FCL kriegt von Bund Sonderbehandlung bei Covid-19-Kredit

Wie die Steuerzahler unwissentlich den FCL gerettet haben

Der Bund gewährte dem FCL bei der Rückzahlung des Covid-19-Kredits eine Sonderbehandlung. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Dass der FC Luzern nicht pleite ist, verdankt er nicht zuletzt den Steuerzahlern. Bloss wussten diese bisher nichts von ihrem Glück.

Am 22. Mai ereignete sich Unerhörtes: Die «Luzerner Zeitung» sehnte sich nach Bernhard Alpstaeg zurück. So sagte Sportreporter Dani Wyrsch in der ersten Ausgabe des neuen FCL-Talks «Inside Allmend» zur Zukunft des FCL: «Dort haben wir eben das Problem, dass die Finanzen nicht stimmen. Dass Bernhard Alpstaeg fehlt, dass das Geld von ihm fehlt.»

Wie recht Wyrsch damit hatte, zeigt ein «Factsheet» der FCL-Gruppe, welches der Finanzchef des FC Luzern, Richard Furrer, im Januar veröffentlicht hat. Dort steht auf Seite vier in der Rubrik «Unternehmenserfolg 2022/23»:

-3,102 Millionen Franken (nach -3,224 Millionen ein Jahr zuvor und -3,291 Millionen in der Spielzeit 2020/21)

Und auch beim Eigenkapital der FCL-Gruppe notiert Finanzchef Furrer ein dickes Minus:

-3,875 Millionen Franken (nachdem es im Vorjahr «nur» ein negatives Eigenkapital von -665’000 Franken gewesen war)

Bund gewährte FCL Covid-19-Darlehen

Wenn ein Unternehmen ein negatives Eigenkapital hat, dann muss es normalerweise den Gang zum Konkursrichter antreten. Dass dies dem FCL bisher erspart geblieben ist, verdankt er grossenteils den Steuerzahlern. Beziehungsweise, um genau zu sein: Er verdankt es dem Bundesamt für Sport (Baspo) von Bundesrätin Viola Amherd, das mit den ihm anvertrauten Steuergeldern grosszügig umgeht.

Wie das? Im Januar 2021 hatte das Baspo dem FCL, wie anderen Sportorganisationen auch, ein Covid-19-Bundesdarlehen gewährt. Es belief sich auf 3,936 Millionen Franken. Dieses Darlehen hätte eigentlich, so stand es auch im FCL-Geschäftsbericht für die Saison 2021/22, bis am 31. Dezember 2023 zurückbezahlt werden müssen.

Doch dazu war der FCL wegen seiner miserablen finanziellen Verfassung nicht in der Lage. Das machte aber nichts. Denn entgegen der ursprünglichen Vereinbarung verzichtete das Baspo darauf, dass der FC Luzern sein Covid-19-Darlehen bis Ende 2023 zurückzahlt.

Stattdessen gestattete es dem FCL, den Grossteil dieses Darlehens (nämlich 2,8 Millionen Franken) von einem «normalen» Covid-19-Kredit in ein «Bundesdarlehen Covid-19 mit Rangrücktritt» umzuwandeln.

Sonderbehandlung für den FCL

Was bedeutet «Rangrücktritt»? Es heisst, dass im Falle eines Konkurses der FCL dieses Darlehen nur zurückzahlen muss, falls er in der Lage ist, zuvor alle seine anderen Schulden zu begleichen – was bei Unternehmen im Falle einer Pleite kaum je möglich ist.

Deshalb darf ein «Darlehen mit Rangrücktritt» in der Bilanz dem Eigenkapital gleichgestellt werden. So wie beispielsweise das Aktienkapital, auf dessen Rückerstattung die Aktionäre im Pleitefall auch keinen Anspruch haben.

Mit anderen Worten: De facto – das heisst: bezüglich ihrer Ansprüche – hat das Bundesamt für Sport die Steuerzahler mit 2,8 Millionen Franken zu Aktionären des FCL gemacht (dasselbe gilt übrigens auch bei anderen Clubs der Swiss Football League, die ihr Covid-19-Darlehen des Bundes nicht zurückbezahlen konnten/wollten).

Dass die Steuerzahler von ihrem «Glück» bisher nichts wussten, ist das eine. Das andere ist die stossende Ungleichbehandlung von «normalen» Covid-19-Kreditbezügern wie Schreinern, Beizern, Spenglerbetrieben oder Coiffeuren.

Denn im Gegensatz zum FC Luzern profitierten diese Covid-19-Schuldner in der Regel nicht von einer Sonderbehandlung. Sie mussten und müssen die Bundesunterstützung für die Pandemie normalerweise ohne Wenn und Aber bis auf den letzten Franken und Rappen zurückbezahlen. Und wer dazu nicht in der Lage ist, der muss seine Bilanz deponieren.

FCL nahm Alpstaegs Hilfe nicht an

Zudem wurde «normalen» KMUs ein Covid-19-Kredit vom Bund nur dann gewährt, wenn eine Überprüfung ergeben hatte, dass der Betrieb finanziell solid war, dass also keine Überschuldung vorlag – was beim FC Luzern konstant der Fall ist.

Die Milliardäre Samih Sawiris und Hans-Peter Strebel sowie die Multimillionäre Josef Bieri, Thomas Meier & Co werden es dem Bund – sprich: den Steuerzahlern – zu danken wissen, dass er beim FC Luzern auf seine üblichen strengen Covid-19-Kreditauflagen verzichtete. Denn sonst hätten sie als Aktionäre des FCL in die Bresche springen und das negative Eigenkapital des FCL decken müssen.

Um nochmals auf «LZ»-Sportreporter Dani Wyrsch zurückzukommen, wonach dem FCL das Geld von Bernhard Alpstaeg fehlt: Im vergangenen November hatte Bernhard Alpstaeg dem Verwaltungsrat der FCL Holding AG angeboten, vier Millionen Franken einzuschiessen, um das negative Eigenkapital auszugleichen (und weitere rund zwölf Millionen, um den Club längerfristig finanziell zu stabilisieren).

Darauf hatte der Verwaltungsrat grosszügig verzichtet. Weshalb auch das Geld des von ihm ungeliebten Innerschweizer Unternehmers und Mitaktionärs annehmen, wenn doch stattdessen die Steuerzahler den FCL retten konnten?

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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