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Knatsch um Hünenberger Zythus-Areal geht in nächste Runde
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Auch in Hünenberg gibt es zahlreiche Wohnblocks. (Bild: rah)

Nun wird geprüft, ob Motion der Gegner gültig ist Knatsch um Hünenberger Zythus-Areal geht in nächste Runde

5 min Lesezeit 1 Kommentar 30.10.2018, 09:58 Uhr

Die Diskussion, wie das Zythus-Areal in Hünenberg See künftig aussehen soll, wird heiss geführt. Während die Gemeinde den Gegnern der IG Zythusareal Angstmacherei vorwirft, setzt man auf der Gegenseite alles daran, dass die eingereichte Motion überhaupt zur Abstimmung kommt.

Wenn es um die Zukunft des Zythus-Areals in Hünenberg See geht, wird schon seit Monaten eine emotionale Debatte geführt – obwohl noch gar nicht klar ist, wie das Gebiet künftig konkret aussehen soll. Vor knapp einem halben Jahr informierte die Gemeinde die Bevölkerung über drei mögliche Szenarien (zentralplus berichtete).

In der aktuellen Ausgabe des Gemeindemagazins «Einblick» betont der Gemeinderat, dass es sich dabei «um blosse Denkmodelle und nicht um konkrete Bauprojekte handelt». Entsprechend sei noch völlig offen, wie sich die Überbauung dereinst präsentieren wird. Dies werde erst der vom Kanton geplante Architekturwettbewerb ergeben.

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Gegner reichten im September Motion ein

Ursprünglich war geplant, den Architekturwettbewerb Anfang nächsten Jahres durchzuführen. Den Gegnern einer möglichen Zythus-Überbauung, die sich als IG Zythusareal formiert haben, stiess dies sauer auf. Sie reagierten, indem sie im September eine Motion einreichten. «Darin wird der Gemeinderat beauftragt, dafür zu sorgen, dass bei einer allfälligen Überbauung des Zythus-Areals vernünftige bauliche Dimensionen gewahrt bleiben», wie die IG Zythusareal mitteilt.

«Die IG schürt Ängste, indem sie mit Hochhäusern, die jegliche Seesicht nehmen würden, jeweils vom Worst-Case-Szenario ausgeht.»

Regula Hürlimann, Gemeindepräsidentin Hünenberg

Die IG machte aufgrund des Architekturwettbewerbs Druck, die Motion an der Gemeindeversammlung am 10. Dezember zur Abstimmung zu bringen.

Doch nun haben sich die Vorzeichen geändert. Der Wettbewerb wurde auf einen späteren, noch undefinierten, Zeitpunkt verschoben. «Die Gründe dafür kennen wir nicht», sagt Ueli Christen von der IG Zythusareal. Und auch die Hünenberger Gemeindepräsidentin Regula Hürlimann sagt dazu nur: «Dafür gibt es verschiedene Gründe.»

Hünenberger müssen sich gedulden

Die Verschiebung hat entsprechend Auswirkungen auf die geplante Abstimmung bezüglich der Motion. Sollte die Hünenberger Bevölkerung tatsächlich ihre Stimme dazu abgeben dürfen, wäre dies erst an der Gemeindeversammlung am 17. Juni. Ueli Christen betont, man habe dies bei der IG zähneknirschend akzeptiert. «Da der Architekturwettbewerb erst später stattfindet, können wir damit leben.»

Rund 120 Personen nahmen am Workshop teil und machen sich Gedanken um die Neugestaltung des Zythus-Areals.

Rund 120 Personen nahmen am ersten Workshop zum Zythus-Areals teil.

(Bild: rah)

Der Konjunktiv hat seine Gründe. Denn noch ist gar nicht klar, ob die Motion überhaupt gültig ist. Die Forderung der Motion, eine Überbauung mit nur einer sehr tiefen Ausnützungsziffer zu planen, widerspricht dem kantonalen Richtplan. Doch dazu später mehr.

Der Gemeinderat habe dafür zwei juristische Gutachten eingeholt, wie Hürlimann erklärt. Der Entscheid stehe noch aus, es sehe jedoch nicht wirklich gut aus für die Motion und somit für die IG. Diese hat noch bis Ende November Zeit fürs rechtliche Gehör, dann entscheidet der Gemeinderat aufgrund der zwei Gutachten.

Weiterer Workshop soll Angst nehmen

Davor steht noch am 7. November ein weiterer Workshop zur Zukunft des Zythus-Areals auf dem Programm, den der Gemeinderat organisiert. Er soll dazu dienen, Ängste und Verunsicherungen abzubauen, die nach der ersten Infoveranstaltung entstanden seien, so Hürlimann.

«Unser Hauptkritikpunkt zielt auf die Ausnützungsziffer, welche viel zu hoch angesetzt ist.»

Ueli Christen, IG Zythusareal

Sie sagt: «Viele der 300 Personen, die die Motion unterschrieben haben, waren am zweiten Workshop gar nicht mit dabei. Die IG schürt Ängste, indem sie mit Hochhäusern, die jegliche Seesicht nehmen würden, jeweils vom Worst-Case-Szenario ausgeht. Kein Wunder, dass die Leute, welche zu wenig informiert sind, sich anstecken lassen.» Die IG trage auch eine gewisse Verantwortung.

Hohe Ausnützungsziffer ist Dorn im Auge

Auch die IG Zythusareal werde am 7. November präsent sein, bestätigt Ueli Christen. Er lässt das Argument von Gemeindeseite nur bedingt gelten, dass es sich erst um Denkmodelle handelt. «Unser Hauptkritikpunkt zielt auf die Ausnützungsziffer im entsprechenden Gebiet, welche viel zu hoch angesetzt ist.» Vom Kanton vorgesehen sind 1,2 bis 1,4, wobei Regula Hürlimann betont, dass man diesbezüglich diskussionsbereit wäre.

Etwas anders klingt es bei der IG. In der Motion verlangt sie eine Ausnützungsziffer von 0,35. «Das entspricht den Nachbargrundstücken. Inklusive 15 Prozent Arealüberbauungsbonus und bei einem Gewerbeanteil von 20 Prozent könnte Wohnraum für zusätzlich etwa 75 Personen entstehen», argumentiert die IG.

«Wir werden weiter das Gespräch mit der IG Zythusareal suchen – auch wenn die Motion ungültig sein sollte.»

Regula Hürlimann

Hürlimann spielt den Ball sogleich wieder zurück. «Das Gebiet liegt im Verdichtungsperimeter. Auch für uns ist der Richtplan verbindlich. 0,35 ist auf jeden Fall viel zu tief.» Der Kanton könnte dies aufgrund des Richtplans niemals akzeptieren, so die langjährige Gemeindepräsidentin.

Konsens ist weit weg

Die Ausnützungsziffer ist nur einer von zahlreichen Punkten, wo der Gemeinderat und die IG weit auseinander liegen und sich in nächster Zeit wohl auch nicht annähern dürften. Nur schon bei der ganz grundsätzlichen Frage, ob die Gemeinde Hünenberg von einer allfälligen Überbauung überhaupt profitieren würde, gehen die Meinungen auseinander.

«Für die Gemeinde werden in erster Linie Folgekosten anfallen.»

Ueli Christen

So sagt Ueli Christen: «Wir fragen uns selbst, warum die Gemeinde das Projekt so vehement pusht. Denn profitieren werden vor allem der Kanton und die privaten Grundeigentümer. Für die Gemeinde werden in erster Linie Folgekosten und weitere Negativkonsequenzen wie zusätzlicher Verkehr anfallen.»

Die Ausnützungsziffer kurz erklärt
Die Ausnützungsziffer ist die Verhältniszahl zwischen der anrechenbaren Bruttogeschossfläche der Baute und der anrechenbaren Landfläche. Als anrechenbare Bruttogeschossfläche gilt die Summe aller ober- und unterirdischen Geschossflächen einschliesslich der Mauer- und Wandquerschnitte.

Naturgemäss vertritt Hürlimann eine andere Ansicht. Auch Hünenberg werde profitieren. Man habe beim ersten Workshop die Bevölkerung gefragt, was ihre Bedürfnisse an die Überbauung sei, diese gesammelt und diese an den Kanton weitergeleitet. Und trotz anderweitigen Beteuerungen seitens der IG, die eine Förderung einer Zweiteilung von Hünenberg und Hünenberg See fürchtet, sei auch in keiner Weise geplant, in Hünenberg See ein zweites Dorfzentrum entstehen zu lassen.

«Absolut keinen Zeitdruck»

Hürlimann wagt abschliessend noch einen Ausblick, wie es nach dem 7. November weitergehen soll. «Wir werden weiter das Gespräch mit der IG Zythusareal suchen – auch wenn die Motion ungültig sein sollte.» Denn: «Wir haben absolut keinen Zeitdruck.»

Haben zur Gesprächsrunde eingeladen: der Zuger Kantonsbaumeister Urs Kamber (links), die Hünenberger Gemeindepräsidentin Regula Hürlimann und Thomas Anderegg, Vorsteher Bau und Planung der Gemeinde Hünenberg.

Lädt zur zweiten Gesprächsrunde ein: die Hünenberger Gemeindepräsidentin Regula Hürlimann (Mitte).

(Bild: rah)

Von Seiten der IG heisst es: «Wir wollen zuerst abwarten, wie sich das Prozedere entwickelt und dann schauen, wie die nächsten Schritte aussehen werden. Wir setzen uns jedenfalls vehement dafür ein, dass die Motion zur Abstimmung kommt.»

Übrigens: Auf die Frage, ob sich Ueli Christen und seine Ehefrau einen Wegzug von Hünenberg See vorstellen könnten, falls ihnen tatsächlich Hochhäuser vor die Nase gesetzt werden sollten, lassen sie die Antwort offen. «Das ist absolute Spekulation.»

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1 Kommentare
  1. Jan Mühlethaler, 03.11.2018, 17:18 Uhr

    In der Diskussion um die Weiterentwicklung des Zythusareals in Hünenberg See, dessen Eigentümer der Kanton Zug ist, gehen die Wogen hoch. Der Gemeinderat lädt die Bevölkerung am 7. November ins Schulhaus Eichmatt zu einer weiteren Informationsveranstaltung ein. Die IG Hünenberg See, die sich statutengemäss in allen gesellschaftspolitisch relevanten Themenbereichen für die Interessen der Einwohnerinnen und Einwohner von Hünenberg See einsetzt, steht für eine «massvolle» Weiterentwicklung des Zythusareals ein. Das heisst, dass wir im Überbauungsfall, gleich wie die IG Zythusareal, quartieradäquate Bauten wünschen. Wir wollen keine Maximierung der Ausnützungsziffer und damit auch kein Hochhausprojekt. Das Zythusareal soll weiterentwickelt werden, keine Frage. Eine Verstädterung von Hünenberg See lehnen wir jedoch ab. Diese strategische Grundhaltung muss sich unserer Meinung nach auch in einem allfälligen Projektwettbewerb des Kantons Zug spiegeln.
    Marc Zihlmann und Jan Mühlethaler, IG Hünenberg See, Vorstand