Wunschtraum von Jahr zu Jahr näher

Schreiben tut Mansour in der Regel an zwei Wochentagen. «Meistens am Donnerstag und Sonntag. Manchmal schreibe ich auch mehr, manchmal weniger.» In der Regel zäumt sie das Pferd von hinten auf. «Ich muss ein Ende haben, damit ich die Geschichte gut planen und falsche Fährten legen kann.» Komplett durchstrukturieren tut sie ihre Bücher aber im Vorfeld nicht. «Man muss die Figuren auch mal machen lassen.»

«Ich würde gerne einmal Science Fiction ins Krimi-Genre reinpacken.»

Leben kann sie von der Schriftstellerei allein noch nicht. «Es wäre schön, irgendwann vom Schreiben leben zu können», so Mansour. «Das ist zwar aktuell noch nicht der Fall, aber es wird jedes Jahr besser.» Aber selbst als Vollzeitautorin bräuchte sie ein Ventil: «Ich brauche einen Ausgleich. Wenn ich nur noch schreiben würde, käme ich wohl kaum noch aus dem Haus, und das will ich nicht.»

Krimi meets Sci-Fi?

Obwohl Mansour vor allem als Krimi-Autorin bekannt ist – sieht man von zwei Sachbüchern und einem Schreibratgeber einmal ab – liebäugelt sie auch mit anderen Genres. «Ich fände einen Genre-Mix spannend. Es gäbe da einige Ideen, die mich reizen würden.» Nur sei es halt immer schwierig, einen Verlag von der Idee überzeugen zu können. «Schliesslich müssen Verlage wissen, in welches Regal das Buch im Handel gestellt werden kann.»

Zwar konnte die Vielleserin in ihrem Roman «Totentanz» einen historischen Abstecher in die Zeit der Luzerner Hexenverfolgung einbauen, aber einen richtig wilden Genre-Mix konnte sie noch nicht realisieren. «Ich würde gerne einmal Science Fiction ins Krimi-Genre reinpacken», so die Autorin. «Da muss ich ein bisschen dran rumstudieren», ergänzt sie lachend und meint: «Vielleicht wäre das etwas für den nächsten Cem-Fall.»

«Wenn der Glaubenberg schweigt» von Monika Mansour erscheint am 29. Juni im Schweizer Buchhandel. Herausgeber ist der Emons Verlag.

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