Kriens zittert um seine zwei grossen Bauprojekte
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Sind die Krienser baumüde? Vor allem linke Parteien kritisieren das rasante Wachstum der Stadt. (Bild: zvg)

Nach Ja zum Einzonungsmoratorium Kriens zittert um seine zwei grossen Bauprojekte

3 min Lesezeit 1 Kommentar 29.09.2020, 08:41 Uhr

Die Krienser haben letzten Sonntag gegen weiteres Wachstum gestimmt. Offenbar hat sich in der Bevölkerung eine gewisse Baumüdigkeit breit gemacht. Ist das ein schlechtes Vorzeichen für die Abstimmungen über die geplanten Grossprojekte Pilatus-Arena und Weinhalde?

53 Prozent der Krienser Bevölkerung haben sich letzten Sonntag für ein 15-jähriges Baumoratorium ausgesprochen. Während diesem Zeitraum werden keine weiteren Flächen zu Bauland umgezont, ein weiteres Wachstum wird vorerst gestoppt.

Zeugt dieser Entscheid, der gegen den Wunsch des Stadtrats gefallen ist, von einer gewissen Baumüdigkeit der Krienser? Und was bedeutet das Resultat für die beiden Grossbauprojekte Pilatus-Arena und Weinhalde, die im November vors Stimmvolk kommen?

Weinhalde-Projekt

Werner Baumgartner, der das Weinhalde-Projekt mit seiner Firma seit sechs Jahren plant, äusserte sich gegenüber der «Luzerner Zeitung»: «Wir haben sicher grossen Respekt. Wir werden den Stimmberechtigten gut erklären müssen, warum unser Projekt eine gute Sache ist.» Sollte sich das Stimmvolk im November gegen die Einzonung entscheiden, würde das Gelände Brachland bleiben und weder einen Nutzen für beispielsweise einen Park oder für die Landwirtschaft haben.

Auf dem Weinhalde-Areal am Sonnenberg sind 45 Eigentumswohnungen geplant. Ein Komitee, bestehend aus den Grünen, Anwohnern und der IG attraktives Wohnen hat gegen die Einzonung das Referendum ergriffen (zentralplus berichtete).

Modell der vorgesehenen Überbauung Weinhalde am Sonnenberg.

Pilatus-Arena

Etwas gelassener sieht es Toni Bucher, Verwaltungsratpräsident der Pilatus Arena AG. Für ihn sind die Abstimmungsresultate und sein Grossprojekt nicht vergleichbar. Gegenüber der Zeitung sagte er: «Unser Areal ist bereits eingezont, seit acht Jahren wird geplant und es war immer eine dichte Bebauung vorgesehen.» Zudem würde die Arena das Überleben des Indoor-Sports sichern und einem überregionalen Bedürfnis entsprechen. «Daher wird sie von Bund, Kanton, LuzernPlus sowie vom Stadtrat und Parlament von Kriens unterstützt», wird Bucher weiter zitiert.

Die Pilatus-Arena, die einst auf dem Mattenhof-Areal entstehen soll, besteht aus einer Multifunktionshalle für 4000 Zuschauer und zwei Wohntürmen. Auch hier hat ein Komitee das Referendum gegen das Projekt ergriffen (zentralplus berichtete).

Visionierung der Krienser Pilatus Arena: Baustart ist anfangs 2021 geplant.

Überzeugungsarbeit nötig

Für die politischen Parteien ist klar, dass die Abstimmung über die Grossprojekte im November kein Selbstläufer wird. Eine generelle Ablehnung dagegen gibt es bisher noch von keiner der Parteien – auch nicht von den Grünen.

Die bürgerlichen Parteien verweisen auf den Mehrwert der beiden Anlagen, und zwar in steuerlicher, sportlicher und wohnraumtechnischer Hinsicht. Eine Zitterpartie könnte es trotzdem werden. FDP-Fraktionschef Beat Tanner gegenüber der Zeitung: «Das alles werden wir der Bevölkerung genau erklären müssen und es wird nicht einfach – wie immer, wenn Projektgegner mit der Angst argumentieren können.» Trotzdem sind vor allem die SP und die CVP sicher, dass die Bevölkerung zwischen dem Moratorium und den konkreten, bestehenden Bauprojekten unterscheiden könne.

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1 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 29.09.2020, 09:02 Uhr

    Die Rahmenerzählung in Kriens ist gesetzt: Erst transformiert man sich von einer Gemeinde zur Stadt, dann flankierend dazu die gigantomane Bauvorhaben die weder Mieter noch Zuschauer finden und zum Schluss muss man ernüchtert und augenreibend feststellen, dass die Staatskasse leer ist und Kriens eine Reputation auf Stufe Emmenbrücke-Gerliswilstrasse geniesst. Am Ende ist natürlich keiner schuld und die Entwicklungen – die schliesslich keinen Naturgesetzen unterworfen sind – seien so nicht absehbar gewesen, tönt es von den Verantwortlichen. Die KrienserInnen haben jetzt noch die Möglichkeit die Klimax dieser verstörenden Entwicklung zu stoppen und sich gegen den Neubau der Pilatusarena auszusprechen. Denn davon profitiert letztlich niemand ausser der Generalunternehmung Halter-Eberli AG.

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