Regionales Leben

So reagiert SAC Pilatus
Klimawandel: Sind Bergführer eine «aussterbende Rasse»?

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentar: 1
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SAC Pilatus-Geschäftsführer Andreas von Deschwanden macht sich wegen des Outdoor-Booms keine Sorgen um den Nachwuchs bei Outdoor-Aktivitäten. (Bild: zvg)

Spätestens mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben Outdoor-Aktivitäten in Luzern einen regelrechten Boom erlebt. Gleichzeitig sehen Experten klassische Outdoor-Berufe wie Bergführer oder Skilehrerin durch den Klimawandel bedroht. Droht bald Personalmangel?

Statt in den Strandurlaub nach Spanien zieht es Herrn und Frau Schweizer plötzlich in die Berge. Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich die Art und Weise, wie wir Ferien machen, stark verändert. Ob Biketour, Hüttenübernachtung oder Schneeschuhwanderung: Viele entdeckten plötzlich den Reiz der heimischen Natur, weil Reisen ins Ausland erschwert oder gar unmöglich sind. Zumal es auch aus virologischer Sicht sicherer erscheint, sich draussen an der frischen Luft zu bewegen, als sich in ein bis auf den letzten Platz gefülltes Flugzeug zu setzen.

Diesen Outdoor-Trend spürt auch die Sektion Pilatus des Schweizerischen Alpenclubs (SAC). Der Boom habe zwar schon vor der Pandemie bestanden, erklärt Geschäftsführer Andreas von Deschwanden. Schliesslich zählte die Sektion 2019 – also vor Corona – 4,7 Prozent mehr Mitglieder als noch im Vorjahr. Im Jahr 2020 war der Mitgliederzuwachs mit 6 Prozent aber nochmals grösser.

Outdoor-Bereich wird weiblicher

«Wir spüren den Outdoor-Boom und das generelle Interesse, in der Natur und in den Bergen unterwegs zu sein, sehr stark», sagt der Geschäftsführer der Sektion Pilatus. Unter den 537 Neumitgliedern sind 316 Frauen, was einem Anteil von knapp 60 Prozent entspricht. Sprich: Freizeitsport wurde 2020 noch beliebter – und weiblicher.

Die Beobachtung des SAC Pilatus bestätigt Luzern Tourismus. Mediensprecherin Sibylle Gerardi sagt auf Anfrage: «Aktivitäten draussen in der Natur waren schon vor Corona ein Trend. Dieser Trend hat sich seit der Pandemie intensiviert.»

Bergführer: Ein Beruf ohne Zukunft?

Gleichzeitig sei die Branche aber in Gefahr, wie in einem Bericht der Fachzeitschrift «Hotel Revue» zu lesen ist. Als Grund genannt wird der Klimawandel. Dessen Folgen sind im alpinen Bereich schon heute spürbar: Schneemangel im Winter sowie häufiger auftretende Naturereignisse wie Starkniederschläge, Murgänge oder Steinschläge. Direkt betroffen sind die davon abhängigen typischen Outdoor-Berufe wie die Bergführerin oder der Skilehrer. Diese Berufe würden wegen des Klimawandels an Attraktivität verlieren.

Ein in der Zeitschrift interviewter Bergführer geht sogar so weit, sich und seine Berufskollegen als «aussterbende Rasse» zu bezeichnen. Droht also trotz Outdoor-Boom bald ein Personalmangel am Berg?

«Den Beruf des Bergführers wird es auch in Zukunft brauchen. Und der Beruf wird weiterhin attraktiv sein.»

Andreas von Deschwanden, Geschäftsführer SAC Pilatus

Andreas von Deschwanden vom SAC Pilatus sieht das gelassen: «Den Beruf des Bergführers wird es auch in Zukunft brauchen. Und der Beruf wird weiterhin attraktiv sein.» Schwierigkeiten, neuen Nachwuchs zu rekrutieren, habe seine Sektion nicht. «Die typische Entwicklung eines Bergsteigers beginnt bei uns in der Jugendorganisation und führt über die Gruppe der Aktiven hin zu den Senioren.»

Einige davon würden Leiterkurse absolvieren und führen somit selbst Gruppen. «Vereinzelte lassen sich daraus zum Bergführer ausbilden und sind so für die Sektion tätig», ergänzt von Deschwanden. Rund ein Drittel der Mitglieder des SAC Pilatus war 2020 jünger als 35 Jahre, das heisst: Der Pool aus potenziellen, zukünftigen Bergführerinnen ist gross.

Es braucht neue Kompetenzen

Gleichzeitig ist sich der Geschäftsführer der Herausforderungen durch die Auswirkungen des Klimawandels bewusst. «Der Bergführerberuf muss sich in den nächsten Jahren definitiv auf den Klimawandel einstellen und wird sich entsprechend verändern.» Es sei zum jetzigen Zeitpunkt aber schwierig abzuschätzen, in welche Richtung das gehe. Denkbar ist etwa, dass Bergführer in Zukunft zusätzliche Kompetenzen brauchen. «Zum Beispiel im Biken», mutmasst von Deschwanden.

«Gerade beim Wandern und beim Biken beobachten wir einen starken Trend.»

Sibylle Gerardi, Luzern Tourismus

Mit seiner Hypothese könnte er durchaus Recht behalten. Einerseits, weil das Biken in der Region immer beliebter wird (zentralplus berichtete). So sagt auch Sibylle Gerardi von Luzern Tourismus: «Gerade beim Wandern und beim Biken beobachten wir einen starken Trend. Das zeigt sich nicht zuletzt an den neuen Bike-Trails, die an vielen Orten eröffnet werden.»

Neuer Studiengang soll Branche bereichern

Anderseits werden die klassischen Outdoor-Berufe vielseitiger und sind weniger auf eine spezifische Aktivität beschränkt. Neue «Generalisten im Outdoor-Bereich» erhofft sich darum ein in der «Hotel Revue» zitierter Anbieter von entsprechenden Aktivitäten. Dazu hat die Höhere Fachschule für Tourismus in Zürich eigens einen neuen Nachdiplomstudiengang entwickelt, der im Januar 2022 lanciert wird. Dieser trägt den verheissungsvollen Namen «Diplomierter Tourismusmanager mit Vertiefung in Outdoor – Nachhaltigkeit – Digital Tourism to go».

Was man darunter verstehen soll? Ein Studiengang, der sich an Berufsleute im Outdoor-Bereich richtet und ihnen ein zweites Standbein innerhalb der Tourismusbranche ermöglichen soll. Denn der Bedarf an touristischen Angeboten in diesem Bereich dürfte Bestand haben. Schliesslich muss die während der Pandemie teuer erstandene Ausrüstung amortisiert werden. Und mit «Soft Adventure», der Kombination abenteuerlicher Aktivitäten wie Klettern mit eher gemütlichen Trends wie Yoga, stehen der Branche diverse Felder noch offen.

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1 Kommentare
  1. Hegard, 02.12.2021, 17:21 Uhr

    Ich finde das eine schöne Entwicklung,ich habe nur Angst das die schöne Natur zugemüllt
    wird und hoffe auf Respekt zur Natur vorallem auch den Tieren

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