Bis zu 500'000 Touristen besuchen jährlich das Löwendenkmal. Nur: Wo können sie zur Toilette?
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Bis zu 500'000 Touristen besuchen jährlich das Löwendenkmal. Nur: Wo können sie zur Toilette? (Bild: asc)

Öffentliche Toiletten Kot im Museum: Luzerns WC-Problem artet aus

4 min Lesezeit 2 Kommentare 13.06.2013, 09:37 Uhr

Dass in Luzern ein Problem mit öffentlichen WCs besteht, ist bekannt. Der jüngste Vorfall muss dem Stadtrat aber zu denken geben: Ein Tourist entleerte in der Not seinen Darm in der Ecke eines Museums. Nun lehnen sich mehrere Gastrobetriebe um den Löwenplatz gegen den fragwürdigen WC-Masterplan der Stadtregierung auf.

Daniel Hodel kann es heute noch nicht richtig fassen, was vor zehn Tagen in seinem Museum neben dem Löwendenkmal passiert ist. Der Besitzer des Alpineums streckt uns ein Foto entgegen: Es zeigt eine dunkle Ecke zwischen Schirmständer und Hauptausgang – sie ist voller Kot. «Es war widerlich», erzählt Hodel. «Und so etwas geschieht hier in Luzern. Das Schlimmste an der Sache ist, dass dieses WC-Problem bei der Stadtregierung niemanden ernsthaft interessiert. Der entworfene Masterplan ist im Grundsatz völlig falsch.» 

Der Grosse Stadtrat hat im Jahr 2010 beschlossen, innert fünf Jahren 29 WC-Anlagen auf öffentlichem Grund zu modernisieren und dafür 15 Toiletten zu schliessen. Man darf davon ausgehen, dass der damalige Plan auf seine Sinnhaftigkeit geprüft worden ist. Es ging bei diesem Projekt schliesslich um 2,5 Millionen Franken. 

«Die Stadtregierung interessiert das Problem nicht.»
Daniel Hodel, Museum- und Café-Besitzer 

Aber nun scheint das Ganze ins Stottern zu kommen. Abgesehen davon, dass der Masterplan neulich korrigiert werden musste (mehr Schliessungen), muss sich der Stadtrat viele konkrete Fragen gefallen lassen: Warum wurde die Anzahl der Anlagen so drastisch reduziert? Warum wurde ausgerechnet das WC-Häuschen beim Löwendenkmal geschlossen, wo sich pro Jahr durchschnittlich 500’000 Touristen aufhalten? Wie wirkt sich dieser schlechte Service längerfristig auf das Image der Stadt aus? Und wer sind bei dieser ganzen WC-Problematik die Leidtragenden?

Caravelle-Geschäftsführer: «Es ist peinlich für Luzern»

Es sind hauptsächlich die Gastronomen. Spricht man mit dem Geschäftsführer des Restaurants Caravelle – es liegt auf dem Weg vom Löwenplatz in Richtung Löwendenkmal – bekommt man schnell einen Eindruck über die Gemütslage der Restaurantbetreiber. Qani Limani hebt die Augenbrauen und sagt: «Ich bin jetzt seit 27 Jahren hier. Es wird immer nur geredet, was dieses WC-Problem angeht. Nun müsste endlich mal etwas gemacht werden. Für Luzern ist das peinlich. Und für uns im Restaurant eine schwierige Sache. Was soll ich tun, wenn auf einmal zwanzig Touristen gleichzeitig durch unser Restaurant auf die Toilette marschieren?» Hans Heini, Geschäftsführer der Confiserie Heini, sagt: «Ich finde ein WC beim Löwendenkmal wäre zwingend nötig. Alleine deshalb, weil die Anlagen beim Löwenplatz nicht repräsentativ sind für die Stadt.»

Beim Car-Parkplatz am Löwenplatz stehen den Touristen öffentliche Toiletten zur Verfügung. Das macht Sinn. Nur: Diese Toiletten werden permanent von Randständigen belagert. Die Abfallberge türmen sich und nicht selten steht man vor verriegelten Türen. Meidet ein Tourist diese Toiletten und entfernt sich vom Löwenplatz, findet er in der Nähe keine WC-Anlagen mehr.

Silas Zemp ist Co-Betreiber des Alpineum-Cafés beim Löwendenkmal. Er weiss, wovon seine Berufskollegen sprechen. Zemp meint, die Leute hätten ihre Tricks, die Kellner abzulenken und dann unbemerkt ins WC zu gelangen. «Aber ich verstehe die Touristen ja auch. Wer kennt das nicht, wenn er mal dringend muss. Und dann noch in einer fremden Stadt. Da sind nicht einfache Situationen.»

Irgendwie kann man die Gastronomen verstehen, wenn sie das Gefühl haben, nicht ernst genommen zu werden. zentral+ hat bei seinen Recherchen die Stadt Luzern per Mail und per Telefon um eine Stellungnahme gebeten. Eine Antwort ist bislang ausgeblieben. 

Hodel denkt daran, das Alpineum zu schliessen

An vorderster Front beim Löwenplatz steht das Bourbaki. Es ist dem WC-Dilemma schon seit Jahren ausgesetzt, insbesondere wenn mehrere Touristen-Busse gleichzeitig anreisen. Mittlerweile arbeiten die Betreiber im Kino-Komplex mit WC-Jetons. Diese werden direkt von den Betrieben an ihre Gäste und Kunden ausgehändigt. «Das funktioniert eigentlich ganz gut», sagt Gastro-Bereichsleiterin Daniela Küttel. «Aber wenn die Reiseleiter ihre Touristen ohne Ladenbesuch oder Getränkekonsum ins Bourbaki führen, wird’s problematisch. Im Sommer müssen wir öfters putzen. Aber es ist wie es ist. Mit der Situation haben wir uns arrangiert.»

Daniel Hodel – er ist Urenkel und Enkel der verstorbenen Maler Ernst Senior und Ernst Junior – wirkt nachdenklich, als er sich die Bilder seiner Vorfahren im Alpineum anschaut. Im Erbe steckt viel Leidenschaft. «Nur», sagt er, «wenn sich die WC-Situation nicht bald verändert, muss ich mir überlegen, das Museum zu schliessen.»

Luzern ohne die herrlichen Panoramabilder des Alpineums: Es wäre ein herber Verlust für die Stadt.

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2 Kommentare
  1. Bruno Raffa, 20.09.2013, 17:20 Uhr

    Inzwischen interessieren sich endlich die Gemeinden und Restaurants für das Konzept der «Netten Toilette». Als wir (zwei MS- und Crohn-PatientInnen) das Projekt «WelcomeWC» wegen der Schliessung von über 23 WC’s in der Stadt Luzern vor 3 Jahren lancierten, interessierte sich (noch) niemand dafür.

    Die Gründe dafür sind vielfältig. In Luzern wurde das Konzept im «Masterplan öffentliche WC-Anlagen der Stadt Luzern» zwar erwähnt und zur Überprüfung empfohlen, doch scheiterte dies an den Restaurants und Läden selber. Die Restaurants wollten einfach keine öffentlichen Toiletten sein… Damals war die finanzielle Lage der Schweizer Gemeinden immer noch sehr gut und es bestand kein Bedarf für eine Alternative. Heute aber, da den Gemeinden das Geld ausgeht und viele – touristisch wichtige – WC’s geschlossen werden, ist das Interesse aus wirtschaftlicher Sicht plötzlich gross geworden.

    Hier ein Kommentar zur „Netten Toilette“ aus dem Masterplan:
    «Auf den ersten Blick scheint die Idee Vorteile zu haben, da die Stadt im Zentrum keine eigenen WC-Anlagen erstellen und betreiben müsste. Auf den zweiten Blick sieht es etwas problematischer aus: Einerseits könnte jedes Unternehmen selber entscheiden, ob es mitmachen will. Dies macht es sehr schwierig, eine wirklich optimale Verteilung zu erreichen. Zudem haben die Lokale begrenzte Öffnungszeiten, Ferien, Wirtesonntage usw., sodass keine wirkliche Kontinuität gewährleistet wäre. Andererseits können die Unternehmen sich jederzeit zurückziehen, was auf das Angebot und die optimale Verteilung negative Auswirkungen hätte. Als Ergänzung zum bestehenden Angebot soll die Idee jedoch weiter abgeklärt und geprüft werden.»

    Viele Bevölkerungsteile sind dringend auf öffentliche Toiletten angewiesen. Man denke z.B. an das Reizdarmsyndrom (ca. 20% der Bevölkerung), an Blasenschwäche (ca. 6% der Bevölkerung), an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa (ca. 0,3% der Bevölkerung. Nicht zu vergessen alle ältere Menschen und oder Personen, die auf eine behindertengerechte Toilette angewiesen sind.
    Wir sind also alle dankbar um jedes WC um die Ecke. Es ist für viele schwierig, überhaupt an einem gesellschaftlichen Leben teilzunehmen – nur aus Angst, dass keine Toilette vorhanden ist. Sehr viele Menschen sind daher ganz besonders auf eine ausreichende Zahl zugänglicher öffentlicher Toiletten angewiesen.

    Leider kann aber die Idee der «Netten Toilette» ein zweischneidiges Schwert sein. In vielen deutschen Städten zeigt sich, dass mit der Einführung des Konzeptes mit der Schliessung öffentlicher Toiletten verbunden ist (Kostenersparnis). Die „Netten Toiletten“ sind – im Gegensatz zu öffentlichen Toiletten – nur zu den jeweiligen Geschäftszeiten geöffnet. Ebenfalls könnte das Problem der behindertengerechten öffentlichen Toilette so nicht gelöst werden.

    Die «Nette Toilette» sollte also nach meiner Meinung eine (wichtige) Ergänzung der üblichen öffentlichen Toiletten sein und nur im äussersten finanziellen Notfall einer Gemeinde diese ersetzen. Die Versorgung mit einer ausreichenden Anzahl öffentlicher Toiletten muss also weiterhin Aufgabe der Gemeinde sein.

    Und wieso nannten wir unser damals lanciertes Projekt «WelcomeWC» anstelle von «Nette Toilette»? Dies aus dem einfachen Grund, da die Schweiz mehrsprachig ist und ein Romand oder Tessiner nicht viel mit «Nett» anfangen kann. Die Webseite von WelcomeWC ist noch immer erreichbar unter http://www.welcomewc.ch.

    Gerne verweisen wir in diesem Zusammenhang auch auf den sehr hilfreichen WC-Guide: http://www.wc-guide.ch, dem grössten Verzeichnis öffentlicher Toiletten in der Schweiz (selbstverständlich auch als App für iPhone und Android erhältlich). Die Nutzer können WC’s direkt in der App erfassen und auch Fehler melden. Eine wirklich wertvolle Hilfe für alle, die im Alltag (dringend) auf Toiletten angewiesen sind.

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  2. Gabo Martini, 13.06.2013, 15:34 Uhr

    Kot im Museum, was für ein Titel welcher mich gleich an den Künstler erinnert, der seine Ausscheidungen in Konservendosen packte.

    Als ich im Januar nach Luzern zog, hatte ich ein ähnliches Problem. Nach dem Ausgang und einigen Getränken musste ich mich dringenst erleichtern. Ich habe also im Internet nach den öffentlichen Toiletten in Luzern gesucht und wurde schnell fündig – zumindest online. In dieser Nacht hatte ich jedoch nicht viel Zeit und als ich nach 5 Minuten keine Toilette am beschriebenen Standort gefunden hatte, erleichterte ich mich zwangsläufig in einer stillen, begrünten Ecke.

    Ich habe mir danach einige Gedanken zu dieser Problematik gemacht. Weshalb gibt es zum Beispiel keine Wegweiser, welche zur nächsten Toilette führen? Ich denke dies wäre bereits äusserst hilfreich. Als Tourist hat man in Luzern ein echtes Problem.

    Am Rande möchte ich noch bemerkt haben, dass die meisten Reisecars eine Toilette eingebaut haben.

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