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Nun braucht es Villigers Entscheidungsfähigkeit Kommunikation gelang auch am Donnerstag nicht

3 min Lesezeit 18.10.2018, 19:58 Uhr

Nachdem Beat Villiger an seinem Amt festhält, stellt sich eine grosse Frage. Schafft es der angeschlagene Sicherheitsdirektor in den nächsten Monaten als respektierter und entscheidungsfähiger Regierungsrat wahrgenommen zu werden? Die Kommunikation am Donnerstag vermittelt einen anderen Eindruck.

Nun hat sich Beat Villiger also doch noch entschieden. Der Regierungsrat, der während den letzten Wochen mit Vorwürfen traktiert wurde und dessen politische Zukunft bislang in der Schwebe war, will weiterregieren. Lange ist der Entschluss gereift bei ihm, einiges länger als er noch am Wahlsonntag in Aussicht stellte. 

Dass Villiger 10 Tage lange gebraucht hat, um seinen Beschluss kund zu tun, überrascht nicht. Unter Druck geraten fiel es dem Sicherheitsdirektor immer wieder schwer, zu kommunizieren. Ganz besonders in den letzten Wochen. Die Mitteilung am Donnerstag erfolgte, auch dies nicht überraschend, schriftlich. Und auch hier ist es bezeichnend, dass selbst Stunden vor seinem versuchten Befreiungsschlag Gerüchte den Weg in die Medien fanden und ihm das Heft einmal mehr aus der Hand genommen wurde.

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Schlecht gewählte Taktik

Dieser Vorfall naht sich ein in eine Taktik des geflissentlichen Nicht-Kommunizierens. Mit der superprovisorischen Verfügung schoss Villiger zu Beginn, als die Affäre bekannt wurde, ein klassisches Eigengoal. Mit dem Erlass gegen ein Medium konnte er sich der Aufmerksamkeit der gesamten Schweizer Medienlandschaft gewiss sein. Diese überstürzte Massnahme roch erst recht nach Vertuschen und Geheimniskrämerei. Und nach Panik eines Regierungsrates, der eine Woche darauf gewählt werden möchte und ernsthaft um seinen Sitz bangt. Gebracht hat es ihm am Ende wenig, die Geschichte der Affäre, des unehelichen Kindes, der Verdacht der Urkundenfälschung: So vieles fand den Weg an die Öffentlichkeit doch noch.

Seine Wahl wenige Tage darauf wertet Villiger nun als «Vertrauensvotum der Zugerinnen und Zuger». Man könnte es aber auch einfach glückliches Timing nennen, nachdem eine grosse Mehrheit der Stimmberechtigten so kurz vor den Wahlen ihr Couvert bereits abgeschickt hatten.

Es bestehen kaum Zweifel daran, dass Villigers Sitz massiv ins Wackeln geraten wäre, hätte die Geschichte Wochen früher den Weg an die Öffentlichkeit gefunden. Das Vertrauen, auf das der Regierungsrat seinen Entscheid abstützt, erscheint so überschaubar. Dessen müsste sich Villiger durchaus bewusst sein – auch wenn er das nicht öffentlich sagt. Auch dass sich seine Partei hinter ihn stellt, ist kaum als echter Vertrauensbeweis zu werten (zentralplus berichtete). Schliesslich möchte die CVP den dritten Regierungssitz, den sie bei diesen Wahlen errungen hat, nicht so schnell wieder aus der Hand geben – und dieses Szenario wäre bei einer Ersatzwahl nicht auszuschliessen gewesen.

Schwierige Aufgabe wartet auf ihn

Es sind keine guten Sterne, unter denen Villiger seine vierte Amtsperiode antritt. Und es wird viel Überzeugungsarbeit brauchen, um den schalen Beigeschmack loszuwerden, den diese Geschichte in der Bevölkerung und bei Politikern hinterlassen hat. Zu präsent sind in der Öffentlichkeit die Stimmen, die die krude Kommunikationsstrategie als Wahlmanipulation sehen. Einen Anfang machte er am Donnerstag immerhin mit offenen Interviews, die er deutlich souveräner absolvierte als die Gespräche in den Wochen zuvor.

Bleibt zu hoffen, dass es Villiger gelingen wird, bei seinen Kollegen und in der breiten Öffentlichkeit als Politiker mit Rückgrat, Präsenz und Entscheidungsfähigkeit wahrgenommen zu werden. Ansonsten werden die kommenden vier Jahre für alle Beteiligten – so auch für die Zuger Bevölkerung – lange werden. Auch wenn Beat Villiger diese aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr im Sicherheitsdepartement verbringen wird.

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