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Konsumentenschützerin kritisiert: «Diese Preisschilder sind eine Zumutung»
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Adlerauge gefragt: Dass die Aktion nur gilt, wenn zwei Produkte gekauft werden, ist praktisch nicht zu erkennen. (Bild: zvg)

Coop am Schlossberg führt Kunden an der Nase rum Konsumentenschützerin kritisiert: «Diese Preisschilder sind eine Zumutung»

3 min Lesezeit 2 Kommentare 08.11.2019, 04:56 Uhr

Schnäppchenjäger hatten diese Woche in einem Luzerner Coop helle Freude: Zahlreiche Produkte waren massiv herabgesetzt. An der Kasse jedoch stellte sich heraus: Die Aktion zählt nur, wenn zwei davon gekauft werden. Erkennen konnte das nur, wer eine Lupe dabeihatte.

Elektronische Preisschilder – eine Errungenschaft der Technik. So verkaufte der Detailhändler Coop die Neuerung, als 2016 erste Pilotversuche stattfanden. Das Ausdrucken und aufwendige Anbringen der Papieretiketten entfalle, hiess es. Und: Ein Aktionspreis eines Artikels wird vom zentralen Rechner sowohl an die elektronischen Labels aller Filialen als auch an die Kassensysteme gesendet.

Was das Personal entlastet, hat für die Kunden aber massive Nachteile, wie eine zentralplus-Leserin diese Woche in der Filiale am Schlossberg in Luzern feststellen musste. Im Glauben, ein Schnäppchen zu machen, deckte sie sich mit mehreren unterschiedlichen Shampoos ein. Angeschrieben waren diese zum Beispiel mit: 3.60 Franken, Normalpreis 4.85 Franken – das Schild suggerierte eine Einsparung von 25 Prozent.

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Kundschaft an der Nase herumgeführt

An der Kasse folgte dann das grosse Staunen. Es wurde der volle Preis berechnet. Erst als sie nochmals zurückging, sich zum untersten Regal bückte und ihre Lesebrille aufsetzte, merkte sie: In Minischrift steht dort die Einschränkung «Ab 2 St». Die Aktion gilt also nur, wenn zwei Produkte gekauft werden.

«Ich finde das nicht richtig», sagt die Kundin gegenüber zentralplus. Als sie beim Kassenpersonal nachfragte, zuckte man nur mit den Schultern. Da könne man nichts machen.

Nicht nur bei älteren Kundinnen sorgen die neuen Preisschilder für Ärger. Ein anderer Luzerner tappte ebenfalls in die Falle – und zahlte für zwei Dosenbiere den vollen Preis. Angeschrieben war eine 2-für-1-Aktion. Nur kleingedruckt stand, dass es zwei 24er-Packungen sein sollten. «Das ist eine absolute Frechheit!», sagt er.

Coop verspricht Verbesserungen

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine. «Diese Angabe des Aktionspreises mit den elektronischen Preisschildern ist für alle Konsumentinnen und Konsumenten eine Zumutung, nicht nur für ältere Personen oder solche, die keine Adleraugen haben», sagt Josianne Walpen, Leiterin Ernährung und Mobilität bei der Stiftung für Konsumentenschutz.

Es sei praktisch nicht ersichtlich, dass der Aktionspreis nur gilt, wenn mindestens zwei Stück gekauft werden. «Aus unserer Sicht ist es kundenunfreundlich, Produkte und Aktionen so anzuschreiben. In Coop-Filialen, in denen noch nicht mit elektronischen Schildern gearbeitet wird, wird die Aktion mit gut sichtbaren Schildern angezeigt und erklärt.» Dies müsste auch bei elektronischen Preisschildern unbedingt geschehen. «Sonst führt man die Kundschaft an der Nase herum.»

Bei Coop hat man ein Einsehen. «Dass Kunden aufgrund der Preisschilder verärgert sind, tut uns leid», schreibt Mediensprecherin Andrea Bergmann auf Anfrage. «Das war nicht unsere Absicht.» Die Anzeige der Aktion ab 2 Stück auf den elektronischen Preisschildern sei noch neu. «Wir sind bereits daran, die Anzeige zu verbessern und den Hinweis grösser darzustellen.»

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2 Kommentare
  1. Eitschaar, 08.11.2019, 12:21 Uhr

    Hat nix mit verarsche zu tun, wer lesen kann ist im Vorteil!!
    Heute muss alles so beschriftet sein das es einem gleich vor s Gsicht fällt.
    Die Menschheit wird immer blöder…..

    1. Markus Wälte, 08.11.2019, 15:45 Uhr

      Laut Gesetz darf die Schrift mind. 2mm gross sein, aber bedenken sie, man wird auch immer älter….