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Klimawandel: So wenig wollen Stadt und Kanton Zug tun
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Der Postplatz kommt seit dem Umbau etwas gar karg daher. Da nützt auch das Blüemli nichts. (Bild: wia)

«Baum-Offensive» ist Politikern nicht genug Klimawandel: So wenig wollen Stadt und Kanton Zug tun

6 min Lesezeit 2 Kommentare 09.04.2019, 18:15 Uhr

Sowohl der Kanton wie auch die Stadt Zug müssen sich auf Druck aus der Politik mit Klimafragen befassen. Zwar will Zug 800 Bäume pflanzen. Davon abgesehen bleiben die Massnahmen aber bescheiden. Fazit eines Interpellanten: «Man kann fast sagen, der Regierungsrat gefährdet die Gesundheit der Zuger.»

Jugendliche gehen auf die Strasse, es wird vermehrt Grün gewählt, Parlamentarier konfrontieren ihre Regierung mit dem Thema Klimawandel. Nicht zum ersten, und wohl auch nicht zum letzten Mal. Sowohl auf städtischer wie auch auf kantonaler Ebene bringen Zuger Parlamentarier die Frage aufs Tapet, was denn ihre Exekutive gegen den Klimawandel tue.

So wandte sich SP-Fraktionschef Urs Bertschi Ende letzten Sommers und damit noch in den Nachwehen des Hitzesommers an den Zuger Stadtrat. Sein Postulat zielt darauf ab, dass man Stadtplätze ausbauen und diese mittels Grün- und Sickerflächen klimatisch nachhaltig aufwerten solle.

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Weiter fordert er ein Gestaltungs- und Umsetzungshandbuch für Stadtplätze. Für den neugestalteten Postplatz fordert er «angemessene Sofortmassnahmen».

800 Bäume sollen aus dem Boden schiessen

Der Stadtrat erklärt in der Antwort darauf, sich schon seit längerer Zeit Gedanken darüber zu machen. Bereits 2006 habe man sich mit dem Thema befasst. Im Entwicklungskonzept zur Strategie der räumlichen Entwicklung der Stadt habe man sowohl die Durchlüftung des Stadtgebiets mit Frischluft als auch die Verminderung der Bodenversiegelung hervorgehoben, schreibt der Stadtrat.

Schlägt man im entsprechenden Papier nach, entdeckt man jedoch, dass diese Themen bloss in zwei Sätzen thematisiert werden.

Die städtische Exekutive hat jedenfalls einiges an Pflanzarbeit vor sich, wie man der Postulatsantwort entnehmen kann. Innert der kommenden zehn Jahre soll der Baumbestand in der Stadt um bis zu 800 Stück zunehmen.

Strassenfläche wird reduziert

Der Stadtrat erklärt denn auch konkret, wo die Gewächse hin sollen. So etwa an die Göblistrasse. Auch entlang der Gubelstrasse zwischen dem Kreisel Dammstrasse und Aabachstrasse sollen 16 «hitzeresistente» Bäume gepflanzt werden. An der Letzistrasse will der Stadtrat gar die Strassenfläche zu Gunsten von mehr Wiesenflächen und Grünstreifen reduzieren. So soll das Oberflächenwasser möglichst versickern.

Als mittel- bis langfristige Massnahmen nennt der Stadtrat die Bepflanzungen von General-Guisan-Strasse, Gubelstrasse, Industriestrasse, Lauriedhofweg sowie Steinhauser Fussweg.

Eine mobile Begrünung für den Postplatz

Weniger einfach sei es, Bäume im Stadtzentrum zu pflanzen. Der Stadtrat werde jedoch das Gespräch mit privaten Grundeigentümern suchen und prüfen, ob diese auf ihrem Privatgrund zusätzliche Bäume pflanzen mögen.

Ein Dorn im Auge ist vielen der aktuelle Zustand des neugestalteten oberen Postplatzes. Dieser kommt sehr karg daher, beim aktuellen Ausbau dürfte dort im Sommer brütende Hitze herrschen.

Die zuständige Zuger Stadträtin Eliane Birchmeier (FDP) sagt: «Wir planen eine mobile Begrünung mit sieben schattenspendenden Bäumen. Weil sich diese in Töpfen befinden, können sie – etwa bei Veranstaltungen – verschoben werden.» Kostenpunkt: 32’000 Franken.

Wasserinstallation zur Erheiterung der Kleinen

Ausserdem plant der Stadtrat eine interaktive Wasserinstallation. Dies, «weil ein Brunnen aufgrund der Bodengegebenheiten nicht möglich ist», so Birchmeier. «Eine Wasserinstallation lässt sich hingegen leicht an die bestehenden Leitung anschliessen.» Die Installation soll für Abkühlung und Erheiterung sorgen. «Letztlich war unsere Überlegung auch, einen Anziehungspunkt für die Leute zu schaffen», sagt die Bauchefin.

Neu will die Stadt mit sogenannten Klimakarten arbeiten. Diese sollen detailliert zeigen, wo heutige und zukünftige Hitzeinseln sowie Ausgleichsräume liegen und wo sich wichtige Durchlüftungsbahnen befinden würden. «Es ist nicht ideal, wenn die Luft in der Stadt steht. Nicht nur wegen der Hitze, sondern auch wegen der Schadstoffe», so Birchmeier. Mit Klimakarten liessen sich Massnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas ableiten, deshalb seien sie eine wichtige Grundlage in der anstehenden Ortsplanungsrevision.

Bertschi ist enttäuscht

Der SP-Gemeinderat Urs Bertschi

Der SP-Gemeinderat Urs Bertschi

(Bild: zvg)

Den Massnahmen zum Trotz: Urs Bertschi ist ob der Antwort des Stadtrats ziemlich enttäuscht. «800 Bäume innert zehn Jahren, das klingt gut und ist auch richtig sinnvoll», sagt der SP-Politiker auf Anfrage. Diese Baumoffensive reiche ihm nicht. Er habe vielmehr erwartet, dass der Stadtrat den Ball aufnimmt und mit umsetzbaren Massnahmen zur Förderung der städtischen Aufenthaltsqualität aufwartet oder solche zumindest andenkt.

«Der Stadtrat scheint zu diesem Thema nicht viel Herzblut aufbringen zu wollen», sagt Bertschi. Zum Postplatz meint er: «Diese offene Bühne gehört nun bespielt, mit fixen Sonnenschirmen in den eingebrachten Bodenhülsen sowie beispielsweise mit mobilen und bunten Stühlen.»

«Vom Geist des einst geplanten Zentrums Plus oder gar von Aufbruchsstimmung ist beim bürgerlichen Stadtrat wenig zu spüren.»

Urs Bertschi, Zuger SP-Gemeinderat

Mit transportablen Bäumen in sterilen Töpfen sei es nicht getan. Die Menschen sollen animiert werden, diesen Platz nun in Beschlag zu nehmen, so Bertschi.

«Vom Geist des einst geplanten Zentrums Plus oder gar von Aufbruchsstimmung ist beim bürgerlichen Stadtrat wenig zu spüren», sagt der SP-Gemeinderat und fügt an: «Ich hoffe, dass sich der Stadtrat noch inspirieren lässt.»

Der Regierungsrat beschwichtigt die Ängste

Ebenfalls im Sommer letzten Jahres reichte die Kantonsratsfraktion der Alternative – die Grünen (ALG) einen Vorstoss zum Thema ein. Die Grundfrage: Was tut eigentlich der Kanton Zug betreffend Hitzewelle und Trockenheit?

Die Antwort liegt nun vor. Der Regierungsrat bestätigt darin, dass im Hitzesommer 2018 diverse Gesuche von Bauern eingegangen seien. Es ging dabei um temporäre Wasserentnahmen aus Zuger Fliessgewässern und Seen.

Zu besorgen scheint dies den Regierungsrat jedoch kaum. «Der Kanton Zug verfügt über sehr gute und grosse Trinkwasserreserven, welche auch längere Trockenperioden überdauern können.» Dies sei auch im letzten Sommer der Fall gewesen, so die Regierung.

782 Stunden über dem Ozon-Grenzwert

Auf die Frage, wie es bezüglich Ozonwerten in Zug in den letzten zehn Jahren ausgesehen habe, erklärt die Exekutive, dass der Ozon-Grenzwert auf dem Zugerberg im vergangenen Sommer während 782 Stunden überschritten wurde.

Und was tut der Kanton nun genau, um die Umweltbelastung möglichst tief zu halten? Er verweist auf Bemühungen auf internationaler Ebene – nicht zuletzt, da die Ozonbelastung auch aus anderen Ländern stamme.

Pilotprojekt – Zug ist dabei

Derzeit arbeite der Bund an einem Pilotprogramm, welches Projekte zur Anpassung an den Klimawandel in Kantonen, Regionen und Gemeinden anstossen und umsetzen wolle, lässt der Regierungsrat verlauten. Auch die Zentralschweiz sei daran beteiligt. Etwa soll dort ein Bodenmessnetz aufgebaut werden, um die Veränderung der Bodenfeuchte zu messen. So soll Eintragseinbussen besser begegnet werden.

Auch werde der Kanton die Wasserversorgungen in den kommenden drei Jahren überprüfen. Je nachdem, würden sich daraus weitergehende Massnahmen ergeben, schreibt die Regierung.

Weitere Massnahmen, welche der Kanton aus eigenem Antrieb umsetzen will, sucht man in der Antwort vergeblich. Bei den Massnahmen gegen die Klimaveränderung scheint die Stadt dem Kanton voraus zu sein.

«Wenn man die Antwort liest, hat man das Gefühl, alles sei okay. Das stimmt aber nicht.»

Andreas Lustenberger, ALG-Kantonsrat

Gerade das kreidet Andreas Lustenberger, Präsident der ALG, dem Kanton an. «Wenn man die Antwort liest, hat man das Gefühl, alles sei okay. Das stimmt aber nicht. Es gäbe einige Massnahmen, die man ergreifen könnte.» Er führt aus: «Der Kanton tut, als wäre der Hitzesommer für die Landwirtschaft kein Problem gewesen. Man liest jedoch, dass sich gewisse Wiesen und Wälder bis heute noch nicht erholt haben.»

Lustenberger ist nicht zufrieden mit der Regierungsantwort: «Die Exekutive klingt nicht sehr vorausschauend.» Der ALG-Präsident begrüsst, dass man zumindest mit den Bauern im Kontakt stehe und in den kommenden Jahren zumindest die Wasserthematik prüfe.

Die Regierung soll weiterdenken

«Doch gerade bezüglich Landwirtschaft, Trockenheit und Waldbränden lohnt es sich wohl, etwas weiterzudenken. Welche Adaptionsmassnahmen gibt es?», stellt der Baarer die Frage in den Raum.

«Man kann fast sagen, der Regierungsrat gefährdet die Gesundheit der Zugerinnen und Zuger.»

Andreas Lustenberger, ALG-Kantonsrat

Weiter kritisiert er, dass der Kanton Zug sich nicht stärker für den Ausbau des Veloverkehrs einsetze, sondern weiterhin den motorisierten Verkehr fördere. «Die Regierung schreibt, dass 2018 an 786 Stunden die Ozonwerte überschritten wurden. Gleichzeitig lässt er verlauten, dass die Ozonwerte abflachen würden.»

Diese Aussage lässt der alternative Kantonsrat nicht gelten. «Der Wert stellt eine Verdoppelung zu 2016 dar. Man kann fast sagen, der Regierungsrat gefährdet die Gesundheit der Zuger.»

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2 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 15.05.2019, 15:33 Uhr

    Ich finde es gut, das die Regierung in die allgemeine Hysterie nicht mit einsteigt

  2. Ruth Röllin, 11.04.2019, 16:46 Uhr

    Wie wärs denn bitte mit Bäumen der Bahnhofstrasse entlang? Die jetzigen scheusslichen Gittertröge nimmtman kaum wahr. Heute gleicht die Zuger Innenstadt einer Wüste, da sollten dringend wieder Bäume hin!