Konkurrenzkampf: 100 neue E-Trottis rollen durch Zug
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Nun auch in Zug angekommen: die E-Trottis des US-Konzerns Lime. (Bild: Adobe Stock)

Neuer Anbieter aus den USA ist da Konkurrenzkampf: 100 neue E-Trottis rollen durch Zug

4 min Lesezeit 4 Kommentare 23.07.2021, 14:46 Uhr

In Zug stehen mittlerweile rund 200 E-Scooter im Einsatz. Ein zweiter Anbieter versucht sich in der Kolinstadt zu behaupten. Während die E-Trotties für den Zuger Stadtrat Urs Raschle bereits eine Selbstverständlichkeit sind, herrscht in Teilen der kantonalen Politik weiterhin Skepsis gegenüber dem Trend-Transportmittel.

In Zug rollt seit Kurzem eine neue Gruppe von E-Trottis über den Asphalt. Neben den bereits bestehenden rund 100 Stück des Anbieters Tier ist seit Anfang Sommer auch der US-amerikanische Anbieter Lime mit einer ähnlich hohen Stückzahl an E-Scootern in der Stadt präsent. Lime hat den Zuschlag für das zweite von der Stadt bewilligte Kontingent an E-Scootern erhalten.

Das neue Angebot ist in Zug nicht unbemerkt geblieben, wie Urs Raschle, Vorsteher des Departements Soziales, Umwelt und Sicherheit, auf Anfrage sagt. «In meiner Wahrnehmung sind derzeit die Lime-Scooter vermehrt unterwegs.» Die Entwicklung dieses Konkurrenzkampfes werde die Stadt nun genau beobachten.

Mehr als nur ein lustiger Gag?

Auch GLP-Kantonsrat Daniel Stadlin behält die E-Scooter im Auge, allerdings blickt er mit einiger Skepsis auf die Fahrzeuge. In einer kürzlich eingereichten Interpellation hinterfragt Stadlin deren konkreten Nutzen – sofern sie nicht Autofahrten ersetzen – und verweist auf die schlechtere Ökobilanz der E-Scooter gegenüber Velos. Zudem bemängelt er die Free-Floating-Idee der E-Scooter, die praktisch überall abgestellt werden können. Das E-Trotti sei «ein lustiger Gag», der aber mehr Probleme verursache als löse (zentralplus berichtete).

«Diese Form der Mobilität ist für alle Neuland. Auch wir als Stadt müssen Erfahrungen sammeln.»

Urs Raschle, Stadtrat Zug

Dass die E-Scooter immer wieder mal politisch hinterfragt werden, ist für Urs Raschle zwar legitim, sei aber kein Grund, die Vor- und Nachteile nicht in der Praxis zu eruieren. «Diese Form der Mobilität ist für alle Neuland. Auch wir als Stadt müssen Erfahrungen sammeln, um einschätzen zu können, in welchem Rahmen die E-Scooter eine sinnvolle Ergänzung unseres Mobilitätsangebotes sein können», sagt der Stadtrat.

Regierung plant mit E-Trottis

Die Zuger Kantonsregierung hat Daniel Stadlins Interpellation derweil noch nicht beantwortet. Bisher hat sich die Regierung nur knapp zum Thema E-Scooter geäussert. Im neuen Mobilitätskonzept werden E-Scooter immerhin namentlich erwähnt. Allerdings ist dazu nur zu lesen, dass diese «prinzipiell auf die Strasse» gehören. Situativ sei aber auch vorstellbar, dass Busspuren von E-Trottinetts und Velos genutzt werden könnten.

Es ist also davon auszugehen, dass auch die Regierung zumindest mittelfristig mit der Anwesenheit von E-Scootern rechnet. Gut möglich, dass die Regierung ihre Haltung zu dem Gefährt im Mobilitätskonzept aber noch schärft. Dieses wurde in der Vernehmlassung nämlich fast durchs Band als zu vage kritisiert (zentralplus berichtete).

Stadt mit «Tier» sehr zufrieden

Im Kanton Zug haben die Gemeinden Zug, Baar und Risch E-Trottinetts. 2019 war es die Firma Circ, die rund 200 E-Trottis in diesen Gemeinden anbot. Kaum ein Jahr später wurde die Firma von einem Konkurrenten aufgekauft. Dieser entschloss sich zum Rückzug aus dem Zuger Markt (zentralplus berichtete). Im Sommer 2020 kam dann das Berliner Unternehmen Tier nach Zug und brachte rund 100 E-Trottis in die Stadt.

Seit rund einem Jahr ist der Anbieter Tier in Zug nun also mit E-Scootern präsent. Die Stadt zieht ein durchaus positives Fazit, wie Urs Raschle sagt. «Wir sind insbesondere mit der Zusammenarbeit mit Tier sehr zufrieden.» So gestalte sich die Problemlösung – beispielsweise bei «wild» parkierten Scootern – als unkompliziert und schnell umgesetzt. Meldungen von störenden oder herumliegenden E-Scootern gehe «Tier» äusserst prompt nach, so Raschle.

Die E-Trottis von «Tier» sind seit einem Jahr in Zug präsent.

Zur Erinnerung: Zu den Auflagen bei E-Scootern in Zug gehört, dass die Anbieter primär öffentliche Veloparkieranlagen nutzen müssen, wenn sie die E-Trottis ab- und umstellen. Die gleichen Auflagen gelten auch für Lime. Beim neuen Anbieter sieht Raschle diesbezüglich jedoch noch Luft nach oben. «Klar, es braucht etwas Zeit, um hier anzukommen und ein solches System reibungslos zum Laufen zu bringen. Dennoch werden wir hier noch auf Verbesserungen pochen müssen.»

Busfahrten wurden nicht ersetzt

Nicht nur wie die E-Trottis parkiert werden, sondern auch, wer die E-Scooter in Zug nutzt, hat die Stadt beobachtet. Wenig überraschend ist es eine eher jüngere Generation, die Gebrauch von den Stadtflitzern macht.

Als Alternative zum Bus, wie ursprünglich einmal angedacht, kommen die E-Scooter aber eher weniger zum Einsatz, wie Raschle schätzt. «Die Scooter werden unserer Wahrnehmung nach eher von Fussgängern oder als Ersatz für kurze Autofahrten genutzt als von ÖV-Nutzern.» Letztlich ist Raschle aber überzeugt, dass die E-Scooter heute zum Angebot einer Stadt einfach dazugehören.

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4 Kommentare
  1. Peter Meier, 24.07.2021, 13:00 Uhr

    Ich weiss nicht, ob Herr Raschle in der gleichen Stadt Zug wohnt wie ich. In meiner Wahrnehmung stehen die Dinger überall – und vor allem im Weg! Das ist eine tolle Sache für übergewichtige Nordamerikaner und genussüchtige, hippe Berliner. Für geistig und körperlich gesunde Schweizer megafraglich

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    1. remo.genzoli, 24.07.2021, 14:19 Uhr

      Bin soeben von einem längeren Aufenthalt in Berlin nach Hause gekommen. Die dort grassierende E-Trotti-Pandemi ist tatsächlich widerlich. Es sind aber nicht vorwiegend die «genusssüchtigen, hippen Berliner» die damit herumkurven, sondern vor allem Jungtouris, die rücksichtslos im Schwarm im hohen Tempo durch die Stadt wetzen. Gottseidank halten die politisch Verantworlichen in der Stadt Luzern noch dagegen….aber wie lange?

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  2. Roli Greter, 24.07.2021, 12:49 Uhr

    Die Dinger stehen überall im Weg rum, teilweise müssen Rollstuhlfahrer auf die Strasse ausweichen. Wann immer ich eins sehe landet es im Gebüsch.

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  3. Chris, 23.07.2021, 15:51 Uhr

    Oekologisch sind die Dinger sicher nicht, da sie ja ständig wieder rumgekarrt werden müssen.
    Im übrigen ist es diskriminierend, dass private Dauerparkierer monatliche Gebühren zahlen müssen für die regelmässige Nutzung öffentlichen Grundes, diese Trottis aber nicht. Das ist insbesondere stossend, da damit Geld verdient wird.
    Ein Schelm wer böses denkt, aber diese Ungerechtigkeit kommt einer Subventionierung dieser Unternehmen gleich. Als Handwerker, der auf Nicht-Parkplätzen parkieren muss, bezahle ich eine Handwerkerkarte.

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