Kriens erhält ein asiatisches Kultur- und Kampfsportzentrum
  • Regionales Leben
Selina Koller in ihrem Dojo Senbukan in Kriens. (Bild: zar)

Hier wird nicht nur gekickt und Japanisch gepaukt Kriens erhält ein asiatisches Kultur- und Kampfsportzentrum

4 min Lesezeit 05.09.2020, 12:03 Uhr

Die berühmte Karate- und Kendoschule Senbukan ist nach Kriens gezogen. Dort hat sie Grosses vor – und will mehr, als bloss an die goldenen Zeiten der Vergangenheit anknüpfen.

Bald wird hier gekickt, geschlagen und mit Schwertern geschwungen. Geschwitzt, gestöhnt und geschrien. Aber auch Japanisch gepaukt, kunstvoll Blumen arrangiert und mit Kalligrafiepinseln geschwungen. Und das alles unter einem Dach, mitten im Krienser Industriegebiet an der Sternmatt 6, Trakt D.

Gestatten: das neue Zuhause des Kampfsport- und Kulturzentrums Senbukan, das am Samstag Eröffnung feiert und die darauffolgende Woche die Türen für Neugierige offenhält.

Hier muss noch ein Regal eingeräumt, dort müssen noch Duschbrausen angeschraubt werden. Im Grossen und Ganzen aber steht das neue Dojo. Zwei grosszügige Trainingsräume, der eine gar mit einer Zuschauergallerie, Duschen und Umkleidekabinen, ein Aufenthalts- und ein Schulungsraum: Das alles gibt es hier auf rund 450 Quadratmetern. Lange habe sie nach einer solchen Immobilie suchen müssen, gibt die 42-jährige Surseerin Selina Koller, Initiantin des neuen Senbukan-Dojos, zu. Fast ein Jahr. «Es hat sich aber gelohnt. Mit dem Resultat bin ich mehr als zufrieden.»

Auf dem Pfad von Vater Bruno

In diesen Räumlichkeiten will sie fortführen, was einst ihr Vater Bruno Koller initiiert, aufgebaut und zur Blüte gebracht hat. Er, der Junge aus dem tiefsten Appenzell, der sich an der Flimmerkiste für den japanischen Kampfsport entzündet und daraufhin wie ein Verrückter zu trainieren begonnen hat. Erst Karate, später auch Kendo. Er, der 1975 für zwei Jahre nach Japan ausgewandert ist, mit der ganzen Familie im Schlepptau. «Ohne Sprachkenntnis», erinnert sich Koller. Dafür aber mit einer ordentlichen Portion Lernbegierde und noch grösserer Hingabe.

Und jener Bruno Koller, der den unglaublichen 9 Dan im Karate erreichte – und bis zu seinem Tod vor zwei Jahren das höchste Dojo Europas führte: das Senbukan.

Diese Ära ist vorbei. So, wie auch die letzte Trainingshalle, ein SBB-Güterschuppen unweit des Hauptbahnhofs, bereits Geschichte ist. «Abgerissen», sagt Selina Koller. An Plänen und Träumen für die Zukunft mangelt es indes nicht. Ebenso wenig an Begeisterung. Koller spricht zwar ruhig, wählt ihre Worte mit Bedacht, als sie durch ihr neues Zentrum führt. Dass es sich hierbei um ein ganz besonders Projekt handelt, hört man trotzdem. Und man kann es an den funkelnden gletscherwasserblauen Augen ablesen.

Einst bis zu 300 Schüler

Karate und Kendo werden zwar weiterhin tonangebend sein. Da können Selina Koller (Captain Swiss Ladies Kendo Team) und ihr Lebenspartner Guido Fessler (Kapitän des Schweizer Karate-Nationalteams) sowie viele andere versierte Instruktoren ihre ganze Erfahrung einbringen. Und da soll die Schule schon bald wieder an die alten glorreichen Zeiten anknüpfen, als Bruno Koller bis zu 300 Schüler unter sich hatte. Angeboten werden neu aber auch weitere Kampfsportarten wie Aikido, Kobudo und Haidong Gumdo – von Untermietern.

Das ist aber noch nicht alles. Weil Selina Koller, die immer wieder zu Trainingszwecken nach Japan reist, weiter an ihren Japankenntnissen feilen wollte, weit und breit aber keinen bezahlbaren Kurs fand, hat sie nun kurzerhand selber einen Kurs organisiert. Für nur gerade 16 Franken die Stunde bringen professionelle Japanischlehrerinnen nun nicht nur ihr, sondern auch anderen Interessierten die Geheimnisse dieser ostasiatischen Sprache näher.

«Man wird zu einem besseren Menschen.»

Und dann gibt’s noch Kurse, wie man Blumen kunstvoll arrangiert, genannt Ikebana. Und einen weiteren zur Kunst der japanischen Kalligrafie. Ach, und ja: Sumo wird auch angeboten. Sie sei erst vor wenigen Tagen auf einen Instruktor aus Lausanne gestossen, meint Koller. In Kriens werde er im kommenden Herbst einen ersten Kurs anbieten. «Ich freue mich riesig auf dieses Experiment.»

Alles auf eine Karte gesetzt

Die Boduschule Senbukan expandiert an allen Ecken und Enden – und das kommt mit einem entsprechenden Preisschild. Über 100’000 Franken hat Koller ins neue Zentrum gesteckt, für ein neues freischwebendes Holzparkett, für Matten, Sanitärinstallationen und und und… vieles mehr. Geld, dass sie, die im 80-Prozent-Pensum als amtliche Tierärztin arbeitet, zum Teil selber eingeschossen hat. Unterstützt hat sie auch ihre Familie. «Der Druck, das Risiko – riesig», gibt Koller zu. «Ich habe alles auf eine Karte gesetzt.»

Klar, will Koller dereinst auch finanziell auf sicheren Beinen stehen. Erfolg misst sie aber nicht primär in Geld. Sie will, dass möglichst viele Leute mit der japanischen Kultur, vor allem aber mit der japanischen Kampfkunst in Berührung kommen. Warum? Weil sie eine Lebensschule sei, weil sie so vieles fördere: Durchhaltewillen, Achtsamkeit, Ausdauer, Selbstdisziplin, Bescheidenheit und Vertrauen.

Koller findet unzählige positive Worte, die allerdings in einem Satz auf den Punkt gebracht werden: «Man wird zu einem besseren Menschen.»

Weitere Infos unter: www.senbukan.ch

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