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Klingt komisch, ist aber so
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Nik Hartmann, Tina Nägeli und Philippe Gerber senden live aus der Glasbox in Luzern.

«Jeder Rappen zählt» in Luzern Klingt komisch, ist aber so

4 min Lesezeit 3 Kommentare 18.12.2014, 05:55 Uhr

Die Aktion «Jeder Rappen zählt» findet wieder in Luzern statt. In- und ausserhalb der Glasbox vor dem KKL gibt es einiges zu sehen. Vieles wirkt auf den ersten Blick seltsam – das Ausprobieren jedoch lohnt sich. Vor allem für das eigene Gewissen.

Achtung: Der Artikel kann Spuren von Sarkasmus enthalten.

zentral+ hat für euch «Jeder Rappen zählt» getestet. Wir wurden als Flüchtlinge «wie richtig» mittels iPad registriert, haben ein interaktives Spiel zur Cholera gemacht, einen Parcours mit einer Beinprothese bewältigt, einen «Made in China» Teddy für acht Franken gestopft und natürlich eine Autogrammkarte durch eine kleine Spende erworben.

Klingt komisch, hat aber auch sehr gute Seiten. Nun fühlen wir uns super und vor allem sozial.

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Total toll

Mit Bastian Baker fielen die Vorhänge der Glasbox auf dem Europaplatz. «Jeder Rappen zählt» ist gestartet. Die vorwiegend weiblichen, jugendlichen Zuschauer drückten sich an die Gitter und hielten ihre Handys hoch. Um Bastian Baker zu filmen und mit coolen SMS-Sprüchen zu spenden. «Es ist so schön wieder hier zu sein», tönt es aus der Glasbox. «Und es ist total toll, dass Bastian Baker da ist.» Alle freuen sich über den ersten Wunschtitel im Radio und die zehn Franken Spende dazu. Es wird geklatscht und gejubelt in der Glasbox. Die Zuschauer rundherum sind noch damit beschäftigt, sich oder Bastian Baker vor die Linse zu bekommen.

Die Stände sind noch leer. Man kann die Logos der zwei Partner Aldi und Panasonic gut erkennen. Wir haben uns trotzdem an die Stände herangewagt und das Angebot getestet. Abgesehen von der hausgemachten Aldi-Gerstensuppe. Wir hatten leider keinen Hunger.

Teddy stopfen

Zuerst stopfen wir einen Teddy (siehe Slideshow). Acht Franken kostet der Spass. Und entweder man spendet das Stofftier «Made in China», gestopft in Luzern, für Flüchtlingskinder. Oder aber man nimmt ihn selbst mit nach Hause. Das wollen nach uns die meisten. Wo kriegt man schon einen Teddy für acht Franken?

Ob die Bestandteile aus fairer Produktion stammen, wollen wir wissen. Darauf sei bestimmt geachtet worden, bekommen wir zur Anwort – wir hätten uns bei einer solchen Aktion jedoch eine klarere Deklaration gewünscht. So bleibt uns nur die Hoffnung, dass die Teddys für Flüchtlingskinder nicht von Kinderhänden genäht wurden.

Hautnah auf der Flucht

Danach machen wir uns auf die Suche nach dem «Jeder Rappen zählt»-Camp. Abgelegen auf dem Inseli wurde dieses aufgebaut. Auf der Website der Hochschule Luzern heisst es: «Dort können die Besucherinnen und Besucher hautnah erleben, was es heisst, auf der Flucht zu sein.» Und tatsächlich: In einem kleinen Zelt wird man als Flüchtling registriert, wenn man ins Camp kommt. «Wie richtig», erklärt man uns und tippt ins iPad. Dazu gibt es ein nummeriertes, blaues Plastikbändeli ans Handgelenk.

Vor dem nächsten Zelt, einer Plastikkonstruktion von Ikea, kann man eine Wasserpumpe bedienen. Klingt komisch, ist aber so.

Informativ, lehrreich und seltsam

Die Helfer informieren über die Zustände in Flüchtlingscamps. Auch auf Schildern sind viele weiterführende Informationen zur Thematik. Ein Zelt ist eingerichtet, wie es mit fünf Flüchtlingen aussehen könnte. Daneben werden Hilfspakete gezeigt. Pakete mit Hygieneartikeln, Kochutensilien, Moskitonetzen, Spielsachen und Nahrung. Die Notnahrung, die vor allem in akuten Fällen eingesetzt wird, darf man probieren.

Auch ein Schulzelt findet sich im Camp und ein Informationsstand über Familienzusammenführungen mit einer Webseite, über welche Flüchtlinge ihre Angehörigen suchen können.

Über verschiedene Formen der Prothesen wird ebenfalls informiert. Dazu gehört ein Beinprothesen-Parcours. Klingt komisch, ist aber so. Die Absolvierung des Parcours ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Danach hat man das tägliche Sportprogramm auch gleich erledigt.

Danach wird über die Cholera informiert. Das heisst, man macht «ein interaktives Spiel zur Cholera». Klingt komisch, ist aber wirklich lehrreich.

Styling und coole Sprüche

Zurück auf dem Europaplatz gibts einen kleinen Kulturschock gratis dazu. Gerade wird darüber informiert, dass in Aarau «Styling für Familien auf der Flucht» stattfindet. Hört sich verwirrender an, als es ist. Dort werden Leute gestylt. Was sie dafür bezahlen, wird gespendet.

Der Glühwein hat die Schweizer Gemüter aufgelockert – winkend und hüpfend versucht man sich auf der Übertragung auf der Leinwand zu finden. Auf dieser gibt es aber auch die Spenden-SMS zu sehen. «Money boy ist am swagen been» beispielsweise.

Wir stellen uns an und spenden zehn Franken. Dafür gibt es ein Lächeln von Tina Nägeli und eine Autogrammkarte. Zum Glück war das alles für einen guten Zweck. Wir können nun glücklich und zufrieden noch Weihnachtsgeschenke shoppen gehen. Unser Karma ist aufgemöbelt.

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3 Kommentare
  1. Markus Meier, 23.12.2014, 10:27 Uhr

    Liebe Frau Avanzini, Lieber Herr Galliker

    Diese Leute versuchen wenigstens etwas gegen die Armut zu unternehmen. Ob jetzt als Nebeneffekt mehr Hörer generiert werden oder nicht ist meines Erachtens sekundär.

    Und wenn bei dieser Aktion nur 5 Rappen Nettoerlös am Bestimmungsort ankommen, ist das besser als Euer dummes Geschwätz!

    Liebe Grüsse

    Markus

  2. Daniel Galliker, 18.12.2014, 10:53 Uhr

    JRZ ist ein endemoll-Format mit dem primären Zweck, möglichst viele Hörer zu generieren. Das Spendending ist natürlich eine gute Sache aber eben nur zweitrangig. Bekämen die Hilfswerke diese Medienpräsenz im Gegenwert (geschätzt mehrere Millionen) würde die Bilanz bzw. das Spendentotal sicher viel höher ausfallen.

  3. Andy Künzli, 18.12.2014, 09:22 Uhr

    Bis Weihnachten hat es ja noch 6 Tage. Macht Ihr doch in den nächsten 6 Tagen mit den Kollegen, Eures Berufsstandes, eine überzeugende Aktion, die den 50 Millionen auf der Flucht hilft, denn, JA, sie brauchen Unterstützung.
    Ich bin gespannt, was Ihr so auf die Beine stellt. Ich freue mich, denn Ihr habt JRZ messerscharf analysiert und werdet es nun besser machen!
    Meine Unterstützung habt Ihr!
    Bin sehr gespannt auf Eure Aktionen! Und ich Danke Euch jetzt schon mal, für Euer selbstloses Engagement.
    PS: Achtung: In diesem Kommentar sind KEINE Spuren von Sarkasmus enthalten.