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Kommt es in Zug zum zweiten Wahlgang?
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SP-Kandidat Zari Dzaferi erhält Lob aus dem ganzen politischen Spektrum für seinen originellen Wahlkampf – nun kandidiert der 32-jährige Sekundarlehrer für den Gemeinderat in Baar. (Bild: Archiv)

Countdown zur Regierungsrats-Ersatzwahl Kommt es in Zug zum zweiten Wahlgang?

6 min Lesezeit 15.01.2016, 19:09 Uhr

Die Ersatzwahl für die Zuger Regierung am 17. Januar verspricht nicht allzu viel Spannung. Doch eine Frage beschäftigt: Erzwingt Zari Dzaferi am Sonntag einen zweiten Wahlgang? Denn der SP-Vertreter geniesst Sympathien bis weit ins bürgerliche Lager hinein. Dies zeigt die zentral+-Umfrage.

Martin Pfister (CVP) wird den Sitz seines zurücktretenden Parteikollegen Peter Hegglin im Regierungsrat am Sonntag ziemlich sicher verteidigen können. Alles andere wäre eine Sensation für die Linken – und eine Riesenschlappe für die CVP. zentral+ hat verschiedene Politiker von links bis rechts befragt und sie um eine Prognose gebeten. Manche haben sogar eine Wette abgeschlossen.

«Es gibt ein Wunder und Zari Dzaferi wird am nächsten Sonntag gewählt.»

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Barbara Beck-Iselin, Präsidentin Alternative – die Grünen

Was ist Ihre Prognose, wer wird gewählt?

Der Zuger CVP-Fraktionspräsident Andreas Hausheer erwartet wenig überraschend, dass Martin Pfister gewählt wird. «Ich kann mir aber vorstellen, dass Zari Dzaferi auch ein gutes Ergebnis erzielen wird», fügt der Kantonsrat hinzu. Für die FDP ist sicher: «Es gibt nur einen bürgerlichen Kandidaten und dieser wird ziemlich sicher von vielen Bürgerlichen unterstützt», sagt der kantonale FDP-Präsident Jürg Strub.

SP-Kantonsrat Hubert Schuler glaubt, dass Martin Pfister «als bürgerlicher Vertreter im bürgerlichen Kanton Zug» sicher im Vorteil ist. «Leider gibt es immer noch zu viele Leute, welche eine Person des linken Parteispektrums nicht wählen, einfach weil diese Person von links kommt.»
Der Stadtzuger SVP-Gemeinderat Gregor Bruhin gehört nicht zu diesen Bürgerlichen und unterstützt sogar Dzaferi aktiv (zentral+ berichtete). Bruhin sieht ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus und rechnet mit einem zweiten Wahlgang. «Zari Dzaferi hat richtig Gas gegeben und Boden gegenüber Martin Pfister wettgemacht», bemerkt Bruhin.

Barbara Beck-Iselin, Parteipräsidentin der Alternative – die Grünen Zug, geht noch weiter: «Es gibt ein Wunder und Zari Dzaferi wird am nächsten Sonntag gewählt. Eine zweite soziale Stimme tut für viele Leute nun not, wo so gespart wird zulasten der unteren und mittleren Einkommensschichten.»

Michèle Kottelat, Grünliberale Gemeinderätin der Stadt Zug, findet diese Wahl hingegen «völlig uninteressant». «Es ist ein Skandal, dass keine Partei eine Frau aufgestellt hat», sagt sie bestimmt.

Das Zuger Regierungsrat-Tippspiel

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Die kantonale SP-Präsidentin Barbara Gysel stellt fest, es sei «eine Wahl zwischen drei linken Männern». «Entweder der CVP-Linke, der einäugige Piraten-Linke oder der soziale Offizial-Linke wird das Rennen machen.» Sie nehme zudem zur Kenntnis, dass Zari Dzaferi – «unser Original» – «Mitte-links» Fussball spielt.

Mit welchem Resultat rechnen Sie?

Hubert Schuler (SP) glaubt, dass Martin Pfister «ein beachtliches Resultat» machen wird, Zari Dzaferi als Linker aber «ein noch beachtlicheres Resultat». Stefan Thöni werden mit einigen 100 bis 1000 Stimmen abschliessen.

Gregor Bruhin (SVP) schätzt die Wahlchancen Pfisters als «sehr gut», diejenigen Zari Dzaferis als «gut» ein, Stefan Thöni habe keine Chance. Barbara Beck-Iselin (Alternative – die Grünen) glaubt, dass Pfisters Wahlchancen intakt sind. «Leider wird er diesmal von einem echten Linken überrundet.» Dzaferis Chancen seien sehr gut. «Weil er jugendlich frisch, sozial und klar und mit so viel Fantasie und vollem Einsatz die letzten zwei Monate präsent war, hat er es einfach verdient.» Stefan Thönis Kandidatur sei sehr gut, aber werde keine Chancen haben.

«Martin Pfister muss keine schlaflose Nacht fürchten.»

Barbara Gysel, SP-Präsidentin Kanton Zug

Barbara Gysel (SP) glaubt, dass Martin Pfister keine schlaflose Nacht befürchten muss. Zari Dzaferi sei «der eigentliche Gewinner der Wahl» und Stefan Thöni bezeichnet Gysel als «Pirate of the Caribbean».

Die Kandidaten für die Zuger Ersatzwahl vom 17. Januar bei zentral+: Zari Dzaferi (SP), Stefan Thöni (Piraten) und Martin Pfister (CVP).

Die Kandidaten für die Zuger Ersatzwahl vom 17. Januar bei zentral+: Zari Dzaferi (SP), Stefan Thöni (Piraten) und Martin Pfister (CVP).

(Bild: mbe.)

Haben Sie eine Wette abgeschlossen?

Nur Barbara Gysel (SP) hat eine Wette abgeschlossen. «Ich habe gewettet, dass dieses Mal kein Rechter den Sitz holt. Meine Aussichten, die Wette zu gewinnen, sind gut, weil sogar Rechtsaussen-Vertreter Zari Dzaferi supporten.»

Gregor Bruhin merkt zu unserer Frage an, eine Regierungsratswahl sei kein Pferderennen.

Die Grüne Barbara Beck-Iselin wettet selten. «Ich verliere sonst immer.» Aber sie habe sich vorgenommen, Zari Dzaferi zum Nachtessen einzuladen und ihm zu helfen, die Plakate abzumontieren, wenn er das Rennen macht.

Wer hat den besten Wahlkampf geführt?

Beim Wahlkampf ist der SP-Kandidat nach Meinung der Befragten eindeutig der Sieger. «Unermüdlich tourte er mit seinem Wahlmobil herum, stellte Plakate auf, schrieb E-Mails und Briefe und war aktiv auf den Social Media. Er hat sich richtig reingekniet und gezeigt, dass er ein Schaffer ist!», stellt Gregor Bruhin (SVP) fest.

Dzaferi erhält auch Lob von der FDP: «Er macht einen guten Eindruck und hat sicher die Herzen der Damen angesprochen. Er wird bestimmt ebenfalls ein gutes Resultat machen», sagt Kantonalpräsident Jürg Strub. Der eher «zurückhaltende und gesetzte» CVP-Kandidat Pfister habe mit SP-Kandidat Dzaferi einen «jungen, aufstrebenden, forschen und energiegeladenen» Konkurrenten erhalten. Für Jürg Strub ist es zwar ein Kampf «David gegen Goliath». Doch Dzaferi habe den emotionaleren, frischeren Wettkampf geführt.

«Zari Dzaferi hat sicher die Herzen der Damen angesprochen.»
Jürg Strub, Kantonalpräsident FDP – die Liberalen Zug

Für SP-Präsidentin Barbara Gysel ist die beste Wahlkampagne, wenn man mit beschränkten Mitteln das Maximale rausholt. «Unser Kandidat ging zudem originell vor, und es gab sogar ‹Felderoberungen› beim politischen Gegner zu verzeichnen», stellt Gysel fest. Auch die Grünen loben die Plakatpräsenz Dzaferis. Barbara Beck-Iselin: «Er hat es geschafft, bei vielen Bauern einen Platz zu kriegen, und das war Resultat seiner Hartnäckigkeit und seines Charmes.» Originell fand sie auch seine dekorierte Velo-Ritschka und die wechselnden Sprechblasen an seinen Plakaten.

Das Beste, was dem Kanton Zug am 17. Januar passieren könnte?

Gregor Bruhin, SVP: «Wenn Zari Dzaferi gewählt werden würde. Er hat eine klare Haltung, Meinung und Durchsetzungswille. Als Linker hat er sogar den vollen Militärdienst als Soldat gemacht, das bringt ihm meine zusätzliche Sympathie als Offizier.»
Barbara Beck-Iselin, ALG: «Ein zweiter sozialer Sitz in der Zuger Regierung.»
Hubert Schulers (SP) fantasievolle Antwort: «Wenn die beiden Kandidaten Pfister und Dzaferi gleich viele Stimmen hätten, sodass wir zwei neue Regierungsräte begrüssen dürften.»
Barbara Gysel, SP: «Wenn die Bürgerlichen durch Martin Pfisters Nichtwahl die Schnapsidee, den Regierungsrat von sieben auf fünf Mitglieder zu verkleinern, mit sofortiger Wirkung begraben würden.»

Das Schlechteste, was dem Kanton Zug am 17. Januar passieren könnte?

Gregor Bruhin, SVP: «Wenn Stefan Thöni von den Piraten gewählt würde. Eine Partei mit Jolanda Spiess-Hegglin als Mitglied ist per se nicht mehr wählbar und Gott weiss, was sie ihm für komische Ideen für die Regierung zustecken würde.»
Barbara Beck-Iselin, ALG: «Wenn die Regierung von sieben auf fünf Regierungsräte gekürzt würde.»
Barbara Gysel, SP: «Wenn wir eine noch tiefere Wahlbeteiligung als die Zürcher bei ihrer letzten Ersatzwahl in den Regierungsrat hätten, also weniger als 31 Prozent – etwa aus dem Grund, dass alle Zuger Frauen die Wahl boykottieren würden, weil nur Männer antreten.»

Hinweis in eigener Sache: zentral+ berichtet am Sonntag live von der Zuger Ersatzwahl.

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