Konzerte und Tauben auf den Dächern von Luzern
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Kommen die Züge auch pünktlich an? Von dieser Terrasse aus kann man das sehr gut beobachten. (zod) (Bild: zod)

Fünf versteckte Dachterrassen Konzerte und Tauben auf den Dächern von Luzern

5 min Lesezeit 04.05.2014, 13:00 Uhr

Auf den Dächern von Luzern gibt es viel mehr zu entdecken, als man denkt. Obwohl die meisten Dachterrassen privat sind, werden sie jeweils anderen Menschen für Konzerte, Partys oder Grillabende geöffnet. Fünf Terrassennutzer haben zentral+ Zugang zu ihren Dachterrassen gewährt, um einen Einblick in dieses «zweite Luzern» zu geben.

Die «Beer-Pong»-Terrasse

Ivo* wohnt seit drei Jahren in einer 4er-WG im sechsten Stock eines Mehrfamilienhauses in der Nähe der Langensandbrücke. Der 24-jährige Informatiker würde seine Dachterrasse nur schweren Herzens aufgeben. «Die Wohnung wurde vor einigen Jahren renoviert und zu diesem Zeitpunkt ist auch die Dachterrasse gebaut worden», so Ivo. Die 30-Quadratmeter-Terrasse ist nur von der obersten Wohnung her begehbar. «Wir grillieren oft oder laden unsere Freunde zu Partys ein», erklärt Ivo die Aktivitäten der WG auf der Terrasse. Der wichtigste Gegenstand auf der Terrasse sei ohne Zweifel der grosse Grill.

«Wir haben sehr tolerante Nachbarn, aber auch denen ist es einmal zu viel geworden, als wir es am Wochenende mit der Lautstärke der Musik übertrieben haben», erzählt Ivo. Dies sei mittlerweile zum Glück wieder geklärt. Im Sommer spiele sich das WG-Leben fast nur auf der Dachterrasse ab: «Wir spielen darauf Beer-Pong, ein Tischtennis-Trinkspiel, oder schauen uns das Feuerwerk des Luzerner Fest an». Sogar die Nacht hat die WG schon auf der Terrasse verbracht. Ivo dazu: «Leider ist die Sonne damals schneller aufgegangen als erwartet.»

Auf dieser WG-Dachterrasse ist der Grill der wichtigste Gegenstand. (zod)

Auf dieser WG-Dachterrasse ist der Grill der wichtigste Gegenstand. (zod)

(Bild: zod)

Die Musiker-Terrasse

Nicolas ist Mitbegründer des Vereins «Lumberjack», der Konzerte und Events in Luzern organisiert. Seit 2012 filmt der 28-jährige Lehrer jeden Sommer Bands auf seiner Dachterrasse, die einen Song zum Besten geben. «Auch dieses Jahr habe ich wieder einige Bands angefragt und hoffe, dass es genauso toll wird wie letztes Jahr», so Nicolas. Bisher hat er 21 Musikvideos von Zentralschweizer Bands auf der Gemeinschafts-Dachterrasse seines Hauses in der Nähe der Pauluskirche aufgenommen und produziert: «Das dauert jeweils zirka eine Stunde fürs Filmen und zwei bis drei Stunden für die Bearbeitung. Aber das ist es mir wert.»

Die Idee für das Musizieren auf der Dachterrasse hat er von einem Musikvideo: «Da dachte ich, das könnte man doch auch in Luzern machen.» Einige der Luzerner Bands seien nicht so gut darin, sich selber zu vermarkten. «Sie sind aber musikalisch sehr gut und deshalb nervt es mich schon, wenn sie ihr Potential nicht voll ausschöpfen», erzählt Nicolas. Mitgewirkt bei den Rooftop-Videos haben bisher unter anderem Rival Kings, GeilerAsDu, Maple Tree Circus, Pablo Haller und Rozbub. In Zukunft sei eventuell auch ein Konzert mit Publikum auf der Terrasse geplant. Denn die Nachbarn hätten noch nie reklamiert: «Ich weiss gar nicht ob die wissen, was wir hier oben so machen», sagt Nicolas.

 

Die Eulen-Terrasse

Katja* wohnt seit zwei Jahren in ihrer 3-Zimmer-Maisonette-Wohnung im sechsten Stock in der Nähe des Vögeligarten. Doch die Wohnung hat noch einen weiteren wichtigen «Raum». «Die Dachterrasse ist wie mein zweites Wohnzimmer», erklärt die 55-Jährige. Im Sommer verbringe sie sogar die meiste Zeit draussen: «Denn das Wohnzimmer wirkt durch die Dachschrägen manchmal recht beengend.» Die Terrasse ist auch ein Hobbygarten für die Psychologin, die darauf Kräuter und Gemüse anpflanzt. Auch andere Aktivitäten finden hoch über den Dächern statt: «Manchmal lese ich oder empfange Gäste. Auch mein Sohn hat schon Partys auf der Dachterrasse veranstaltet, wenn er sturmfrei hatte», sagt Katja. Im Sommer sei die Dachterrasse wie eine andere Welt: «Dann kommen die Leute aus ihren Löchern hervor und es ist wie ein zweites Luzern hier oben», so Katja. Von unten sehe man das nicht, aber die meisten Dächer würden rege genutzt.

Doch die Dachterrasse ist im Sommer nicht immer begehbar: «Zwei Wochen im Hochsommer ist es so heiss, dass ich nicht auf die Terrasse kann. Sie ist schon sehr nah am Himmel», erklärt Katja. Früher sei der oberste Stock des 100-jährigen Hauses eine Waschküche gewesen. Jetzt hat es hier eine 16 Quadratmeter grosse Terrasse, die zwar sehr klein sei, aber doch Freiraum gebe: «Ohne Dachterrasse wäre ich nicht in diese Wohnung gezogen», erklärt Katja. Doch es gibt auch Begleiterscheinungen, wenn man so hoch oben wohnt: «Wir hatten ein Taubenproblem, denn im Vögeligärtli werden diese zum Teil richtig gemästet von den Leuten.» Seit sie jedoch Drähte auf dem Dach hat, sei es besser geworden. Und auch ein anderer Vogel wohnt hier sagt Katja: «Ich höre ab und zu eine Eule. Die muss hier irgendwo ihr Nest haben.»

Die begrünte Dachterrasse in der Nähe des Vögeligarten lädt zum Verweilen ein. (zod)

Die begrünte Dachterrasse in der Nähe des Vögeligarten lädt zum Verweilen ein. (zod)

Die geteilte Dachterrasse

Auch Mario verbringt gerne Zeit auf Dachterrassen. Er ist mitverantwortlich für Ron Orp’s-Mail Luzern, ein Newsletter mit Tipps rund um das Stadtleben. Die Terrasse in der Nähe des Löwencenters gehört zum über 100-jährigen Haus, in dem seine Mutter wohnt. «Am liebsten geniesse ich es einfach hier oben und sonne mich», erzählt der 29-Jährige. Für ihn sei die Zeit auf der Dachterrasse Genuss auf hohem Niveau, auch räumlich gesehen. «Der Mensch strebt ja immer nach Höherem und hat gerne mal den Überblick», sagt der Kommunikationsleiter über die 30 Quadratmeter grosse Terrasse.

Er teile die Dachterrasse auch gerne: «Nicht jeder hat eine und ich habe sowieso das Gefühl, dass immer mehr Dachterrassen privatisiert werden.» Deshalb organisiert er am 28. Juni zum zweiten Mal den Dachterrassen Day in Luzern. Die meist privaten Dachterrassen sollen so für einen Tag der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. «Dabei kann jeder selbst entscheiden wie lange und für wie viele Leute seine Dachterrasse geöffnet sein soll», erklärt Mario. Dies werde auch belohnt, sagt er: «Dieses Jahr ist Heineken beim Dachterrassen Day dabei und die Teilnehmer können gratis Bier beziehen und sogar Velos gewinnen.»

Die Dachterrasse des über 100-jährigen Hauses mit Blick auf das Suva-Gebäude. (zod)

Die Dachterrasse des über 100-jährigen Hauses mit Blick auf das Suva-Gebäude. (zod)

(Bild: zod)

Die unbenutzte Dachterrasse

Mirjam* ist Studentin an der Musikhochschule in Luzern und wohnt in einer 3er-WG in einem Mehrfamilienhaus am Bundesplatzkreisel. Die Dachterrasse des Hauses ist für alle Bewohner zugänglich und doch wird sie nur selten genutzt. Die 23-Jährige wohnt erst seit vier Monaten hier und möchte der Dachterrasse neues Leben einhauchen. «Es ist schade, dass nie jemand hier oben ist. Denn von hier aus hat man eine wunderschöne Aussicht und kann die Züge beobachten, wie sie in den Bahnhof einfahren», so Mirjam. Sie freut sich schon auf die nächsten Sonnentage: «Wir wollen ab und zu grillieren und ein paar Freundinnen zu einem Glas Wein einladen.» Den Wein müsse sie zum Glück auch nicht so weit tragen, denn die 35 Quadratmeter-Terrasse liegt nur eine Etage über der 4-Zimmer-Wohnung der WG.

Kommen die Züge auch pünktlich an? Von dieser Terrasse aus kann man das sehr gut beobachten. (zod)

Kommen die Züge auch pünktlich an? Von dieser Terrasse aus kann man das sehr gut beobachten. (zod)

(Bild: zod)

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