Konzernverantwortung: Glencore-Chef kritisiert NGOs
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Hauptsitz des Rohstoffkonzerns «Glencore» in Baar. (Bild: Erik Tham)

Keine Kinderarbeit bei Zuger Firma Konzernverantwortung: Glencore-Chef kritisiert NGOs

2 min Lesezeit 3 Kommentare 23.11.2020, 11:56 Uhr

In einer Woche ist es soweit: Die Schweiz stimmt über die Konzernverantwortungsinitiative ab. Nun geht Glencore-Chef Ivan Glasenberg gegen NGOs in die Offensive. Die Vorwürfe, dass Glencore Kinderarbeit betreibe, sollen nämlich nicht stimmen.

Am kommenden Sonntag stimmt die Schweiz ab – unter anderem auch über die Konzernverantwortungsinitiative. Rund eine Woche vor der Abstimmung geht der Zuger Glencore-Chef Ivan Glasenberg mit den NGOs hart ins Gefecht und wirft ihnen vor: «Uns anzuprangern, ist das Businessmodell einiger NGOs.» Das sagte er in einem Interview mit dem «Sonntags Blick».

Lügen der NGOs

Wie aus dem Medienbericht hervorgeht, soll Glasenberg abstreiten, dass die Vorwürfe ihre Richtigkeit haben, die seit jeher von NGOs an den Grosskonzern mit weltweit 160’000 Mitarbeitern gerichtet werden. Was ihm ein besonderer Dorn im Auge ist: «Das beste Beispiel dafür ist der Vorwurf der Kinderarbeit in Glencore-Minen. Diese gibt es schlicht nicht», meint er gegenüber der Zeitung.

Gemäss dem Glencore-Chef soll dieser dazu bereit sein, mit NGOs in den Dialog zu kommen. Diese haben aber bisher jede Kontaktaufnahme verweigert, wie es heisst. Viel mehr sollen sie nach Missständen suchen – und diese herbeischwindeln: «Und wenn sie nichts finden oder die Fakten nicht mögen, übertreiben sie oder erfinden einfach etwas», meint er. Auch von renommierten Medienunternehmen wie ARD, BBC und SRF hält er nicht sehr viel: «Die Medien beziehen ihre Informationen meist auch von NGOs. Sie springen auf den Zug auf.»

Reaktion kommt kurz vor der Abstimmung

Doch ausgerechnet jetzt, wenn die Abstimmung der Konzernverantwortungsinitiative bevorsteht, reagiert der CEO des Konzerns auf die Vorwürfe? Glasenberg begründet dies folgendermassen: «Mit dem Vorwurf der Kinderarbeit haben die NGOs eine rote Linie überschritten. Das können wir nicht auf uns sitzen lassen.»

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3 Kommentare
  1. Marc Burckhardt, Lic. oec. et lic. iur. HSG, 24.11.2020, 11:35 Uhr

    Auffallend bei Glencore das Muster, wie durch alle Böden etwa Umweltvergiftungen, Kinderarbeit, gefährliche Arbeitsbedingungen erst kategorisch geleugnet werden (nun z.B. Mine Porco in Bolivien, früher z.B. Platinenminen in Süd Afrika) und mit den Jahren – nach anhaltendem Druck (z.B. durch einheimische Betroffene oder/und internationale Researcher o/u Public Eye) nach und nach und oft an unterschiedlichen Quellorten „kleine“ Probleme zugegeben werden. Solange die Kultur bleibt, wird sich wohl nichts ändern – geschliffene Gegenstatements ändern daran nichts.

  2. S. Glauser, 24.11.2020, 10:59 Uhr

    Herr Glasenberg könnte ja freiwillig mehr Massnahmen ergreifen, um die angeprangerten Missstände zu beseitigen – an den finanziellen Möglichkeiten sollte es wohl nicht liegen. Und genau da liegt das Problem, das die KVI angeht: Freiwilligkeit allein genügt nicht, denn es wird nichts Handfestes unternommen, die Umstände zu verbessern. Deshalb lege ich kommenden Sonntag ein Ja in die Urne.

  3. R. Köppel, 23.11.2020, 17:25 Uhr

    Diese Stellungnahme ist ziemlich inhaltsleer und liefert keinerlei Argumente, die die Hauptkritikpunkte inhaltlich entkräften. Es wurde nie behauptet, dass Glencore selber Kinder beschäftigt, aber dass sie Kinderarbeit in der von ihr betriebenen Mine duldet und den Kooperativen entgegen ihres Supplier Standards alles Erz abkauft.
    Hier die Replik von Public Eye: https://www.publiceye.ch/de/replik-glencore
    Und nochmal die Reportage zum nachlesen: https://stories.publiceye.ch/glencorebolivien/

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