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Pro Bahn Zentralschweiz enerviert sich Kosten für Durchgangsbahnhof «nicht nachvollziehbar»

3 min Lesezeit 25.05.2017, 16:05 Uhr

Das Bundesamt für Verkehr hat Szenarien für den Ausbauschritt 2035 präsentiert – ganz hinten anstehen musste der Durchgangsbahnhof Luzern. Für Pro Bahn Zentralschweiz unverständlich – es würden hohe Kosten für den Tiefbahnhof veranschlagt und so dem Projekt keine faire Chance gegeben. Auch werde eine Light-Variante für den Engpass am Zimmerbergtunnel nicht geprüft.

Am 28. April 2017 hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) über den Stand der Arbeiten für die Ausbauschritte 2030 und 2035 informiert. Dabei wurden verschiedenen Szenarien für den Ausbauschritt 2035 (AS2035) vorgestellt, die vom BAV untersucht und mit Kosten-Nutzen bewertet wurde. Dazu gehören sowohl der Luzerner Durchgangsbahnhof wie der Zuger Zimmerberg-Basistunnel II. Für den AS2035 wird mit einem Kostenrahmen von 5 Milliarden Franken gerechnet.

Fünf dieser Szenarien werden gemäss Aussagen weiter diskutiert. Das aus Sicht BAV beste Szenario wird in der Vernehmlassungsvorlage im Herbst 2017 zur Realisierung vorgeschlagen. Angesichts der beschränkten finanziellen Ressourcen sind die Kosten eine zentrale Grösse für die Zusammenstellung und Bewertung der untersuchten Szenarien.

Jetzt meldet sich die Pro Bahn Zentralschweiz: Für sie seien die aufgeführten Kosten nicht nachvollziehbar, schreiben sie in einer Medienmitteilung. Die Auflistung müsse offenbar Elemente enthalten, welche nicht zum eigentlichen Vorhaben gehören – sonst würde der ZBT II nicht mit 2.1 Milliarden und der Durchgangsbahnhof nicht mit 3.35 Milliarden aufgeführt. Welche Elemente ausser den Tunnelbauten in diesen beiden Modulen sonst noch enthalten sind, sei nicht bekannt.

Weiter falle auf, dass bei anderen Modulen offenbar nur die reinen Kernbauten enthalten sein dürften, also die Projekte Zürich-Stadelhofen, Lötschberg-Basistunnel und Neuenburg-La Chaux-de-fonds. Damit entsteht der Eindruck, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden, womit kein faires Verfahren sichergestellt wäre. Die Vorhaben für Basel und Luzern sollen für den AS 2035 offenbar gar nicht mehr weiter verfolgt werden und fallen aus Sicht des BAV für den AS 2035 ganz ausser Betracht.

Pro Bahn Zentralschweiz

Die Pro Bahn Zentralschweiz ist eine Organisation, die sich für die Interessen der Kunden des öffentlichen Verkehrs einsetzt. Ziel ist es, Verbindungen, Dienstleistungen wie Billetverkauf oder die Sicherheit zu verbessern.

Pro Bahn präsentiert eigenes Szenario

«In dieser Ausgangslage ist es auch nach eingehendem Studium der präsentierten Unterlagen für Pro Bahn Zentralschweiz nicht nachvollziehbar, wie das Szenario mit ZBT II und Zürich Stadelhofen auf das zweitbeste Nutzen-Kosten Verhältnis kommen kann», ernerviert sich Pro Bahn Zentralschweiz. In diesem Szenario sei die dringend notwendige Kapazitätserhöhung auf der Linie Zürich-Zug-Luzern nicht realisierbar. Ein Fernverkehr-Viertelstundentakt Zürich-Zug-Rotkreuz dürfte zudem kaum Sinn machen.

Dies wirft für Pro Bahn Zentralschweiz die Frage auf, weshalb keine Szenarien mit anderen Varianten berücksichtigt, respektive vertieft untersucht worden sind. «Dies ist befremdlich, denn beim Zimmerberg gehen wir davon aus, dass die Variante mit dem Doppelspurausbau der Stammlinie und der notwendigen Kapazitätsanpassungen im Bahnhof Thalwil maximal eine Milliarde kosten würde, während die erste Etappe des Durchgangsbahnhofes Luzern, also der Tiefbahnhof (Ebikon-Luzern), offiziell mit 1.7 Milliarden veranschlagt wird.» Beide Projekte zusammen würden sich also mit 2.7 Milliarden realisieren lassen.

Für Pro Bahn Zentralschweiz gibt es für die veranschlagten fünf Millionen Franken nur ein Mögliches Szenario:

 

Kosten in Mia. CHF

Zürich Stadelhofen

1.13

Lötschberg Basistunnel

0.94

Neuenburg-La Chaux-de-fonds

0.72

Zimmerberg light inkl. Thalwil

1.00

Tiefbahnhof Luzern

1.70

Total

5.49

Als Vorteile führen sie Fahrplanstabilität, Redundanz und vor allem Befriedigung der Kapazitätsbedürfnisse auf den Linien Zürich-Tessin und vor allem auf der Linie Zürich-Zug-Luzern (Viertelstundentakt bis Luzern) könnten gewährleistet werden, ohne die Bedürfnisse des Güterverkehrs, des Grossraumes Zürich und des Juras zu vernachlässigen.

Pro Bahn Zentralschweiz ist deshalb an das BAV gelangt und verlangt, dass ein solches Szenario vertieft untersucht und bewertet wird. «Von den Zentralschweizer Regierungen erwarten wir, in diesem Sinne tätig zu werden», so die Organisation.

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