Gesellschaft

Ein halbes Jahr nach der Temporeduktion
Kolinplatz in Zug: Tempo 30, und keiner merkts

Im Schatten der Morgensonne fällt die Geschwindigkeitstafel tatsächlich nicht besonders auf.
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Im Schatten der Morgensonne fällt die Geschwindigkeitstafel tatsächlich nicht besonders auf. (Bild: wia)

Seit März dieses Jahres gilt rund um den Verkehrsknoten Kolinplatz in Zug Tempo 30. Bloss: Ein Augenschein und mehrere Telefongespräche mit Anwohnern und Unternehmerinnen lassen darauf schliessen, dass die zuvor jahrelang umstrittene Änderung kaum Erleichterung bringt.

Alltag auf der Grabenstrasse in Zug. Autos tuckern gemächlich über die Hauptstrasse, Stop and Go, dann wieder ein paar Meter freie Fahrt. Dass der Verkehr langsam fliesst, ist kein Wunder, herrscht doch seit vergangenem März rund um den Kolinplatz Tempo 30. Bloss: Einen Unterschied zu vorher scheint hier kaum jemand zu spüren, wie eine Befragung von zentralplus ergibt.

Franz Hotz ist langjähriger Anwohner der Strasse und setzte sich in der Vergangenheit stark dafür ein, dass auf dem Streckenabschnitt, auf dem bis im vergangenen Frühjahr noch Tempo 50 galt, nur noch 30 gefahren werden darf. Gemeinsam mit weiteren Anrainern gelangte er bis vor Bundesgericht, wo die Beschwerdeführer damals Recht erhielten (zentralplus berichtete).

Hotz erklärt auf Anfrage: «Es ist schwierig zu sagen, ob die Massnahme nützt. Tagsüber kann sowieso niemand schneller fahren als 30, zu gross ist das Verkehrsaufkommen. Und abends, wenn die Stosszeiten vorbei sind, scheint kaum einer das Tempolimit einzuhalten.» Hotz fordert: «Wenn man schon 30er-Tafeln aufstellt, soll die Polizei auch Kontrollen durchführen.»

Meist kann man hier tagsüber sowieso nicht «blochen».

Anwohner spüren keine Besserung

Eine Anwohnerin, die nicht mit Namen erwähnt werden möchte, erklärt: «Wir waren nie für die Einführung von Tempo 30. Schlicht weil man sowieso nicht schnell fahren kann auf dieser Strasse. Dies aufgrund des Verkehrsaufkommens und weil es auf den zirka 100 Metern gleich drei Fussgängerstreifen gibt, bei denen Autofahrer sowieso aufpassen müssen.» Höchstens nachts höre man – trotz gut isolierten Fenstern – zwischendurch das Röhren von Töfffahrern. Doch weil diese oft in Gruppen unterwegs seien, höre man diese, egal ob sie 50 oder 30 fahren würden.

«Niemand fährt hier 30. Tagsüber herrscht so viel Verkehr, dass alle langsamer sind. In der Nacht fahren viele dagegen 50.»

Ein Unternehmer an der neuen 30er-Zone

Die Haltung der beiden Anwohner wird von den befragten Ladenbesitzern an der Neugasse und Grabenstrasse ausnahmslos geteilt. Auf eine mögliche Veränderung angesprochen sagt ein Unternehmer: «Niemand fährt hier 30. Tagsüber herrscht so viel Verkehr, dass alle langsamer sind. In der Nacht fahren viele dagegen 50.» Dass dies aus bösem Willen passiere, glaube er jedoch nicht. «Es ist zu wenig klar ersichtlich, dass hier Tempo 30 herrscht.» Er ist der Ansicht, dass Polizeikontrollen dem Problem Einhalt gebieten könnten.

Alma Fetahovic, Stylistin beim Coiffeursalon Bannholzer, bestätigt die Haltung, dass die 30er-Zone nur ungenügend gekennzeichnet ist und sagt dazu: «Mir ist es selber schon ein paar Mal passiert, dass ich zu schnell gefahren bin. Schlicht weil man die Tafeln so schlecht sieht. Darum würde ich es unfair finden, die Leute zu büssen, die sich nicht ans Tempolimit halten.»

Gewünscht: Hubbel und Bodenbeschriftungen

Sowohl der Unternehmer als auch die Stylistin wünschen sich, dass neben den 30er-Tafeln auch Bodenbeschriftungen und gegebenenfalls Hubbel angebracht werden, welche die Verkehrsteilnehmer zusätzlich aufmerksam machen könnten.

Beim Kolinplatz gibt es zwei Cafés, bei denen die Kundinnen auch draussen, gleich an der Strasse Kaffee trinken können. Haben diese eine Veränderung gespürt?

Die Mitarbeitenden des Restaurant Intermezzo blasen ins selbe Horn wie die davor Befragten: Man spürt keine Auswirkungen von der Temporegelung. Der Lärmpegel sei nach wie vor relativ hoch, erklärt die Medienverantwortliche, Jeannine Lütolf.

Darüber, ob diese 30er-Zone genügend gekennzeichnet ist, scheiden sich die Geister.

Die Crux mit den Radarkontrollen

Der Wunsch nach mehr Radarkontrollen, welcher von mehreren Befragten geäussert wurden, ist nicht leicht zu erfüllen, wie zentralplus letzthin herausfand (zentralplus berichtete). Das Aufstellen von Blitzern würde nämlich bedingen, dass Private ihr Land dafür zur Verfügung stellen.

Doch wie sieht es mit Hubbeln aus, welche ja ebenfalls als Wunsch genannt wurden? Dazu sagt der Zuger Baudirektor Florian Weber: «Auf hochbelasteten Hauptverkehrsstrassen sind Bodenbeschriftungen und/oder Hubbel in der Regel nicht vorgesehen.» Zudem würden Busse erfahrungsgemäss mit korrekter Geschwindigkeit fahren und Hubbel oder Schwellen wären dem Komfort der Passagiere abträglich. «Ausserdem würde aufgrund von Hubbeln die Lärmemission der Last­wagen örtlich ansteigen.»

Betreffend des Inputs mehrerer Anwohner sowie Ladenbesitzer, dass die 30er-Zone zu wenig klar ersichtlich sei, sagt Weber: «Der Baudirektion ist diesbezüglich nichts bekannt.»

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7 Kommentare
  1. Kaffee trinker, 28.10.2021, 11:38 Uhr

    Wie erstaunlich, der Lärmpegel an einer vielbefahrenen Strasse ist weiterhin hoch. Man kann ja auch neben den Gleisen am Bahnhof oder an einer Autobahn ein Restaurant betreiben und sich über den Lärm wundern. Dafür bezahlt man dort viel weniger Pacht.

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    1. Jeannine Lütolf, 29.10.2021, 10:35 Uhr

      Wir beschweren uns ja auch gar nicht über den Lärm. Es ist nur eine Feststellung auf die Frage, ob der Lärmpegel durch die Temporeduktion gesunken sei.

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      1. Redaktion Valeria Wieser, 29.10.2021, 11:02 Uhr

        Das kann ich so bestätigen.

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  2. smokymale, 28.10.2021, 09:21 Uhr

    Was an der ganzen Situation am störendsten ist ist die Tatsache dass vorallem die drei treibenden Anwohner/innen mitten in der Stadt wohnen wollen jedoch die Ruhe verlangen die nur ausserhalb der Stadt möglich ist.
    Es war von Anfang an klar dass diese Massnahme nichts bringt da dort seltenst schneller als 30 gefahren werden kann. Grosse Motorräder sind sowieso immer hörbar, egal wie schnell diese unterwegs sind. Eine Tatsache die bestimmt auch Polizei und Regierung bekannt ist.

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  3. Bertie bob, 28.10.2021, 08:48 Uhr

    Typisch, aber man kann ja nichts besseres erwarten. Velospuren und Vortrittszeichen übersehen die Autofahrer ja auch.

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    1. Onlyone, 28.10.2021, 11:34 Uhr

      Vortrittszeichen und Velofahrer. Da erübrigt sich jeder Kommentar!

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      1. Möchtegern Polizist, 28.10.2021, 11:48 Uhr

        Wenn ein Autofahrer einem Velofahrer den Vortritt nimmt, kann es oft in Tod enden. Kann man halt nicht vergleichen.

        Von Häufigkeit her, sind beide gleich schlimm – von Tödlichkeit her gibt es aber grosse Unterschiede.

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