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Kriens-Trainer Bruno Berner in der Pole Position
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Verlegt der aktuelle Kriens-Trainer Bruno Berner seinen Arbeitsplatz in der Winterpause nach Luzern? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Wer wird Nachfolger von Thomas Häberli beim FCL? Kriens-Trainer Bruno Berner in der Pole Position

5 min Lesezeit 1 Kommentar 04.12.2019, 11:20 Uhr

Die Tage von Thomas Häberli als Cheftrainer der abstiegsbedrohten Luzerner sind gezählt. Mit Beginn der Winterpause wird Sportchef Remo Meyer nicht darum herumkommen, ihn zu ersetzen. Er hat ein Auge auf Kriens-Trainer Bruno Berner geworfen.

Eine letzte Chance hat er noch. Aber die muss FCL-Sportchef Remo Meyer verwerten. Einen weiteren Fehlgriff in der Trainerwahl nach René Weiler und Thomas Häberli kann er sich nicht leisten. Denn einen solchen würden die Luzerner wahrscheinlich mit dem Abstieg aus der Super League und Meyer sicher mit seiner Entlassung bezahlen.

In Zeiten sportlicher Not erinnert man sich gerne an einheimisches und kostengünstiges Schaffen. Wie vor zwei Jahren: Damals wurde U21-Übungsleiter Gerardo Seoane zum Nachfolger des gefeuerten FCL-Trainer Markus Babbel befördert. Es war der Start zu einer bislang fulminanten Karriere: Seoane führte den zuvor abstiegsbedrohten FCL im Frühjahr 2018 bis auf Rang 3. In der darauffolgenden Saison ist ihm mit seinem neuen Arbeitgeber YB die erfolgreiche Titelverteidigung gelungen.

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Berner leistet bemerkenswerte Arbeit

In diesen Tagen und Wochen ist aber eine interne Beförderung beim abermals abstiegsbedrohten FCL ausgeschlossen. Aus einem einfachen Grund: Kein Fachmann aus den eigenen Reihen verfügt über die von der Liga vorgeschriebene Uefa-Pro-Lizenz.

Und jetzt? Der FC Luzern wird keine Zeit haben, einem Fussball-Lehrer die Verantwortung eines Feuerwehrmannes zu übertragen, der die Region, den FC Luzern, dessen Realitäten und erst recht nicht Liga und Konkurrenz kennt. Auch wenn über Meyer erzählt wird, dass er gerne einen ausländischen Trainer engagieren würde: Das wäre wohl ein Himmelfahrtskommando à la GC, das mit dem Abstieg in der letzten Saison teuer bezahlt worden ist.

Dem skizzierten Profil kommt einer nahe, der rund zwei Kilometer von der Luzerner Allmend entfernt bemerkenswerte Arbeit leistet: Der 42-jährige Zürcher Bruno Berner hat den SC Kriens in der Saison 2017/2018 in die Challenge League geführt, ein Jahr darauf den Ligaerhalt realisiert – und nun gehört der Luzerner Vorortsklub zum gesicherten Mittelfeld in der zweithöchsten Spielklasse. Remo Meyer hat sich davon als gelegentlicher Zaungast im Kleinfeld selber ein Bild machen können.

Für Berner ein Karrieresprung

Berner steht ein halbes Jahr vor seinem Abschluss des alle zwei Jahre stattfindenden Lehrgangs zur Erlangung der Uefa-Pro-Lizenz. Alleine die Teilnahme daran berechtigt dazu, einen Klub auf höchster Spielklasse zu übernehmen.

Und wer daran teilnimmt, signalisiert selbstredend auch Leidenschaft und Interesse, den Weg als Profitrainer einzuschlagen. In der aktuell zehn Vereine umfassenden Super League gibt es für einen aufstrebenden Trainer-Neuling nicht so viele Gelegenheiten, sein Können in der höchsten Spielklasse unter Beweis zu stellen.

Deshalb bietet der FC Luzern aus Berners Sicht wohl eine Hauptrolle im Scheinwerferlicht eines professionellen Fussballtheaters, die sich so schnell nicht wieder ergeben wird. Deshalb werden sich die Krienser Verantwortlichen von der lange gehegten Vorstellung wohl verabschieden müssen, dass ihr Cheftrainer seinen bis zum Saisonende gültigen Vertrag erfüllen wird.

Zwei Lager im FCL

Doch im FC Luzern sind sie nicht alle davon überzeugt, dass Bruno Berner die richtige Trainerwahl ist. Es existieren zwei interne Lager und sie driften bei diesen Fragen auseinander: Hat Berner das Charisma und Format, um die FCL-Profis für seine Spielidee zu begeistern? Kann er den Spielern die richtigen Lösungen für die Herausforderungen auf dem Platz mit auf den Weg geben? Und vertraut Berner eigenen Nachwuchskräften, wenn es eng wird?

Auf der Allmend macht die Kunde die Runde, dass Berner die Arbeit der Krienser Spieler seit Beginn dieser Saison nicht mehr so hoch schätzen soll wie noch in den zwei Jahren zuvor. Wie hoch der Wahrheitsgehalt dieses angeblichen Sachverhalts ist, mag eine Frage der Perspektive sein. Frei nach dem Motto: Befragen Sie einen Ersatzspieler über die Arbeit des Trainers und Sie werden sicher nichts Positives zu hören bekommen.

Für Berner spricht: Als Fussball-Experte beim SRF und früherer Profi mit Engagements in Deutschland und England ist er sich gewohnt, im medialen Rampenlicht zu stehen. Der ehemalige Verteidiger (Meister mit GC 1998 und 2001) kennt die Herausforderung, um die Arbeit der eigenen Mannschaft und sich selber gut zu verkaufen.

Seoane hat vorgemacht, wie es geht

Trotz dem nach wie vor verantwortungslos geführten Hahnenkampf im FCL-Aktionariat zwischen den «Sieberianern» und Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg stellt ein Engagement bei den Luzernern der nächste logische Karriereschritt für Berner dar. Zumal der Verlauf dieser seit Jahren unerbittlich geführten Auseinandersetzung auf höchster Klubebene seit der Zusicherung, dass die Finanzierung für diese und die nächste Saison gesichert ist, keinen unmittelbaren Einfluss mehr aufs Tagesgeschäft hat (zentralplus berichtete).

Seoane hat es vor zwei Jahren vorgemacht, wie man die eigene Trainerkarriere in Luzern schwungvoll lancieren kann. Das Potenzial der aktuellen Mannschaft stuft FCL-Sportchef Remo Meyer höher ein als jenes der Truppe, mit der Seoane 2017/2018 eine fulminante Rückrunde hingelegt hatte (zentralplus berichtete).

Mit Trainer-Neulingen hat Meyer eine positive (Seoane) und eine negative (Häberli) Erfahrung gemacht. Traut er Berner zu, wieder eine erfreuliche Geschichte zu schreiben?

Und wenn nicht: Auf wen setzt er sonst?

Häberli hinterlässt Baustellen

Man kann nicht behaupten, dass es in der Schweiz einen Überfluss an aufstrebenden und innovativen Trainern gäbe. Die Karrieren der aktuell verfügbaren Schweizer Trainer Stéphane Henchoz oder Fabio Celestini haben schon die ein oder andere Delle. Darüber hinaus müssten sie sich mit dem Klub und den Luzerner Realitäten erst noch vertraut machen. Und Deutsch ist nicht ihre Muttersprache.

Es zeichnet sich ab: Das fussballerische Erbe des im Februar 2019 gefeuerten FCL-Trainers René Weiler war einfacher zu verwalten als jenes seines Nachfolgers Thomas Häberli. Dieser hinterlässt im Sturm und im Mittelfeld ohne Not verursachte Baustellen. Darüber hinaus scheint es Bedarf zu geben an zusätzlicher Qualität in der Abwehr, die über die winterliche Transferperiode eingekauft werden kann.

Ob der neue FCL-Trainer nun Berner, Zürcher, Ostschweizer, Westschweizer oder Tessiner ist: Meyer wird ihn nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen und noch enger als bisher begleiten müssen, damit seine letzte Patrone für den FCL zu einem Volltreffer wird.

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1 Kommentare
  1. Adrian, 06.12.2019, 10:22 Uhr

    EinTrainertausch wäre für Kriens ein absoluter Glücksfall!