Kleinere Partyzone: Luzerner Fest bewegt sich vom See weg
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Eine gesperrte Seebrücke wird es am Luzerner Fest nicht mehr geben. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Stadt übernimmt Festpatronat Kleinere Partyzone: Luzerner Fest bewegt sich vom See weg

4 min Lesezeit 3 Kommentare 07.01.2020, 11:00 Uhr

Mindestens einen Drittel weniger Besucher, keine nationalen Acts und eine deutlich kleinere Festzone: Das Luzerner Fest wagt einen Neustart im Kleinformat. Die Stadt soll Hauptsponsorin des Anlasses werden und deutlich mehr zahlen als bisher.

Nach zwei Jahren Pause kommt das Luzerner Fest am 25. und 26. Juni 2021 im neuen Kleid daher: Kleiner, lokaler und weniger kommerziell soll es werden. «Vo Lozärn för Lozärn», so das Leitmotiv.

Bis zur letzten Ausgabe hatte das Fest immer grössere Dimensionen angenommen. 100’000 Gäste pilgerten im Juni 2018 nach Luzern. Die Kosten im Sicherheitsbereich und bei der Infrastruktur stiegen zuletzt genauso an wie das finanzielle Risiko. Und immer öfters waren Leute zu hören, die lieber das kleinere Altstadt-Fest besuchten, weil sie sich mit dem Grossanlass nicht mehr anfreunden konnten.

Deshalb zogen die Verantwortlichen einen vorläufigen Schlussstrich und legten eine Denkpause ein. Die Eckwerte des neuen Konzepts wurden bereits Ende Oktober 2019 bekannt (zentralplus berichtete).

Schweizerhofquai gehört nicht mehr zur Partyzone

Die Stadt Luzern hat am Dienstag bekanntgegeben, dass sie das Festpatronat übernehmen wird. Im Zuge dessen wurden auch weitere Details zum neuen Konzept bekannt. Neu werden nur noch zwischen 50’000 und 65’000 Besucher am Fest erwartet. Einen Luca Hänni oder Florian Ast wird man am Fest nicht mehr zu hören bekommen. Auf zugkräftige nationale Künstler soll verzichtet werden.

Auch soll nicht überall Musik erklingen. Weniger laute Begegnungsstätten, wo man sich hinsetzen und unterhalten kann, gehören in Zukunft genauso zum Fest. «Es wird kleiner, weniger kommerziell, vielfältiger und auch ein Stück weit ruhiger», sagt Stadtpräsident Beat Züsli.

Rochade im Stiftungsrat

Im Stiftungsrat hat es im November 2019 eine grössere Rochade gegeben. Neu dabei sind:

  • Alceo Benedetti, bisheriger Vereins- und OK-Präsident des Lozärner Altstadt Fäschts
  • Claudio Soldati, städtischer SP-Präsident
  • Stefan Sägesser, kantonaler Kulturbeauftragter und GLP-Grossstadtrat
  • René Peter, ehemaliger FDP-Grossstadtrat
  • Erich Felber, Projektleiter

Im nächsten Sommer treten im Gegenzug die Bisherigen Thomas Willi, Armin Suppiger, Trix Dettling und Patrick Deicher aus dem Stiftungsrat aus.

Der Radius wird zudem kleiner. Das Festgelände konzentriert sich voraussichtlich auf die Kleinstadt, die Altstadt, die Bahnhofstrasse und den Bereich des Vögeligärtli. Das heisst: Die Seebrücke und der Schweizerhofquai sowie die Pilatusstrasse werden nicht mehr gesperrt. Voraussichtlich wird das Fest vom Samstagmittag bis Mitternacht dauern. Der Freitag wird derzeit lediglich als mögliche Option genannt.

Definitiv in Stein gemeisselt ist dies aber noch nicht. «Die Details sind Teil der Ausarbeitung, die erfolgen, sobald die Finanzierung geklärt ist», sagt Züsli. 

Stadt zahlt neu höheren Beitrag

Das Budget des Fests beläuft sich auf eine knappe Million Franken. Die Stadt Luzern soll für die ersten drei Jahre das Patronat übernehmen und sich entsprechend finanziell beteiligen. Denn klar ist: Wird das Fest weniger kommerziell, braucht es mehr Mittel der öffentlichen Hand.

Zuletzt zahlte die Stadt jährlich 108’000 Franken ans Luzerner Fest. Dieser Beitrag wird zukünftig fast verdoppelt. Dazu kommen eine Unterstützung an die neue Geschäftsstelle sowie eine Defizitgarantie. Insgesamt soll die Stadt von 2020 bis 2023 einen Beitrag von total 980’000 Franken an den Anlass beisteuern. Der Stadtrat beantragt dem Parlament einen entsprechenden Sonderkredit.

Neu heisst es Stadtfest statt Luzerner Fest

Die neue Ausrichtung des Fests ist quasi ein Schritt zurück zu den alten Wurzeln. Diese reichen zurück in die 70er-Jahre, als mehrere Wohltätigkeitsfeste entstanden. Unter anderem das Luzerner Altstadtfest, das später von der Stiftung «Luzerner helfen Luzernern» organisiert wurde.

Inzwischen heisst die Stiftung «Luzern hilft» – und sie will die alte Idee neu lancieren. In Zukunft soll der gute Zweck wieder vermehrt im Fokus stehen, das Fest aber zugleich eine Plattform für Luzerner Vereine sowie ein Begegnungsort für die lokale Bevölkerung werden. «Von der Grundidee her nähern wir uns stärker der Ebene, die das Altstadtfäscht bisher bespielt hat», sagt Beat Züsli. Ausdruck davon ist auch, dass mit Alceo Benedetti der bisherige Kopf des Lozärner Altstadtfäscht neu im Stiftungsrat des Luzerner Fests mitwirkt (siehe Box).

Zurück zu den Wurzeln: Eine Band bespielt den Hirschenplatz am Altstadtfest 1977.

Ein Detail illustriert die neue Ausrichtung besonders: Die Verantwortlichen nennen den Anlass neuerdings konsequent Luzerner Stadtfest und nicht mehr Luzerner Fest – was zum Ausdruck bringt, dass es nicht mehr ein Anlass mit Strahlkraft in den ganzen Kanton oder gar darüber hinaus sein soll. «Ohne jemanden auszuschliessen, möchten wir das Fest mehr zu einem Anlass für die Stadtbevölkerung machen», sagt Züsli.

Eine Frage bleibt: Wieso spendet die Stadt die sechsstellige Summe nicht einfach direkt an karitative Projekte? «Nebst dem sozialen Zweck hat das Fest als solches für uns einen hohen gesellschaftlichen Wert», begründet Stadtpräsident Beat Züsli. «Es schafft einmal pro Jahr eine Möglichkeit der Begegnung für die verschiedensten Bevölkerungsgruppen. Das darf auch etwas kosten.» 

Über den Beitrag der Stadt entscheidet das Stadtparlament voraussichtlich am 30. Januar. Das städtische Patronat und die finanzielle Unterstützung sind vorerst auf drei Jahre befristet. Aufgrund der Erfahrungen der beiden Feste 2021 und 2022 wird Anfang 2023 entschieden, wie es weitergeht.

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3 Kommentare
  1. Dunning-Kruger, 10.01.2020, 13:25 Uhr

    Letztlich geht es hier ohnehin nur um die Versorgung des Kleingewerbes mit Aufträgen. Wenn es den Initianten wirklich ernst wäre mit der Idee von „Luzerner helfen Luzernern“ (was eine gute Sache wäre!), könnte man einfacher helfen. Warum spart sich die Stadt nicht diese Ausgaben und entlastet dafür z.B. working-poor Familien bei den Steuern in diesem Ausmass? Das wäre direkt geholfen, nachhaltig, transparent und redlich. Aber nein, dort geht man dann lieber bis zum Betreibungsamt und pfändet den armen Teufeln noch den letzten verfügbaren Rest!! So aber fliesst das Geld mit der Giesskanne verteilt in erster Linie wieder an die falschen Profiteure. Am meisten nervt mich aber, dass die Stadtverantwortlichen es dann der Bevölkerung noch als „caritativ“ verkaufen wollen. Für die dumm halten die uns eigentlich?

  2. Joseph de Mol, 07.01.2020, 11:26 Uhr

    Die Stadtbevölkerung interessiert sich schon seit Jahren nicht mehr dafür. Viele haben einen massiven alltäglich overload aufgrund der Übernutzung der Stadt Tag für Tag durch verschiedene Anspruchsgruppen und dem damit verbundenen Dichtestress. Ein Grund zum Feiern wäre, wenn das Fest ganz gestrichen würde und man den Tag als städtischen Ruhe- und Langsamkeitstag begehen könnte. Das wäre dann progressiv. Aber erst müssen es wohl die Zürcher vormachen, bevor es die Luzerner dann blutleer und unfähig zu eigenen kreativen Herangehensweisen, nachahmen können!

    1. Cscherrer, 09.01.2020, 12:06 Uhr

      Richtige Analyse, Herr de Mol. Das Fest dient aus meiner Sicht zur „Selbstbeweihräucherung“ der Initianten. Tatsächlich interessiert das Fest einen verschwindend kleinen Teil der Stadtbevölkerung, welche sich hoffentlich bald entschieden dagegen wehrt, dass die Stadt zu einer Festhütte verkommt. Dabei geht es nicht nur um dieses Fest sondern auch um das unsägliche Treiben an der Fasnacht. Die Stadt hat noch nicht realisiert, dass sie zusammen mit dem LFK dafür verantwortlich ist, dass die Fasnacht zu einer Hüttengaudi verkommen ist. Foodstände und die unzähligen Gruppen im ihren Wagen ziehen eben auswärtige Sauglattismus-Möchtegerne-Fasnächtler an.

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