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Knall Modulable: Ein Nein, das befreit

3 min Lesezeit 12.09.2016, 19:28 Uhr

Der Kantonsrat hat mit dem Nein zum Projektierungskredit das Projekt Salle Modulable beerdigt. Ein überraschendes Ende? Nein, viel eher der logische Tod eines langen, 10-jährigen Dahinsiechens. Nun gibt’s nur eines: ein neues Theater am jetzigen Standort.

Man mag bedauern, dass die Politik den Verantwortlichen nicht die Chance gab, ein fassbares Projekt auszuarbeiten. Damit hätte man eine Basis gehabt, auf der das Volk dann nüchtern Ja oder Nein hätte sagen können. Man mag bedauern, dass viele Halbwahrheiten, unzulässige Spekulationen und halbgare Visualisierungen herumgereicht wurden.

Hätte, würde, könnte: Nun hat der Kantonsrat vorzeitig den Stecker gezogen, man wollte nicht noch mehr Geld in das ambitionierte Projekt stecken (hier geht’s zum Liveticker). Man muss akzeptieren, dass der Standort Inseli massive Opposition vor allem auf Seiten der Linken und bei vielen Einwohnern hervorgerufen hat. Und man muss akzeptieren, dass etliche Politiker, vor allem auf der politisch bürgerlichen Seite, nicht bereit waren, weitere Millionen in ein ungewisses Abenteuer zu investieren, während der Kanton finanziell blutet. Der Zeitpunkt für diese Debatte hätte falscher kaum sein können.

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Man muss jetzt akzeptieren, dass Luzern nicht bereit ist, das Wagnis des Riesenprojektes, dessen Vorgaben massgeblich von einem Trust vorgegeben waren, weiterzuverfolgen.

Der Regierungsrat hat versagt

In dieser Konstellation hatte und hat das Projekt keine Chance. Die sehr knappen Zeitvorgaben des Trust (bis Ende 2018 müssen die Hürden aus dem Weg sein), kombiniert mit der Aussicht, dass der Bau die öffentliche Hand massiv mehr an Kultur-Geld gekostet hätte, führten dazu, dass die Salle Modulable keinen Goodwill mehr geniesst. Der schöne Glanz vom geschenkten Geld ist verblasst.

Es wäre Sache des Regierungsrats gewesen, der in dieser Sache den Lead hatte, glaubhaft aufzuzeigen, wie Kanton und Stadt das Riesenprojekt hätten stemmen können. Wie er das 208-Millionen-Vorhaben hätte finanzieren wollen – oder andernfalls: Wie man die Dimensionen, Ansprüche und Kosten hätte herunterfahren können. Das hat er nicht geschafft, seine Voten waren zu zögerlich, man kaufte ihm das Engagement nicht ab. Vermutlich ist es ihm ganz recht, dass das Projekt nun tot ist.

Nicht heulen, weiterplanen

Was jetzt zu tun ist: Nicht heulen, sondern auf das Positive konzentrieren. Und die Frage diskutieren: Will sich Luzern weiterhin ein überregionales Theater leisten? Lautet die Antwort Ja, braucht Luzern mittelfristig ein neues Theatergebäude. Nun ist man frei von den Zwängen der Geldgeber. Luzern kann am jetzigen Standort des Luzerner Theaters einen Neubau planen, der zu dieser Stadt mit seiner Theaterszene passt. Und der diesen Ansprüchen entspricht.

Natürlich sind die 80 Millionen, die vom 120-Millionen-Geschenk noch übrigblieben, nun auch bachab. Was aber falsch wäre, jetzt auf Biegen und Brechen das Projekt in der jetzigen Form noch zu retten. Auch wenn Investoren bereit wären, die Projektierungskosten von 12 Millionen, oder zumindest den Kantonsanteil von 7 Millionen, zu übernehmen: Man muss einsehen, dass das Projekt politisch tot ist.

Das Label «Salle Modulable» wurde zur Last

Was kann man mitnehmen aus dem Schlamassel? Die Kulturszene hat sich bewegt, Luzerner Theater (LT) und freie Szene sind zusammengerückt, unter dem neuen LT-Intendanten Benedikt von Peter scheint für die Theaterzukunft auf dem Platz Luzern vieles möglich, die Strukturen brechen auf und Politiker durchs Band des Links-Rechts-Schemas haben sich stark gemacht für eine prosperierende Theaterzukunft. Und auch gewichtige Personen aus der Privatwirtschaft, zuletzt Immobilienbesitzer Jost Schumacher, weibelten eifrig für das Projekt.

Diese Verve, die Vision eines Neuen Theaters Luzern (NTL), muss man mitnehmen und schnell die Planung eines neuen Theaters an die Hand nehmen. Dieses kann nicht auf dem Inseli stehen, dieses wird die öffentliche Hand auch teuer zu stehen kommen, jedoch mit dem Unterschied, dass die Vorgaben nicht von aussen aufgedrückt werden.

Das Label Salle Modulable war zuletzt eine Last, es weckte zu wenig Euphorie. Aber es hat eine gute Diskussionsbasis geschaffen, immerhin das. Auch wenn das mit 40 Millionen letztlich eine – pardon für den Ausdruck – schweineteuere Angelegenheit war.

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