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Klinik St. Urban führte Medikamententests an Patienten durch
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Die psychiatrische Klinik in St. Urban. Hier wurden Medikamentenversuche an Patienten durchgeführt. (Bild: zvg)

Insgesamt wurde an 208 Menschen experimentiert Klinik St. Urban führte Medikamententests an Patienten durch

2 min Lesezeit 23.11.2017, 17:08 Uhr

Die Psychiatrische Klinik St. Urban hat in den 1950er und 1960er Jahren mit nicht zugelassenen Medikamenten experimentiert. Laut Testberichten, die «Schweiz aktuell» vorliegen, befand sich unter den betroffenen Patienten auch ein Minderjähriger. Die Testmedikamente wurden von der Pharmaindustrie kostenlos zur Verfügung gestellt.

An der Psychiatrischen Klinik St. Urban im Kanton Luzern sind zwischen 1953 und 1963 mindestens fünf noch nicht zugelassene Medikamente getestet worden, dies berichtet das Schweizer Fernsehen SRF. Betroffen waren insbesondere Patienten mit einer Schizophrenie, einer Depression sowie Alkoholkranke.

Das SRF beruft sich auf Testberichte, die in den 1960er Jahren in Ärztefachzeitschriften publiziert wurden. Urs Germann, Historiker an der Uni Bern, geht davon aus, dass die Patienten nicht immer darüber aufgeklärt wurden, dass sie an einem Medikamententest teilnehmen.

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«Die Ärzte in dieser Zeit massen der Einwilligung und Aufklärung der Patienten eine eher geringe Bedeutung bei. Deshalb wurden die Testpräparate möglicherweise auch unter Zwang verabreicht oder die Ärzte überredeten die Patienten zur Einnahme des Arzneimittels», lässt er sich zitieren.

Die Basler Pharmaindustrie hatte ein grosses Interesse daran, die Wirkstoffe an Patienten auszuprobieren. Die Kliniken waren ein attraktiver Markt für Medikamente, sobald diese zugelassen waren. Offenbar haben die Basler Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche AG (heute Roche AG) und J.R. Geigy AG (heute Novartis AG) die Testmedikamente wie in anderen Kliniken gratis zur Verfügung gestellt. «Im Gegenzug testeten die Kliniken die Medikamente und lieferten der Pharmaindustrie die Testergebnisse, das war der Deal», erklärt Germann.

Ziel der Ärzte war es oft, die Patienten ruhig zu stellen. Konnte dieser Zustand nicht erreicht werden, wurde die Dosis erhöht. Dies wurde von den Patienten in St. Urban aber nur «selten vertragen», wie aus den Testberichten hervorgeht.

Getestet wurden insgesamt fünf Medikamente, darunter auch Valium. Die fünf Arzneimittel wurden später alle zugelassen. Germann geht jedoch davon aus, dass noch weitere Präparate getestet wurden: «Es kann gut sein, dass auch Medikamente getestet wurden, die nie zugelassen wurden.»

Sendehinweis: Mehr dazu sehen ist diesen Donnerstag in der Sendung «Schweiz aktuell» um 19.00 Uhr auf SRF 1 zu sehen.

 

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